Brasília. Präsident Inácio Lula da Silva will für eine vierte Amtszeit bei den Wahlen im Oktober 2026 kandidieren. Dies kündigte er beim 14. Landesweiten Treffen der Landlosenbewegung Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra (MST) im Bundesstaat Bahia an. "Bereitet euch vor, denn wir wollen zum vierten Mal die Präsidentschaft gewinnen und dieses Jahr in den Wahlkampf ziehen", sagte Lula vor mehr als 3.000 Aktivist:innen.
Der Präsident bezeichnete das Jahr 2026 als "das Jahr der Wahrheit" und hob die Bedeutung der politischen Beteiligung sozialer Bewegungen bei der Verteidigung errungener Rechte hervor. Er betonte, dass "das Unglück derjenigen, die Politik nicht mögen, darin besteht, dass sie von denen regiert werden, die sie mögen", und rief zur aktiven Teilnahme an den Wahlprozessen auf.
Lula verwies zudem auf zentrale wirtschaftliche und soziale Kennzahlen seiner dritten Amtszeit. Er nannte den Rückgang der Arbeitslosigkeit, das Wachstum der Exporte und Investitionen, die Erhöhung des Mindestlohns sowie die Erholung strategischer Sektoren. "Wir haben die niedrigste Arbeitslosigkeit in der Geschichte Brasiliens und die höchste Zahl an Beschäftigten", erklärte er.
Ein Teil seiner Rede war der Anerkennung der Rolle des MST im Kampf für die Agrarreform gewidmet. "Ich bin sicher, dass Brasilien ohne euch möglicherweise nicht dort wäre, wo wir heute stehen", sagte Lula. Der Minister für Agrarentwicklung, Paulo Teixeira, kündigte an, dass bis April neue Flächen für die Agrarreform in Bundesstaaten wie São Paulo, Pernambuco, Pará und Bahia übergeben werden sollen, wovon tausende Familien profitieren würden.
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Lula kritisierte außerdem die Zusammensetzung des Kongresses und die begrenzte Vertretung sozialer Bewegungen. "Es bringt nichts, große Träume zu haben, wenn das Wahlergebnis danach hunderte Abgeordnete mit Verbindungen zum Agrobusiness hervorbringt und nur wenige Vertreter der Bevölkerung", erklärte er.
Jüngsten Umfragen zufolge führt Lula mit rund 40 Prozent die Wahlabsichten und gilt als Favorit gegenüber Kandidat:innen aus dem Mitte- und Rechtslager. Der Präsident, der in diesem Jahr 81 Jahre alt wird, regierte Brasilien zwischen 2003 und 2011 und kehrte 2023 nach dem Sieg über Jair Bolsonaro an die Macht zurück. Im Falle seiner Wiederwahl wäre er der erste brasilianische Politiker mit vier Amtszeiten.
Während der Veranstaltung äußerte sich Lula auch zur Situation in Venezuela und kritisierte die militärischen Aktionen der Vereinigten Staaten. "Jede Nacht bin ich empört über das, was in Venezuela passiert ist; das ist ein Mangel an Respekt gegenüber der Integrität eines Landes", erklärte er. Zudem äußerte er seine Sorge über die Präsenz US-amerikanischer Truppen in der Karibik.
Lula bekräftigte erneut seine Verteidigung Lateinamerikas als Friedensregion: "Wir wollen keinen Krieg. Was wir vorzuweisen haben, ist unser Charakter und unsere Würde."


