Uruguay / Politik

Skandal in Uruguay: Bodyguard des Präsidenten verhaftet

Astesiano wird Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Er soll gefälschte Ausweise verteilt und einem international gesuchten Drogenboss zur Flucht verholfen haben

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Braucht einen neuen Sicherheitschef: Uruguays Präsident bei einem Polizeifest in Montevideo
Braucht einen neuen Sicherheitschef: Uruguays Präsident bei einem Polizeifest in Montevideo

Montevideo. Mit Alejandro Astesiano ist der Leiter der Sicherheitsüberwachung des Präsidenten von Uruguay, Luis Lacalle Pou, verhaftet worden. Er wird beschuldigt, Mitglied einer kriminellen Vereinigung zu sein, die sich der Fälschung von Dokumenten widmete.

Astesiano konnte aufgrund seiner privilegierten Stellung in der Regierung Lacalle Zugang zu allen staatlichen Identifikationsdaten erhalten und darüberhinaus alle gewünschten Kenntnisse im Bereich der inneren Sicherheit und polizeilicher Daten einfordern. Schließlich lebte er an der Seite des Präsidenten.

Als Anlass der Festnahme von Astesiano gilt die Fälschung von 40 uruguayischen Pässen für russische Staatsbürger. Schon länger steht jedoch im Raum, dass im Dunstkreis der neoliberalen Regierung noch weit mehr Fälle zweifelhafter Legalität aufzuklären sind. Manche stehen bereits vor Gericht.

Drei uruguayischen Staatsbürgern wird aktuell in Panama der Prozess wegen Geldwäsche in Millionenhöhe gemacht. Eine der Angeklagten ist die Lebensgefährtin des gegenwärtigen Kulturministers, der andere ist der Bruder des früheren Präsidenten Julio Sanguinetti (auch Kulturminister während der Diktatur in Uruguay), der dritte ist eine etwas weniger prominente Figur aus den rechts-konservativen Kreisen.

Ein weiterer Fall, der auch international für Aufsehen sorgt, ist der bekannte Drogenboss Sebastian Marset, der in Paraguay wegen Drogenhandel und Geldwäsche gesucht wird. Ihm wird ein Netz aus Kontakten zu Präsidenten, Senatoren, Staatsanwälten, Polizisten und örtlichen Drogenhändlern zugeschrieben. Er konnte aus der Haft in Dubai, wo er wegen einem gefälschten Pass einsaß, entkommen. Jemand überbrachte ihm einen neuen Pass aus Uruguay. Nun sucht ihn Interpol im südlichen Afrika.

Vor der Flucht von Marset reiste die Gattin des urugayischen Präsidenten auf Staatskosten (12.000 US-Dollar) nach Dubai, wo sie sich auch mit der "jungen und unerfahrenen" Botschafterin Uruguays traf, die sich um Landsleute in Haft kümmern darf. Es kursieren noch weitere Geschichten aus der illustren Regierungsriege von Lacalle Pou. Sie alle zu berichten würde den Umfang dieses Artikels sprengen.

Die Staatsanwältin Gabriela Fossati leitet die Ermittlungen gegen Astesiano wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, illegalen Kontaktvermittlungen im Regierungsapparat und unerlaubter Datennutzung des staatlichen Personenregisters. Der Richter Matías Porciúncula ordnete indes eine einmonatige Untersuchungshaft an.

Am Tag nach der Verhaftung seines Leibwächters berief Präsident Lacalle Pou eine Pressekonferenz ein. Er leugnete zuerst, dass sein Sicherheitsbeamter vorbestraft sei und behauptete, er habe ein "makelloses" Führungszeugnis. Astesiano bestätigte jedoch inzwischen selbst eine Vorstrafe wegen Betrugs.

Einen Tag später, nachdem die Presse von einer Haftzeit im Jahr 2013 berichtete, räumte der Präsident ein, dass Astesiano mehrere polizeiliche "Vorladungen" gehabt hätte, die er jedoch nicht in dessen Dokumenten gesehen habe. Ab diesem Zeitpunkt tauchten die Strafregister des Leibwächters im Innenministerium plötzlich auf. Zuvor waren sie im Online-System nicht zu finden, da die Personalausweisnummer "aus Versehen" gelöscht worden sei. Insgesamt handelt es sich um 30 Einträge wegen krimineller Handlungen und zu Nachforschungen bezüglich seines Aufenthalts.

Unter solchen Voraussetzungen hätte Astesiano normalerweise keine Erlaubnis zum Waffenbesitz erhalten. Er hätte noch nicht einmal in einer privaten Sicherheitsfirma arbeiten können.

Astesiano organisierte den bisherigen Erkenntnissen zufolge die Treffen mit "Kunden" im vierten Stock des Regierungsgebäudes. Er bot seinen Bekanntschaften auch "strategische Kontakte" in Ministerien und hohen Regierungsbüros an. Solche Details kamen durch die Analyse seiner Whatsapp-Meldungen zum Vorschein, von denen er einen bedeutenden Teil noch rechtzeitig gelöscht haben soll.

Dazu blieb ihm die Zeit, da er unter Präsidentenschutz einer direkten Festnahme am Flughafen entgehen konnte. Astesiano und der Präsident kamen gerade von einem gemeinsamen Ferienausflug zurück. Seit 1999 soll beide laut Lacalle Pou eine Familienfreundschaft verbinden. Letzterer will in diesen Jahrzehnten nichts von den dunklen Machenschaften seines "Freundes" bemerkt haben.

Als Sicherheitsbeauftragter des Präsidenten erfüllte Astesiano höchst brisante Aufgaben. In seinen Händen befand sich der Schutz des Präsidenten und seiner Familie im Land und auch bei dessen Auslandsreisen, wo er oft der einzige Begleiter des Staatsoberhauptes war. Auch bei offiziellen Staatsbesuchen ausländischer Regierungsvertreter trug er die oberste Verantwortung für Sicherheitsmaßnahmen.

Viele Fragezeichen stehen noch im Raum, die Ermittlungen stehen erst am Anfang.

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