Havanna. Auf Kuba hat sich am Freitagmorgen ein landesweiter Zusammenbruch des Stromnetzes ereignet. Wie das Ministerium für Energie und Bergbau gegen 11 Uhr Ortszeit mitteilte, kam es in Folge einer Havarie des Kraftwerks Antognio Guiteras zur vollständigen Unterbrechung der Energieversorgung. Inzwischen laufen die Arbeiten zur Wiederherstellung auf Hochtouren. Präsident Díaz-Canel teilte mit, dass die Führung des Landes "dem Energienotfall absolute Priorität und Aufmerksamkeit" einräumt. "Es wird keine Pause geben, bis das Netz wiederhergestellt ist", sagte er.
Der Zusammenbruch ereignete sich inmitten einer schweren Energiekrise, die dem Land bereits seit mehreren Jahren zu Schaffen macht. In den vergangenen Wochen haben die mehrstündigen täglichen Stromabschaltungen jedoch massiv zugenommen.
Wie der Stromversorger UNE in seinem letzten Report vor dem Zusammenbruch bekannt gab, wurde für Donnerstag mit einem Spitzendefizit von 1.678 Megawatt bei einem Bedarf von 3.300 Megawatt gerechnet. Das bedeutet, dass landesweit nur rund die Hälfte der benötigten elektrischen Energie zur Verfügung stand. Sieben der 20 thermoelektrischen Großkraftwerksblöcke waren unmittelbar vor dem Ereignis außer Betrieb.
Premierminister Marrero benannte "den Zustand der Infrastruktur, den Mangel an Treibstoff und den Anstieg der Nachfrage" als die drei größten Probleme im Energiebereich. Er betonte, dass die seit 60 Jahren andauernde und unter dem ehemaligen US-Präsident Donald Trump verschärfte Wirtschaftsblockade das Hautpthindernis für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes sei. Darüber hinaus gibt es jedoch hausgemachte Probleme wie unzureichende Investitionen in die Energieinfrastruktur.
Im Rahmen einer Sondersendung kündigte die Premierminister Manuel Marrero am Donnerstagabend drastische Einsparmaßnahmen an. Der Schulbetrieb wurde bis einschließlich Sonntag ausgesetzt und alle nicht essentiellen wirtschaftlichen Aktivitäten pausiert. Die Priorität sollte auf der Versorgung der Wohngebiete liegen. Die eiligst erlassenen Sofortmaßnahmen konnten den Kollaps jedoch nicht mehr verhindern.
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Unmittelbar nach dem Zusammenbruch, dem Moment mit "Null Stromerzeugung", wie Elektroingenieur Lázaro Guerra in den kubanischen Nachrichten erklärte, wurde mit der Wiederherstellung des Netzes begonnen.
Hierzu kommen sowohl Gasturbinen als auch dezentrale Dieselgeneratoren in der Nähe der großen Schwerölkraftwerke sowie die vorhandenen schwimmenden Kraftwerksschiffe zum Einsatz, mit denen die ins Netz eingespeiste Leistung schrittweise wieder hochgefahren wird. Zunächst werden dezentrale Mikrosysteme aufgebaut, die anschließend wieder zu einem einheitlichen Netz verbunden werden.
Erste Mikrosysteme waren am Freitagnachmittag in Betrieb. Energieminister Vicente de O’Levy meldete in der Nacht auf Samstag die Wiederherstellung der ersten 500 Megawatt. Um 6.15 Uhr Ortszeit gab der Stromversorger dann einen herben Rückschlag bekannt: Das westliche Teilsystem war am frühen Morgen erneut kollabiert. Am Samstagabend ereignete sich ein weiterer Zusammenbruch des westlichen Teilnetzes.
Am Sonntagmorgen dann ein erstes Aufatmen: Die Antonio Guiteras hat sich über Nacht mit dem lokalen Mikronetz verbunden, was den Start weiterer Kraftwerke begünstigt hat. Dies hat die Verbindung der Stromnetze im Zentrum und Osten des Landes zwischen Matanzas und Holguín ermöglicht. Um 16.30 Uhr ereignete sich jedoch ein herber Rückschlag: Wie das Energieministerium bekannt gab, ist das Netz erneut kollabiert und es werde mit Hochdruck an seiner Wiederherstellung gearbeitet.
Indes droht Hurrikan Oscar für Kubas Osten die nächste schwierige Situation. Die Regierung ordnete die Einstellung des Unterrichts und aller entbehrlicher Verwaltungstätigkeiten bis einschließlich Mittwoch an.


