Caracas. In Venezuela sind nach der Ankündigung, "eine bedeutende Anzahl" Gefangener zu entlassen, mehrere Personen freigekommen. Diese waren laut Nichtregierungsorganisationen und Oppositionsparteien aus politischen Gründen inhaftiert. Die Behörden setzten bis Samstagmittag (Ortszeit) elf Personen auf freien Fuß, darunter der Kandidat der letzten Präsidentschaftswahl, Enrique Márquez, die venezolanisch-spanische Menschenrechtsverteidigerin Rocío San Miguel sowie vier weitere spanische Staatsangehörige. Als Auflage dürfen die Freigelassenen nicht mit der Presse sprechen. Menschenrechtsorganisationen erwarteten für Samstag weitere Entlassungen. Das Oppositionsbündnis PUD hingegen meldete bis zum frühen Abend (Ortszeit) 22 Freilassungen.
Enrique Márquez von der Partei Centrados war als zentristischer Kandidat bei der Präsidentschaftswahl im Juni 2024 auch von der oppositionellen Kommunistischen Partei Venezuelas (PCV) unterstützt worden. Anschließend hatte er sich für die Veröffentlichung eines transparenten Wahlergebnisses eingesetzt und die Regierung dafür kritisiert, ohne überprüfbare Daten den Sieg von Nicolás Maduro für sich zu reklamieren. Nachdem ihm die Regierung Putschpläne vorgeworfen hatte, wurde Márquez im Vorfeld von Maduros neuerlicher Amtseinführung am 7. Januar letzten Jahres festgenommen. Zu den Regional- und Parlamentswahlen im Mai 2025 ließ der Nationale Wahlrat (CNE) seine Partei Centrados nicht zu.
Die Menschenrechtsaktivistin Rocío San Miguel wurde am 9. Januar letzten Jahres am Flughafen von Maiquetía nahe Caracas festgenommen. Die Anwältin leitete die Nichtregierungsorganisation Control Ciudadano. Von den Behörden wurde ihr vorgeworfen, Teil einer mutmaßlichen Verschwörung gegen Maduro zu sein. Nach ihrer Freilassung reiste sie nach Spanien aus und befindet sich derzeit in Madrid.
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Am Donnerstag hatte der Parlamentsvorsitzende Jorge Rodríguez, Bruder der Interimspräsidentin Delcy Rodríguez, die Freilassung inhaftierter Personen angekündigt. Diese dienten "dem umfassenden Ziel, Frieden zu suchen, als Beitrag, den wir alle leisten müssen, damit unsere Republik weiterhin friedlich und auf dem Weg zum Wohlstand bleibt." Genauere Details gab er nicht bekannt.
Laut der Nichtregierungsorganisation Foro Penal gibt es nach den jüngsten Freilassungen noch mehr als 800 politische Gefangene, die meisten sind seit den Protesten nach der Präsidentschaftswahl 2024 inhaftiert. Bereits Ende 2025, kurz vor den US-Angriffen und der Entführung Maduros, hatte Venezuela insgesamt 99 Gefangene freigelassen (amerika21 berichtete).
Vor der Geheimdienstzentrale des spiralförmigen Helicoide-Baus in Caracas, der in den 1950er Jahren als befahrbares Einkaufszentrum geplant worden war, warten Angehörige auf Informationen zu den dort etwa 70 einsitzenden Gefangenen. US-Präsident Donald Trump kündigte vor wenigen Tagen an, das als Folterzentrum bezeichnete Gefängnis werde bald geschlossen. Von der venezolanischen Regierung gab es dafür bislang keine Bestätigung.


