Mehrere Militärs in Kolumbien räumen Verantwortung für Falsos Positivos ein

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Angehörige der Falsos Positivos-Opfer in Casanare fordern Wahrheit, Gerechtigkeit, Wiedergutmachung und Nicht-Wiederholung
Angehörige der Falsos Positivos-Opfer in Casanare fordern Wahrheit, Gerechtigkeit, Wiedergutmachung und Nicht-Wiederholung

Casanare. Oberste Befehlshaber der kolumbianischen Streitkräfte haben ihre Beteiligung an Menschenrechtsverbrechen im Departamento Casanare während des bewaffneten Konflikts gestanden. Sie sagten in einem Teilverfahren vor der Sonderjustiz für den Frieden (JEP) aus.

Unter den Tätern befinden sich der ehemalige Generalmajor der in Casanare operierenden 16. Brigade Casanare Henry Torres Escalante als Hauptverantwortlicher sowie zahlreiche rangniedrigere Militärs.

Zuvor hatte die JEP im dem Fall insgesamt 22 Militärs aufgefordert, ihre Verantwortung für die Verbrechen an der Zivilbevölkerung einzugestehen. Die Einheit hat für den Zeitraum zwischen 2005 bis 2008 insgesamt 329 Gefechtstote angegeben. Davon sollen 212 Zivilist:innen sein, die nach ihrer Ermordung als Guerillaangehörige oder Unterstützer vermerkt wurden.

Diese Taktik des Militärs wurde als "Falsos Positivos"-Skandal (Falsche Positive) bekannt und wurde in zahlreichen, insbesondere ländlichen Regionen systematisch angewendet. Der JEP zufolge sind mindestens 6.402 Personen auf diese Weise getötet worden. Damit einher ging eine Stigmatisierung der Angehörigen und eine Reviktimisierung der Opfer aufgrund der behaupteten Zugehörigkeit zur Guerilla.

Torres Escalante leitete die Einheit zwischen Dezember 2005 und Juni 2007 und erkannte seine Taten als Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschheit an. Außerdem gab er zu, Einheiten mittels mündlicher Danksagungen oder Warnungen indirekt zur Durchführung illegaler Operationen ermutigt zu haben: "Mein unterlassenes Verhalten und der Druck auf meine Untergebenen, bei militärischen Operationen die größtmögliche Anzahl von Opfern im Kampf zu produzieren, waren ausschlaggebend für die bedauerlichen Ereignisse."

Unter den Geständnissen befinden sich die von zwei weiteren Hauptverantwortlichen: der Oberstleutnant Henry Hernán Acosta Pardo, Kommandant des Infanteriebataillons Nr. 44 Ramón Nonato Pérez zwischen Dezember 2006 und Juni 2008, sowie Gustavo Enrique Soto, zwischen Juni 2006 und Oktober 2007 Kommandant der Eliteeinheit Gaula in Casanare.

Ihre Verantwortung als Mittäter von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschheit erkannten außerdem 15 weitere beteiligte Militärs und ein Zivilist an, so die JEP in einer Erklärung mit Namensnennung.

Der Sonderjustiz zufolge nutzte das Militär Anwerber oder Lockvögel, oftmals Kinder, um die zivilen Opfer zu täuschen und an einen anderen Ort zu locken. Aufgrund dessen und da sich unter den Opfern auch Frauen, zwei Sexarbeiterinnen und queere Personen befinden, klagt die JEP zum ersten Mal wegen Verbrechen gegen die Menschheit aus geschlechtsspezifischen Gründen und aufgrund des Einsatzes von Kindern an.

In Kürze wird es eine öffentliche Anhörung zur Anerkennung des Leids der Opfer und ihrer Angehörigen geben, wie sie bereits in andern Regionen stattgefunden hat (amerika21 berichtete).

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