Chimoré. Symbolträchtig, mit Sonnenbrille und einer Wiphala in der Hand, auf einem Traktor sitzend – so ist Evo Morales am 19. Februar im Stadion "Hugo Chávez" in Chimoré aufgetreten, um die Kandidaten der Allianz Unidos por los Pueblos (UPP) für die elecciones subnacionales, bei denen die Gouverneure der neun Departamentos sowie die Bürgermeister und Kommunalparlamente gewählt werden, bekanntzugeben. Die Wahlen finden am 22. März statt und gelten auch als Stimmungstest, wie viel Rückhalt Morales in der Bevölkerung noch hat. Zuvor war Boliviens erster indigener Präsident über einen Monat nicht öffentlich aufgetreten, laut offiziellen Angaben wegen einer schweren Chikungunya-Erkrankung. Bei seinem Auftritt empfingen ihn nun Tausende Anhänger.
Morales bestätigte, dass Kandidaten der Allianz Unidos por los Pueblos (UPP) in sechs der neun Departamentos durch politische Bündnisse antreten werden. In Pando, Beni und La Paz seien keine Vereinbarungen zustande gekommen und Partnerparteien wurden "verfolgt und bedroht", weswegen sie sich zurückzogen.
Gemeinsam auf der Liste für die UPP mit Leonardo Loza, einem treuen Evista (Bezeichnung für politische Anhänger von Evo Morales), steht auch Grover García, der 2024 zum neuen Chef der Movimiento al Socialismo (MAS) gewählt wurde – jener Partei, in der Morales in den 1990er Jahren eine der Gründer und zentrale Führungsperson gewesen war (amerika21 berichtete). García gilt zudem als enger Vertrauter des 2020 als MAS-Kandidat ins Präsidentschaftsamt gewählten Luis Arce, den Morales mittlerweile als seinen stärksten politischen Gegner betrachtet. Mit dem Aufstieg Garcías in die Parteispitze und der Stellung des Kongresses gegen Morales wurde dieser effektiv aus der Partei verdrängt. Evistas bezeichneten García damals noch als "Verräter". Doch die Lage scheint sich zu drehen: In den letzten Monaten distanzierte sich García von der Regierung Arce und kandidiert inzwischen auf der gemeinsamen Liste der UPP als erster Departamento-Abgeordneter von Cochabamba.
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Die bevorstehenden Wahlen finden vor einem brisanten Hintergrund statt. Gegen Morales liegt ein Haftbefehl wegen des Verdachts auf Menschenhandel an einer Minderjährigen vor – er soll während seiner Amtszeit eine Beziehung zu einer damals Minderjährigen gehabt haben. Laut Morales ein Fall von Lawfare: Der Fall sei bereits einmal mangels Beweise geschlossen worden. Die ermittelnde Staatsanwältin habe auf politischen Befehl gehandelt und der zuständige Richter sei von verfassungswidrig im Amt verbliebenen Justizorganen eingesetzt worden. "Ich bin Opfer einer brutalen politischen Verfolgung", schrieb Morales auf X.
Das Trópico de Cochabamba, in dem sich Morales seit Herbst 2024 aufhält, ist nicht irgendeine Region. Aus dieser Zone zwischen Anden und Amazonas, wo Koka-Bauern seit Jahrzehnten gegen staatliche Programme der Zerstörung von Kokapflanzen kämpfen, begann seine politische Laufbahn. Die sechs Föderationen der Cocaleros kontrollieren das Gebiet faktisch selbst. Kurz nach seinem Wiederauftauchen aktivierten sie den "Plan Mica" und erklärten höchste Alarmbereitschaft. "Von hier gehen wir nicht weg, wir sterben im Kampf", erklärte Dieter Mendoza, Vizepräsident der sechs Föderationen des Trópico, während die Präsidentin der Föderationen, Wilma Colque, die Zentralregierung für jegliche Gewalt in der Region verantwortlich machte.
Die aktuelle Regierung unter Rodrigo Paz Pereira spricht dabei nie offen von einer Verhaftungsaktion – sondern von Drogenbekämpfung. Operationen zur Zerstörung von Kokapflanzen werden offiziell mit der Überschreitung gesetzlicher Anbaugrenzen begründet. Dass die DEA, von Morales 2008 persönlich aus dem Land geworfen, ausgerechnet jetzt wieder über seinem Rückzugsgebiet patrouilliert, wird von seinen Anhängern nicht als Zufall gesehen.

