Caracas. Die venezolanische Politikerin María Corina Machado verspricht privatwirtschaftlichen Akteur:innen im Falle einer Regierungsübernahme enorme Profite. "Venezuela steht vor einem historischen Wandel und bietet die größten Möglichkeiten für Demokratie, Sicherheit und Investitionen in Lateinamerika", erklärte Machado auf einer Veranstaltung des Council of the Americas am 6. Juni. Die US-amerikanische Organisation wurde 1963 gegründet, um den Einfluss des revolutionären Kubas in Lateinamerika zu begrenzen und setzt sich bis heute für freie Märkte ein. Zahlreiche namhafte internationale Unternehmer:innen gehören ihr an.
Andrés Gluski, Vorsitzender des Council of the Americas und Geschäftsführer des internationalen Energieunternehmens AES Corporation, pries den erwarteten venezolanischen Wirtschaftsboom als "einmalige Investitionschance", die sich "nur einmal im Leben" biete und "die Region neu formen" werde. Zu Beginn der Veranstaltung ließ er ein kurzes Video einspielen, das in enthusiastischen Worten und Bildern das ökonomische Potenzial Venezuelas betonte. Neben den großen Vorräten an Erdöl, Erdgas und Mineralien hob das Video vor allem die Möglichkeiten im Tourismus, der Landwirtschaft und dem Immobiliensektor hervor. Diese würden sich allerdings erst entfalten, "wenn die Demokratie zurückkehrt", heißt es am Ende des Clips.
"Die Investor:innen werden vom ersten Tag an von einmaligen Bedingungen profitieren", betonte Machado anschließend in Anspielung auf eine "demokratische Transition". Diese stehe kurz bevor, da "das Regime verwundbarer als jemals zuvor" sei. Acht Millionen migrierte Venezolaner:innen stünden bereit, um "zurückzukehren, zu investieren und sich am Wiederaufbau zu beteiligen." Ein Regierungswechsel werde Geschäfte "im Umfang von 1,7 Billionen US-Dollar" ermöglichen. "Behalten Sie das im Hinterkopf", schloss Machado. "Sobald Venezuela demokratisch und frei ist, wird es der strategisch wichtigste US-Verbündete in der Region sein." Da Machado seit der Präsidentschaftswahl im Juli 2024 untergetaucht ist, war sie online zugeschaltet.
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Anschließend erläuterte die Ökonomin und Machado-Vertraute Sary Levy-Carciente konkrete Investitionsmöglichkeiten nach verschiedenen Sektoren. Das US-amerikanische Magazin "The Atlantic" bezeichnete Levys Auftritt als "einen Pitch an die Wall Street". Tatsächlich wirft die Veranstaltung Fragen auf. Denn außerhalb von Machados Team rechnen kaum Beobachter:innen mit einem zeitnahen Regierungswechsel in Caracas. Auch die Oppositionspolitikerin selbst ging nicht darauf ein, auf welche Weise sie an die Regierung kommen will.
Der Weg über Wahlen scheint nach der von Betrugsvorwürfen überschatteten Präsidentschaftswahl im Juli 2024 und der neuerlichen Boykottstrategie des rechten Oppositionsflügels vorerst versperrt. Auch ein durch äußeren Druck ausgelöster Militärputsch gilt als unwahrscheinlich. US-Präsident Donald Trump zeigt momentan kein Interesse daran, an die Strategie des "maximalen Drucks" aus der ersten Amtszeit anzuknüpfen. Wenngleich seine Regierung die Sanktionen gegen den venezolanischen Erdölsektor leicht verschärft hat, scheint Trump weniger auf einen Regimewechsel als auf die erzwungene Ausweisung von in den USA lebenden Venezolaner:innen zu setzen.
In der Venezuela-Politik der US-Regierung gab in den vergangenen Monaten Trumps moderater Sondergesandte Richard Grenell gegenüber Außenminister Marco Rubio den Ton an, der als Hardliner gegenüber Venezuela gilt. Durch direkte Gespräche mit Venezuelas Präsident Nicolás Maduro konnte Grenell die Freilassung mehrerer inhaftierter US-Amerikaner:innen erreichen. Machado versucht hingegen seit Jahren, Washington zu einem härteren Kurs gegenüber Caracas zu bewegen. Dazu behauptet sie in jüngster Zeit wieder verstärkt, Venezuela stelle aufgrund der Beziehungen zu Russland und Iran eine Sicherheitsgefahr für den Westen dar.

