Ehemaliger Vizepräsident indigener Gemeinschaften in Guatemala verhaftet

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Basilio Puac (zweiter von links) bei seiner Wahl zum Vizepräsidenten der 48 Kantone
Basilio Puac (zweiter von links) bei seiner Wahl zum Vizepräsidenten der 48 Kantone

Patzicía/Totonicapán. Basilio Bernardo Puac García ist am Mittwochmittag in der Stadt Patzicía im Departamento Chimaltenango verhaftet worden. Der Vorwurf lautet Behinderung der Justiz im Zusammenhang mit den Blockaden im Oktober 2023. Puac war 2023 Vizepräsident der indigenen Verwaltungsstruktur von 48 Kantonen - indigenen Dorfgemeinschaften - in Totonicapán, die mit anderen indigenen Bürgermeistern zentral an den Protesten zur Verteidigung der Demokratie beteiligt waren.

Politische und wirtschaftliche Eliten des Landes hatten damals versucht, den progressiven Sozialdemokraten Bernardo Arévalo von der Macht fernzuhalten, nachdem er die Wahlen im August 2023 gewonnen hatte. In Guatemala wird allgemein davon ausgegangen, dass die Proteste der indigenen Strukturen damals wesentlich dazu beitrugen, dass der "technische Staatsstreich" verhindert wurde und Arévalo sein Amt antreten konnte.

Nach Polizeiangaben erfolgte die Festnahme von Puac gegen 13:30 Uhr, als er auf dem Wochenmarkt in Patzicía an seinem Verkaufsstand arbeitete. Die 48 Kantone bestätigten die Verhaftung in einem Kommuniqué und forderten seine Freilassung. Puac wurde nach Guatemala-Stadt zu einer ersten richterlichen Anhörung gebracht.

Bereits im April 2025 wurden Luis Pacheco und Héctor Chaclán, damals Präsident und Kassenwart der 48 Kantone, festgenommen (amerika21 berichtete). Sie sitzen seitdem in Haft. Ende August wurde der ehemalige indigene Bürgermeister aus Sololá, Esteban Toc, auf dem Weg zu einem Arztbesuch in der Stadt Quetzaltenango verhaftet (amerika21 berichtete). Der an mehreren chronischen Krankheiten leidende Mann wurde wenige Tage später gegen Auflagen in den Hausarrest entlassen.

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"Notfallversammlung" der Anwohner des Heimatortes von Puac am Mittwochabend
"Notfallversammlung" der Anwohner des Heimatortes von Puac am Mittwochabend

Nach Presseinformationen wird Puac bisher nur Behinderung der Justiz vorgeworfen, angeordnet in einem Haftbefehl des Richters Mario Rodrigo Flores Maldonado, ausgestellt am 11. April 2025. Pacheco und Chaclán waren am 23. April 2025 verhaftet worden. Auch in ihrem Fall hatte die Anklage zunächst nur auf Behinderung der Justiz gelautet, schnell waren dann die Anklagepunkte "Terrorismus" und "Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung" dazugekommen.

Gerüchteweise sollen mehrere Dutzend Haftbefehle gegen ehemalige indigene Autoritäten in den Departamentos Totonicapán, Sololá und Chimaltenango bestehen, in denen 2023 die Proteste begannen und sich dann schnell auf das ganze Land ausweiteten.

Noch am Abend begannen im Departamento Totonicapán Basisversammlungen der Anwohner:innen, um über Aktionen gegen die Kriminalisierung zu beraten. In der Ortschaft Nimasac, aus der Puac stammt, versammelten sich zahlreiche Anwohner:innen zu einer "Notfallversammlung". Die indigenen Bürgermeister von Sololá und die Landarbeiterorganisation Comité Campesino del Altiplano solidarisierten sich noch am selben Tag mit Puac.