Kolumbien / Politik

Kolumbien: Zwölf Jahre Hausarrest und Geldstrafe für Ex-Präsident Uribe

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"Und wir vergessen die 6402 Fälle nicht, die Gerechtigkeit verlangen." Das Magazin bezieht sich auf die bislang dokumentierten falsos positivos Fälle
"Und wir vergessen die 6402 Fälle nicht, die Gerechtigkeit verlangen." Das Magazin bezieht sich auf die bislang dokumentierten falsos positivos Fälle

Bogotá. Wegen Prozessbetrugs und versuchter Zeugenbestechung ist Álvaro Uribe, ehemaliger Präsident Kolumbiens, am 1. August 2025 zu zwölf Jahren Hausarrest verurteilt worden.

Es ist das erste Mal in der Geschichte des Landes, dass ein ehemaliger Präsident vor Gericht schuldig gesprochen wurde. Zusätzlich muss Uribe eine Geldstrafe von 3,4 Milliarden Kolumbianischen Pesos (rund 820.000 US-Dollar) zahlen und darf acht Jahre lang kein öffentliches Amt ausüben.

Richterin Sandra Heredia ordnete an, dass Uribe die Strafe unverzüglich antreten muss. Sie lehnte den Antrag der Verteidigung ab, ihn bis zur Berufung freizulassen. Sie begründete dies mit der Gefahr, dass Uribe auf Zeug:innen oder den weiteren Verlauf des Verfahrens Einfluss nehmen könnte.

Während der Urteilsverkündung kam es zu einem Eklat. Als die Richterin auf die mögliche Weitergabe vertraulicher Informationen durch Uribes Familie zu sprechen kam, unterbrach er sie mit den Worten: "Greifen Sie meine Familie nicht an."

Uribes Anwält:innen kündigten unmittelbar nach dem Urteil Berufung beim Obersten Gericht in Bogotá an. Die Frist dafür läuft bis Anfang Oktober.

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Die Urteilsbegründung umfasst mehr als 1.114 Seiten. Sie legt dar, dass Uribe die Manipulation über finanzielle Zuwendungen an mehrere ehemalige Paramilitärs organisiert hat. Telefonmitschnitte zwischen Uribe und seinem Anwalt lieferten entscheidende Beweise.

Das Urteil stellt Uribes Glaubwürdigkeit infrage und könnte dazu führen, dass der ursprüngliche Prozess gegen ihn wieder aufgenommen wird. Ihm wurden Mord und eine Beteiligung an mehreren tausend Fällen sogenannter falsos positivos zwischen 2002 und 2008 vorgeworfen. 

Laut der Sondergerichtsbarkeit ermordete das Militär im Rahmen des bewaffneten Konflikts über 6.400 Zivilist:innen und gab sie als Guerilleros aus, um die Taten zu rechtfertigen. Die meisten dieser Morde geschahen während Uribes Präsidentschaft. Eine direkte Verantwortung wurde ihm bislang nicht nachgewiesen, doch der Druck von Opferverbänden wächst.

In den sozialen Netzwerken verbreiten sich derzeit zahlreiche Posts, Memes, Dankesbotschaften an das Gericht und emotionale Kommentare. Viele Nutzer:innen beschrieben den Moment als Wendepunkt im Kampf gegen die langjährige politische Gewalt und paramilitärische Verbindungen in Kolumbien. "Die Gerechtigkeit siegt" und "Endlich Verantwortung für Machtmissbrauch" sind häufig geteilte Slogans.