Kolumbien / Militär

Kolumbien: Tayrona-Nationalpark wegen bewaffnetem Konflikt gesperrt

Auslöser sind Auseinandersetzungen rivalisierender Paramilitärs in Magdalena. Alle touristischen Zugänge bleiben bis auf Weiteres gesperrt

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Der Tayrona ist einer der wichtigsten Orte für den internationalen Tourismus in Kolumbien. Die Karibik ist eines der Haupteinflussgebiete der Paramilitärs
Der Tayrona ist einer der wichtigsten Orte für den internationalen Tourismus in Kolumbien. Die Karibik ist eines der Haupteinflussgebiete der Paramilitärs

Santa Marta. Der Parque Nacional Natural Tayrona an der kolumbianischen Karibikküste bleibt geschlossen. Grund der Maßnahme ist nach Behördenangaben eine angespannte Sicherheitslage infolge von Auseinandersetzungen zwischen illegalen bewaffneten Paramilitärs in der Region. Der Park ist ein zentraler Ort für den Tourismus des Landes.

Konkret geht es um territoriale Machtkämpfe zwischen den Autodefensas Gaitanistas de Colombia (AGC) und den Autodefensas Conquistadores de la Sierra Nevada (ACSN). Letztere Gruppe dementierte in einem Kommuniqué ihre Beteiligung. Sie hatten die Friedensverhandlungen mit der Regierung letztes Jahr ausgesetzt.

Beide Gruppen versuchen seit Monaten, ihren Einfluss im Departamento Magdalena auszuweiten. Es gab bereits Schusswechsel, Drohungen und Einschüchterungen gegen Mitarbeiter:innen des Nationalparks und es besteht ein erhöhtes Risiko bewaffneter Auseinandersetzungen in der Umgebung des Schutzgebiets.

Nach Angaben der zuständigen Umweltbehörde wurde der Park vorsorglich geschlossen, um Besucher:innen sowie das Personal nicht zu gefährden. Die Maßnahme betrifft sämtliche touristischen Zugänge und gilt bis auf Weiteres. Eine konkrete Wiedereröffnung wurde bislang nicht angekündigt.

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Der aktuelle Konflikt steht nicht im Zusammenhang mit indigenen Gemeinschaften der Region. Vertreter:innen lokaler Indigenenorganisationen haben betont, dass sie nicht in die bewaffneten Auseinandersetzungen involviert sind. Der Park ist touristisch und ökologisch von nationaler Bedeutung und wird von indigenen Gruppen regelmäßig für religiöse Rituale und als Maßnahme des Naturschutzes geschlossen.

Die wirtschaftlichen Folgen sind insbesondere in Santa Marta spürbar. Hotels, Reiseveranstalter:innen, Bootsführer:innen und zahlreiche informell Beschäftigte verzeichnen deutliche Einnahmeverluste. Der Tayrona-Park ist eines der meistbesuchten Naturgebiete des Landes und ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor für die Region.

Sicherheitskräfte haben ihre Präsenz rund um das Schutzgebiet verstärkt. Behörden betonen, dass eine Wiedereröffnung erst erfolgen könne, wenn die Lage stabilisiert und die Sicherheit langfristig gewährleistet sei. Bis dahin bleibt eines der bekanntesten Naturreservate Kolumbiens für den Tourismus geschlossen. Präsident Gustavo Petro schlägt im Rahmen der Friedensdialoge Demobilisierungszonen für diese Akteur:innen vor. Es gibt bereits mehrere Zonen dieser Art für unterschiedliche bewaffnete Akteur:innen, darunter auch für die Paramilitärs des Clan del Golfo, bisher jedoch ohne operative Umsetzung. Das vorgeschlagene Modell sieht vor, dass Kämpfer:innen der Autodefensas Conquistadores unter bestimmten Bedingungen umsiedeln, zu Nicht-Kombattant:innen werden und ihre Waffen ablegen.