Caracas/Washington. US-Energieminister Chris Wright hat am Mittwoch Caracas besucht. Im Präsidentenpalast Miraflores traf sich Wright mit Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez und Héctor Obregón Pérez, Präsident des staatlichen Erdölunternehmens PDVSA. Ferner waren Laura Dogu anwesend, die für die USA die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen vorbereiten soll, und der venezolanische Sonderbeauftragte für die USA, Félix Plasencia. Beide arbeiten an der Wiedereröffnung der Botschaften der beiden Länder (amerika21 berichtete).
Bei telesur hieß es, das Treffen im Miraflores-Palast habe zum Ziel, "eine für beide Nationen vorteilhafte Energieagenda im Rahmen der Energiesouveränität der bolivarischen Nation und der historischen bilateralen Beziehungen zu erörtern". Das rechte Nachrichtenportal Infobae wird dabei deutlicher. "Der US-amerikanische Privatsektor wird eine entscheidende Rolle dabei spielen, den Erdölsektor anzukurbeln, das Stromnetz zu modernisieren und das enorme Potenzial Venezuelas freizusetzen". Weiter hieß es, "der Besuch von Wright steht im Zusammenhang mit der neuen Situation, in der Washington für die Erschließung und Ausbeutung der Ölvorkommen Venezuelas zuständig sein wird, wie Trump selbst am selben Tag betonte, an dem er die Verhaftung von Präsident Maduro und seiner Frau Cilia Flores bekannt gab." Am 3. Januar hatten US-Militärs Venezuelas Präsident Nicólas Maduro und Celia Flores in die USA entführt, bei dem Militäreinsatz mit Bombardements in der Hauptstadt Caracas kamen nach venezolanischen Angaben über 100 Menschen ums Leben.
Ende Januar hat das venezolanische Parlament ein neues Gesetz über Kohlenwasserstoffe verabschiedet. Mit diesem wurden "die Türen für ausländische Investitionen geöffnet", schrieb telesur. Der britische Nachrichtensender BBC sieht in dem Gesetz eine "Kehrtwende" in der Erdölpolitik Venezuelas, mit dem Gesetz öffne Venezuela "seine Arme (und Ölquellen) für viele jener internationalen Unternehmen, die vor zwei Jahrzehnten enteignet und verstaatlicht wurden."
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Fakt ist, dass Venezuela das Erdöl bereits 1976 verstaatlichte, während der Präsidentschaft von Hugo Chávez (1999 – 2013) wurde der staatliche Sektor noch weiter ausgebaut.
Der venezolanischen Rechtsanwalt José Ignacio Hernández schreibt nach nach der Verabschiedung des Gesetzes auf X "Heute endet formell Chávez' "vollständige Ölsouveränität": Ein neues Gesetz erlaubt erstmals die Kontrolle primärer Aktivitäten durch private Investoren. Die Vereinigten Staaten festigen ihre Kontrolle über Venezuelas Ölexporte und -einnahmen."
Nach der Verabschiedung des Gesetzes lockerten die USA die Sanktionen, mit denen der venezolanische Erdölsektor seit Jahren belegt ist. Allerdings scheint die Politik des gewaltsamen Vorgehens gegen Schiffe, die angeblich Erdöl aus Venezuela transportieren, nicht beendet. Noch vor wenigen Tagen kaperten US-Soldaten den Tanker 'Aquila II', obwohl selbst von US-Seite keine Geschäftsbeziehungen zu Venezuela bestätigt wurde. "Die 'Aquila II' operierte entgegen der von Präsident Trump in der Karibik verhängten Quarantäne. Sie floh, und wir folgten ihr", erklärte das US-Kriegsministerium in den sozialen Medien.


