Bogotá/Washington. US-Präsident Donald Trump und sein kolumbianischer Amtskollege Gustavo Petro haben am Mittwochabend telefoniert. Nach Angaben von beiden Seiten dauerte das Gespräch rund eine Stunde. Es diente der Deeskalation nach jüngsten Drohungen seitens der USA. Trump werde Petro in "naher Zukunft" zu einem Treffen im Weißen Haus einladen.
In mehreren kolumbianischen Städten sind am selben Tag Tausende Menschen auf die Straße gegangen, um gegen Trumps Politik und Bedrohungen der nationalen Souveränität zu protestieren. Viele der Kundgebungen folgten einem Aufruf von Petro.
Petro nahm in einer Ansprache nach dem Telefonat ausdrücklich Bezug auf Kritik der politischen Opposition und rechter Kräfte. Diese beschuldigt er, Falschinformationen über seine Politik und angebliche Drogenverbindungen zu verbreiten und damit die Spannungen mit den USA zu schüren. Er habe Trump klargemacht, dass sein Regierungshandeln gegen Drogenkriminalität belegbar sei, und ein Dialog sei notwendig, um Krieg zu vermeiden. In Bogotá erklärte Petro, er habe vor dem Telefonat einen härteren Ton geplant, änderte seine Rede aber nach dem Anruf, um Deeskalation und Dialog zu betonen. Er warf Teilen der Opposition vor, die Krise für politische Zwecke zu verschärfen.
In den vergangenen Tagen hatte Trump nicht ausgeschlossen, einen ähnlichen Überfall wie in Venezuela auch in Kolumbien durchzuführen. Über Petro hatte er gesagt: "Er hat Kokainfabriken, und ja, ich glaube, ich werde bei meiner ersten Erklärung bleiben. Er stellt Kokain her und schickt es in die Vereinigten Staaten. Er muss auf seinen Hintern aufpassen" (amerika21 berichtete). An diesem Mittwoch jedoch änderte sich der Tonfall.
Trump sagte nun, es sei ihm eine "Ehre" gewesen, mit Petro zu sprechen. "Ich habe seinen Anruf und seinen Ton geschätzt und hoffe, mich in naher Zukunft mit ihm zu treffen", schrieb er in einer Mitteilung in seinem Netzwerk Truth Social.
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Petro wurde im Oktober vom US-Finanzministerium sanktioniert und in die sogenannte Clinton-Liste aufgenommen, auf der sich von den USA deklarierte Drogenhändler, Terroristen oder Mafiosi befinden (amerika21 berichtete).
Nachdem Petro dann angeprangert hatte, dass US-Beamte bei einem der zahlreichen US-Militärangriffe auf mutmaßliche "Drogenboote" in der Karibik einen Kolumbianer getötet und die Souveränität Kolumbiens verletzt hätten, beschuldigte Trump ihn, die Drogenproduktion in Kolumbien zu fördern. Er kündigte die Aussetzung von Zahlungen und Subventionen an das südamerikanische Land an.
Bis heute hat Washington keine Beweise für die gegen Petro erhobenen Vorwürfe mutmaßlicher Verbindungen zum Drogenhandel vorgelegt.
Zudem hatten die USA dem Präsidenten das Visum entzogen, nachdem er in einer Pro-Palästina-Demonstration auf den Straßen von New York zum Ungehorsam gegenüber dem US-Militär aufgerufen hatte (amerika21 berichtete).
Ebenfalls im September strich die US-Regierung Kolumbien erstmals seit 30 Jahren von der Liste der Länder, die kooperativ gegen den Drogenhandel kämpfen (amerika21 berichtete).


