Sucre. Boliviens Präsident Luis Arce hat am 6. August auf dem zentralen Platz in Sucre, der Plaza 25 de Mayo, das Denkmal zu Ehren der Nationalheldin Juana Azurduy enthüllt. Die Skulptur steht als Symbol für das Vermächtnis der auch als "Heilige Johanne von Amerika" bekannten Unabhängigkeitskämpferin.
Auf der Plaza 25 de Mayo fand 1809 der erste Ruf nach Unabhängigkeit und Freiheit statt. Direkt gegenüber wurde 1825 im Haus der Unabhängigkeit die Unabhängigkeitserklärung der Republik Bolivien unterzeichnet. Präsident Arce sagte, das Denkmal sei ein Symbol für viele Kämpfe: "Kampf für Freiheit, Gleichheit, soziale Gerechtigkeit und das Recht der Frauen, Protagonistinnen der Geschichte zu sein."
Juana Azurduy de Padilla gilt als eine der tapfersten Freiheitskämpferinnen Lateinamerikas. Sie spielte eine wichtige Rolle in den Unabhängigkeitskämpfen, befehligte als Kommandantin männliche Truppen und wurde zum Oberstleutnant ernannt. Dennoch starb sie in Armut und blieb in der Geschichtsschreibung lange unsichtbar. Sie wurde im Departemento Chuquisaca geboren und wuchs nach dem Tod ihrer Eltern mit ihrer Schwester in einem Kloster auf. Schon in jungen Jahren las sie die Werke von Voltaire und Jean-Jacques Rousseau und entwickelte starke emanzipatorische Ideale.
Gemeinsam mit ihrem Mann Manuel Ascencio Padilla schloss sie sich 1809 der Chuquisaca-Revolution an, einem im heutigen Sucre begonnenen Unabhängigkeitskampf, der jedoch gewaltsam niedergeschlagen wurde. Nach der Niederschlagung des Aufstands begann sie 1812 den Guerillakampf, nahm an mehreren Kämpfen teil und erlitt dabei schwere persönliche Verluste, darunter auch den Tod mehrerer Kinder. Nach dem Tod ihres Mannes während einer Schlacht durch den royalistischen General Francisco Javier Aguilera in Villar übernahm sie das Kommando und führte die Truppen.
Keine Werbung, keine Paywall, aber trotzdem Nachrichten aus Lateinamerika?
Das geht nur mit den Spenden unserer Leserinnen und Leser. Unterstützen Sie uns jetzt.
Wegen zunehmender Repressionen floh sie nach Argentinien. Aufgrund ihrer Führungsstärke, ihres Muts und Geschicks erhielt sie den Rang eines Oberstleutnants. Auch Simón Bolívar suchte das Gespräch mit der Guerillakämpferin und setzte sich dafür ein, dass sie fünf Jahre lang eine Rente erhielt. Wie viele regionale Heldinnen starb Juana Azurduy 1862 in Sucre in Armut und wurde in einem Massengrab beigesetzt. Erst 100 Jahre später wurden ihre sterblichen Überreste in ein Mausoleum in Sucre überführt.
Mit der Statue auf dem zentralen Platz in Sucre wird nun ihrem Vermächtnis gedacht und ihre Rolle als Libertadora in den Unabhängigkeitskriegen gewürdigt. Präsident Arce sagte: "Dieses Denkmal wird als Vermächtnis des 200-jährigen Jubiläums erhalten bleiben, als klares Zeichen dafür, dass Bolivien seine wahren Helden ehrt, dass es diejenigen nicht vergisst, die es befreit haben, und dass es mit festem Blick auf die Zukunft und mit beiden Beinen fest auf dem Boden und in der Geschichte steht."
Die Feierlichkeiten zum 200. Jahrestag umfassen zudem die Eröffnung des sogenannten Zweihundertjahrmarkts, der die Produktion ankurbeln soll, sowie zahlreiche Kulturinitiativen, von Sondermünzen und Sonderbanknoten bis hin zu Filmen und Publikationen. Dazu zählt auch die Veröffentlichung des Buchs "Geschichte Boliviens anlässlich seines 200-jährigen Bestehens". Es soll einen Beitrag zur Stärkung des kollektiven Gedächtnisses leisten.
An den Feierlichkeiten nahmen auch internationale Staats- und Regierungschefs teil, darunter die Präsidentin von Honduras sowie die Präsidenten von Paraguay und Chile.

