Los Sauces. In der Gemeinde Los Sauces in der Region Araucanía, etwa 600 Kilometer südlich von Santiago, ist am 19. Januar auf dem Gelände des Forstunternehmens CMPC (Compañía Manufacturera de Papeles y Cartones) ein Brand ausgebrochen. Firmeneigene Brigadisten und Feuerwehren aus der Gegend rückten aus, um den Brand zu bekämpfen und seine Ausweitung einzudämmen.
Während des Einsatzes starben zwei Brigadisten und ein Feuerwehrmann, neun weitere Einsatzkräfte wurden verletzt. Das Feuer zerstörte etwa 1.000 Hektar Wald, konnte aber unter Kontrolle gebracht werden, bevor es Wohngebiete erreichte. Gebäude oder Anwohner kamen nicht zu Schaden.
Die Behörden hatten schon früh über das SAE (Sistema de Alerta de Emergencia) zur vorsorglichen Evakuierung von nahegelegenen Siedlungen aufgerufen. Das SAE ist ein landesweites Frühwarnsystem das bei Notfällen aller Art über SMS zur Evakuierung von gefährdeten Gebieten aufruft und Verhaltensratschläge gibt.
Eine 60-jährige Frau, die im Verdacht steht, den Brand gelegt zu haben, wurde inzwischen festgenommen und dem Amtsgericht vorgeführt. Roberto Garrido, Staatsanwalt von Araucanía, zufolge drohen ihr wegen der schweren Folgen bis zu 20 Jahre Haft. Der psychische Zustand der Verdächtigen müsse dabei jedoch miteinbezogen werden, "da sie möglicherweise nicht zurechnungsfähig sein könnte". Nachbarn von Los Sauces halten die Frau jedoch für unschuldig. Sie sei friedfertig und unfähig einen Brand zu legen. Sie fordern Gerechtigkeit für "La Nina" und ihre Freilassung, berichtet das Internetportal Araucaniadiario
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Der öffentliche Druck auf Forstunternehmen hat in den letzten Jahren zugenommen, da sie durch das Pflanzen von Monokulturen die Feuergefahr erhöhen sollen. Nach eigener Aussage sieht CMPC, dass sie eine Verantwortung tragen die Brände zu bekämpfen. Das Unternehmen stellt seiner Webseite zufolge im derzeitigen Südsommer 24 Flugzeuge bzw. Hubschrauber sowie über 1.000 Brigadisten zur Verfügung.
Zwischen den Monaten November und März besteht in Chile wetterbedingt erhöhte Waldbrandgefahr. Man spricht von der 30-30-30 Regel, die das Aufkommen von Bränden und ihre schnelle Ausbreitung enorm erleichtern: Temperaturen über 30 Grad Celsius, Windgeschwindigkeiten von 30 Km/h und eine relative Luftfeuchtigkeit von unter 30 Prozent.
Um über die Ursachen von Bränden aufzuklären und Anleitungen zum Melden von Brandherden zu geben, laufen in dieser Zeit Fernsehspots auf allen Kanälen. Aufklärung und Vorbeugung sind wichtig, da fast alle Brände menschengemacht sind. In 28 Prozent der Fälle ist Brandstiftung die Ursache und bei 72 Prozent liegt Fahrlässigkeit vor.
Seit November 2024 befinden sich vier Personen in Untersuchungshaft, die im dringenden Verdacht stehen für die verheerenden Brände (amerika21 berichtete) im Februar 2024 in der Küstenregion von Valparaiso verantwortlich zu sein. Auch ihnen drohen bei einer Verurteilung bis zu 20 Jahre Gefängnis.


