Argentinien / Politik

Attentat auf Kirchner in Argentinien: Weitere Personen im Visier der Justiz

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In einem Video, das auf seiner SIM-Karte entdeckt wurde, hantiert Montiel mit der Waffe, mit der er später auf Kirchner zielte (Screenshot)
In einem Video, das auf seiner SIM-Karte entdeckt wurde, hantiert Montiel mit der Waffe, mit der er später auf Kirchner zielte (Screenshot)

Buenos Aires. Die Untersuchungen des versuchten Anschlags gegen Vizepräsidentin Cristina Fernández de Kirchner kommen nur langsam voran. Derzeit gibt es vier Verdächtige in Untersuchungshaft (Fernando Sabag Montiel, Brenda Uliarte, Nicolás Carrizo, Agustina Díaz) sowie mehrere Personen aus deren Umfeld, gegen die bisher lediglich Ausreiseverbote verhängt wurden.

Eine Zusammenlegung der Untersuchung des Anschlags mit der gegen die rechte Gruppe "Revolución Federal" auf Grund von Morddrohungen vor einigen Monaten wurde von der Justiz zurückgewiesen, obwohl es nachweislich Verbindungen und Überschneidungen zwischen den beiden Gruppen gibt.

Aus dem in den Stunden nach seiner Festnahme gelöschten Mobiltelefon des Haupttäters Fernando Montiel Sabag Molina wurden inzwischen von Experten der Polizei circa 50 Gigabyte an Daten wiederhergestellt, die derzeit untersucht werden.

Aus den Telefonen der anderen Beteiligten sind weitere Verbindungen hervorgegangen.

So hatte die Mittäterin Uliarte eine kurze Beziehung zu dem bekannten ultraliberalen Internetaktivisten Eduardo Prestofilippo (alias "El presto"), der seit Jahren über Youtube und Twitter Hasstiraden verbreitet. Vor zwei Jahren gab es bereits eine Anzeige gegen ihn wegen Morddrohungen gegen Kirchner. Bei einer darauf folgenden Hausdurchsuchung hatte man bei ihm einen Revolver ohne Seriennummer gefunden. Dies hatte jedoch keine rechtlichen Folgen.

Auch der Bürgermeister von Paraná hatte Anzeige gegen ihn erstattet, da er aufgerufen hatte, dessen Haus mit der gesamten Familie in Brand zu setzen. Kürzlich wurde er zu 30 Tagen Hausarrest wegen Beleidigungen und Hetze gegen die Partnerin des Präsidenten Alberto Fernandez, Fabiola Yañez verurteilt. Während der Pandemie rief "El Presto" häufig zu Demonstrationen gegen die Quarantänemaßnahmen auf. Politisch gehört er, wie auch die Gruppe "Revolución Federal", zum Umfeld von Javier Milei und Jose Luis Espert. Es gibt Hinweise, dass er über die Absichten der Täter zumindest informiert war.

Auf dem Telefon Uliartes fand man einen Austausch mit jemandem Namens "David", der von sich behauptet, Berichte an die US-Botschaft und an die US-Drogenbehörde DEA zu liefern. Wer diese Person ist und ob diese Behauptungen stimmen, ist noch nicht bekannt.

Eine Person im Chat, deren Identität festgestellt wurde, ist Joanna Colman. Sie war in den ersten Stunden nach dem Anschlagsversuch mit Uliarte in Verbindung und auffällig gut darüber informiert, was Sabag Montiel ausgesagt hatte. Sie sollte zuerst als Zeugin verhört werden, die Nebenkläger verlangten jedoch, sie als Verdächtige zu behandeln.

Ein weiterer bisher nicht identifizierter Teilnehmer in dem Gruppenchat mit dem Alias "Jony White" schlug vor, den "Chef der Campora [eine peronistische Jugendorganisation]" zu töten. Das Opfer wäre der Sohn der Vizepräsidentin, Máximo Kirchner.

Die Anwälte der Nebenklage, Jose Ubeira und Marcos Aldazabal, erklärten, dass ihnen Hinweise auf Anstifter des Anschlags vorliegen und kritisierten das ihrer Meinung nach extrem behäbige Vorgehen der Justiz, sowie die Tatsache, dass keine Sonderkommission bei der Staatsanwaltschaft gebildet wurde. Momentan arbeiten an dem Fall nur die Richterin, ein Sekretär und vier Justizangestellte.

Sie monierten auch die Zurückweisung der Zusammenlegung der Untersuchungen und die Untätigkeit bei der Ausleuchtung der finanziellen Hintergründe der Täter, aus denen ein Hinweis auf mögliche Hintermänner hervorgehen könnte.

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