Brasília et al. Die Regierungen von Brasilien, Chile und Mexiko haben ihrer Freude über den Wahlsieg des kanadischen Premierministers Mark Carney deutlichen Ausdruck verliehen. Carneys Liberale Partei errang am Montag 43,7 Prozent der Stimmen und 169 der 343 Parlamentssitze. Für die Regierungsbildung wird die Liberale Partei von der sozialdemokratischen "Neuen Demokratischen Partei" mit sieben Sitzen unterstützt.
Der brasilianische Staatspräsident Luíz Inácio Lula da Silva (Arbeiterpartei PT) gratulierte Carney in einer längeren Erklärung zu seinem Sieg und wünschte dem "Brudervolk Kanadas" einen neuen Zyklus des Wohlstands. "Lassen Sie uns daran arbeiten, die bilateralen Beziehungen und unsere Demokratien zu stärken", so Lula.
Lula äußerte die Absicht, die bilaterale Zusammenarbeit "in Bereichen beiderseitigen Interessen wie Förderung und Schutz der Menschenrechte oder Kampf gegen den Klimawandel" zu vertiefen. Zudem strebt er eine Handelsvereinbarung zwischen den Mercosur-Staaten und Kanada an. "Wir sind daran interessiert, die Verhandlungen über ein Handelsabkommen zwischen Mercosur und Kanada voranzutreiben, um unseren Austausch zu diversifizieren und zu erweitern", heißt es in der Erklärung von Lula.
Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum gratulierte Carney während ihrer morgendlichen Pressekonferenz im Nationalpalast am Dienstag "im Namen des mexikanischen Volks". Auch Sheinbaum bekräftigte die Absicht, mit Kanada vor allem als Handelspartner "weiterhin eng zusammenarbeiten".
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Auch der chilenische Staatschef Gabriel Boric gratulierte Carney zu seinem Sieg "in einer besonders schwierigen Zeit für sein Land." Boric betonte: "Wir teilen die Überzeugung, dass stabile Handelsbeziehungen für das Wohlergehen unserer Völker von wesentlicher Bedeutung sind." Seine Regierung sehe sich in der "Verpflichtung, die auf Vertrauen und Zusammenarbeit basierenden Beziehungen zwischen unseren Ländern weiter zu stärken."
Brasilien mit rund 215 Millionen und Mexiko mit rund 130 Millionen Einwohner:innen sind die beiden bevölkerungsreichsten Länder Lateinamerikas; Chile (20 Millionen Einwohner:innen) ist das lateinamerikanische Flächenland mit dem größten BIP pro Kopf (circa 17.000 US-Dollar). Kanada und Mexiko gehören zu den Ländern, die am stärksten unter der Handels- und Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump leiden.
Ein Abkommen mit Mexiko oder den Mercosur-Ländern könnte Kanadas wirtschaftliche Abhängigkeit von den USA verringern. Auch Brasilien und Chile sind von dem Zollkrieg betroffen und suchen nach Alternativen, um Märkte und Beteiligungen am Welthandel zu erweitern.

