Buenos Aires. Auf eine der heftigsten Kältewellen der vergangenen Jahre folgen nun starke Winde: Der argentinische Wetterdienst (SMN) hat für mehrere Provinzen im Süden des Landes Sturmwarnungen herausgegeben. In Chubut, Santa Cruz, Río Negro und Teilen von Neuquén werden Windböen von bis zu 100 Kilometern pro Stunde erwartet. Diese Region war letzte Woche kurzzeitig zu einem der kältesten bewohnten Orte der Erde geworden (amerika21 berichtete).
Auch die Hauptstadt Buenos Aires bereitet sich auf stürmische Bedingungen vor. Dort waren wegen der Kälte die sozialen Folgen besonders drastisch. Nach Angaben lokaler Behörden sind in Zusammenhang mit der Kältewelle mindestens 60 Personen gestorben, viele davon waren obdachlos oder lebten in unzureichend beheizten Unterkünften. Auch in ländlichen Gebieten, wo Heizung und medizinische Versorgung oft fehlen, wurden Todesfälle gemeldet.
Neben Kälte und Wind kündigt sich bereits das nächste Wetterextrem an: Für die kommenden Tage werden in der Hauptstadt Buenos Aires und in Teilen der Provinz auch starke Regenfälle erwartet. Laut Prognosen des SMN könnten ab Sonntagabend (Ortszeit) intensive Niederschläge einsetzen. Der Wechsel von Frost zu Regen birgt Risiken wie Überschwemmungen oder Erdrutsche.
Ihnen gefällt, was Sie lesen?
Das freut uns. Unterstützen Sie unsere Arbeit. Regelmäßige Spenden helfen uns, das Projekt amerika21 nachhaltig aufzustellen.
"Was wir erleben, ist kein normales Wetter mehr", erklärte Cindy Fernández vom SMN gegenüber Medien. Die Kombination aus Frost, Schneemassen und Sturm stellt insbesondere ländliche Regionen in Patagonien vor große Herausforderungen. Straßenverbindungen bleiben teilweise blockiert, die Stromversorgung ist gefährdet, und durch den starken Wind steigt die Gefahr umstürzender Bäume und beschädigter Infrastruktur.
Der rapide Wechsel von extremer Kälte zu heftigen Stürmen ist kein isoliertes Phänomen. Meteorolog:innen verweisen auf zunehmende atmosphärische Instabilität infolge des Klimawandels. Die außergewöhnlich niedrigen Temperaturen im Süden Südamerikas und die gleichzeitigen Hitzerekorde in Teilen Europas gelten als Ausdruck derselben globalen Dynamik. Veränderte Jetstreams, ausgelöst durch die Erwärmung der Arktis und der Ozeane, begünstigen polare Kaltlufteinbrüche sowie extreme Hitzewellen. Diese anhaltenden Extremwetterlagen verschärfen bestehende strukturelle Benachteiligungen und zeigen, wie ungleich die Risiken der Klimakrise verteilt sind.

