Mexiko: Familien verurteilen weiterhin fehlende Aufklärung im Fall Ayotzinapa

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Die Angehörigen der Verschwunden von Ayotzinapa fordern Gerechtigkeit
Die Angehörigen der Verschwunden von Ayotzinapa fordern Gerechtigkeit

Mexiko-Stadt. Eltern und Verwandte der Opfer von Ayotzinapa haben am Montag erneut für Aufklärung und Gerechtigkeit demonstriert. Acht Jahre und drei Monate nach dem gewaltsamen Verschwindenlassen der 43 Studierenden im mexikanischen Bundesstaat Guerrero verurteilten sie die fehlenden Ermittlungsfortschritte und die Untätigkeit der Regierung im Bezug auf die Aufklärung des Verbrechens. 

Der Protestmarsch begann an der Glorieta Peralvillo und führte zur Basílica de Guadalupe. Dort wurden die Demonstrierenden vom emiritierten Bischof Raúl Vera empfangen, der anschließend vor Ort einen Gottesdienst abhielt. Begleitet wurden sie von Mitarbeiter:innen der städtischen Menschenrechtskommission.

"Die Bundesregierung schenkt dem Fall nicht das angebrachte Interesse, obwohl sie betont, dass es ein Staatsverbrechen war und sie die Bereitschaft und Verpflichtung besitzt, die Situation aufzuklären", kritisiert Melitón Ortega, Mitglied des Komitees der Eltern der 43 Studierenden von Ayotzinapa. Genau das Gegenteil sei der Fall, weshalb die Hinterbliebenen "weiter auf die Straße gehen und Gerechtigkeit fordern". Weiterhin führt er aus, dass in den vergangenen Monaten keine Treffen mit mexikanischen Bundesbehörden stattgefunden hätten. Die letzte Sitzung soll am 26. September 2022 stattgefunden haben, danach wurden die Angehörigen für kein weiteres Zusammentreffen mehr kontaktiert.

Auch mit Alejandro Encinas, dem Vorsitzenden der Ẃahrheitskommission zum Fall Ayotzinapa (Covaj) bestünde derzeit kein Austausch. "Es gab das Versprechen, ein monatliches Treffen mit dem Bundesvorstand und anderen Behörden zu organisieren, aber dies ist nicht passiert. Hoffentlich vergessen sie nicht ihre Verpflichtung zur Aufrechterhaltung einer regelmäßigen Kommunikation", so Encinas.

Die 43 Studierenden, welche sich auf die Teilnahme an einer Demonstration in Mexiko-Stadt vorbereiteten, wurden in der Nacht des 26. Septembers 2014 von der Bundespolizei verhaftet und verschleppt. Bislang wurden die Überreste von drei Opfern identifiziert: Alexander Mora Venancio im Jahr 2014, Christian Alfonso Rodríguez Telumbre sechs Jahre später und Joshivani Guerero de la Cruz im Jahr 2021. Die fehlenden 40 Personen werden bis heute vermisst. Es ist nicht davon auszugehen, dass sie noch am Leben sind. 

Ein Bericht der Covaj informierte im August diesen Jahres darüber, dass ranghohe Militärs direkt für die Repression gegen die Studierenden im September 2014 mitverantwortlich waren. Dies gab Unterstaatssekretär Encinas am 26. August auf einer Pressekonferenz im Präsidentenpalast in Mexiko-Stadt bekannt (amerika21 berichtete). 

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