Venezuela bereitet Gasexporte nach Kolumbien vor

Strategischer Ausbau der regionalen Zusammenarbeit. Energiesektor Venezuelas soll wiederbelebt werden

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Venezuelas Präsident Nicolás Maduro will die Wirtschaftsbeziehungen zum Nachbarland Kolumbien ausbauen
Venezuelas Präsident Nicolás Maduro will die Wirtschaftsbeziehungen zum Nachbarland Kolumbien ausbauen

Caracas/Bogotá. Venezuela steht nach eigenen Angaben kurz davor, erste Gaslieferungen ins Nachbarland Kolumbien zu starten. Präsident Nicolás Maduro erklärte, dass die erste Lieferung bereits vorbereitet sei und sich "an der Grenze" befinde. Nur einige technische Schritte stünden noch aus, bevor der Export beginnen könne. Die Regierung sieht darin einen wichtigen Schritt, um die wirtschaftliche und energiepolitische Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern zu vertiefen und auf frühere bilaterale Projekte aufzubauen.

Maduro betonte, dass dieser Prozess Teil einer breiteren Strategie sei, die Beziehungen zwischen Caracas und Bogotá wiederherzustellen und gemeinsame Räume wirtschaftlicher Integration zu schaffen. Er verwies auf die historische Verbundenheit beider Länder und erklärte, dass die Zusammenarbeit im Energiesektor eine Grundlage für eine stabilere wirtschaftliche Entwicklung an der Grenze bilden könne. Gleichzeitig hob er hervor, dass die Arbeit wesentlich zur Wiederbelebung des Energiesektors beigetragen habe und dass Venezuela eine tägliche Ölproduktion von 1,2 Millionen Barrel anstrebe.

Nach Angaben der Regierung sollen diese Exporte dazu dienen, paralysierte gemeinsame Infrastruktur- und Energieprojekte wieder aufzunehmen. Der Export sei ein Zeichen dafür, dass beide Länder voneinander profitieren könnten und dass der Energiesektor ein wesentliches Element für die bilaterale Zusammenarbeit darstelle

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Maduro erinnerte zudem an die engen sozialen Verbindungen zwischen beiden Ländern. Nach seinen Angaben leben rund sechs Millionen kolumbianische Bürger in Venezuela. Diese Präsenz stelle einen wichtigen Faktor für den Austausch zwischen beiden Nationen dar und könne eine Grundlage für gemeinsame Projekte in Bereichen wie Handel, Transport und Energie bilden.

Die Ankündigung erfolgt in einem Moment, in dem beide Länder eine binationale Wirtschaftszone vorantreiben, die im Juli eingerichtet wurde (amerika21 berichtete). Diese Zone soll grenzüberschreitende Projekte im Bereich der Elektrizitätsversorgung, der Infrastruktur und der Produktion erleichtern. Die venezolanische Vizepräsidentin Delcy Rodríguez bezeichnete die Unterzeichnung des Memorandums als "historischen Schritt" und erklärte, dass die Initiative Investitionen erleichtern und komplementäre Produktionsmodelle fördern werde. Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, die wirtschaftliche Integration in der Grenzregion aufzubauen und zu stabilisieren.

Darüber hinaus verband die Regierung den angekündigten Export mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Die Wirtschaft Venezuelas habe nach Angaben des Präsidenten 18 aufeinanderfolgende Quartale Wachstum verzeichnet, und die CEPAL (Comisión Económica para América Latina y el Caribe) erwarte ein BIP-Wachstum von sechs Prozent. Zudem würden inzwischen mehr als 90 Prozent der im Land verfügbaren Waren aus nationaler Produktion stammen. Dies ermögliche es Venezuela wieder aktiv an regionalen Exportprojekten teilzunehmen und den Energiesektor als strategischen Bereich der Außenwirtschaft zu nutzen