Venezuela / Norwegen / Politik

Machado aus Venezuela fehlt beim Nobelpreis in Oslo

Friedensnobelpreis ohne die Preisträgerin vergeben. Tochter nimmt die Auszeichnung entgegen. Komiteechef fordert Maduro zum Rücktritt

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Eine solche Preismünze für den Friedensnobelpreis liegt bald in Venezuela
Eine solche Preismünze für den Friedensnobelpreis liegt bald in Venezuela

Oslo/Caracas. In Oslo hat das Nobelpreiskomitee den Friedensnobelpreis in Abwesenheit an María Corina Machado aus Venezuela verliehen. Ihre Tochter Ana Corina Sosa Machado nahm die Auszeichnung stellvertretend entgegen und verlas eine Dankesrede ihrer Mutter. Der Preis "erinnert die Welt daran, dass Demokratie für Frieden grundlegend ist", so Machado. Jørgen Watne Frydnes, Präsident des Nobelpreiskomitees, forderte Venezuelas Präsidenten Nicolás Maduro in seiner Rede zum Rücktritt auf: "Herr Maduro, erkennen Sie die Wahlergebnisse an und legen Sie Ihr Amt nieder. Sie müssen die Grundlagen für einen friedlichen Übergang zur Demokratie schaffen."

Laut Angaben des Nobelpreiskomitees wurde Machado noch am Mittwoch in Oslo erwartet, habe es aber nicht rechtzeitig zur Preisverleihung geschafft. Bis zuletzt war unklar, ob die venezolanische Oppositionspolitikerin, die sich seit Januar mutmaßlich in Venezuela an einem versteckten Ort aufhielt, ausreisen könne. Ob sie dann unter der aktuellen Regierung zurückkehren könnte, ist ungewiss.

Update der Redaktion vom 11.12.2025: Laut BBC erschien María Corina Machado in Oslo im Morgengrauen von einem Hotelbalkon. Dies war ihr erster öffentlicher Auftritt seit Januar.

Die Entscheidung, Machado den Friedensnobelpreis zuzuerkennen, zieht Kritik nach sich. Aufgrund ihrer politischen Ausrichtung und Unterstützung der US-Kriegsdrohungen gegen Venezuela ist die Preisträgerin umstritten. Das linke lateinamerikanische Netzwerk von Intellektuellen und Künstler:innen RedH (Red de Intelectuales y Artistas en Defensa de la Humanidad) beklagt in einem offenen Brief die diesjährige Entscheidung des Nobelpreiskomitees, die Auszeichnung "an die Hauptförderin des Krieges, der Invasion ihres eigenen Landes und der Destabilisierung Venezuelas sowie der gesamten Region" zu vergeben. Infolge der Preisverleihung verliere das Nobelpreiskomitee jegliche "moralische Autorität, um über Frieden und Gerechtigkeit zu sprechen".

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Der norwegische Friedensrat, in dem sich 19 antimilitaristische Organisationen zusammengeschlossen haben, hatte aus Protest gegen die Entscheidung bereits im Oktober angekündigt, die traditionelle Fackelprozession am Rande der Preisvergabe dieses Jahr abzusagen (amerika21 berichtete).

Unterstützung für Machado gibt es hingegen von verbündeten Regierungen. Zu der Preisverleihung waren mit Javier Milei, Daniel Noboa, José Raúl Mulino und Santiago Peña unter anderem die rechtsgerichteten Präsident:innen von Argentinien, Ecuador, Panama und Paraguay angereist.

Das Nobelpreiskomitee begründete die Wahl bei der Bekanntgabe im Oktober unter anderem mit Machados "Kampf um einen gerechten und friedlichen Übergang von der Diktatur zur Demokratie". Im vergangenen Jahr hatte sich Machado dafür eingesetzt, die Regierung von Nicolás Maduro über Wahlen abzusetzen. Sie selbst durfte nicht antreten. Stattdessen trat Edmundo González an. Doch hatte Machado, die sich international im rechtspopulistischen Umfeld von US-Präsident Donald Trump, Milei und der ultrarechten spanischen Vox-Partei bewegt, in den Jahren zuvor mehrere Umsturzversuche unterstützt und sich offen für die Androhung militärischer Gewalt gegen Maduro eingesetzt.