Wahlen in Kolumbien: Indigene Aída Quilcué ist Vizekandidatin

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Die indigene Aktivistin und Politikerin nahm aktiv an den Friedensprozessen in Kolumbien teil
Die indigene Aktivistin und Politikerin nahm aktiv an den Friedensprozessen in Kolumbien teil

Bogotá. Der Präsidentschaftskandidat des linken Bündnisses Pacto Histórico, Iván Cepeda, hat die indigene Politikerin Aída Quilcué als seine Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin bei den Präsidentschaftswahlen 2026 benannt.

Die Entscheidung gab er kurz nach den Kongresswahlen bekannt, bei denen das Bündnis zur stärksten Kraft im Senat wurde (amerika21 berichtete). Cepeda erklärte, die Nominierung solle die Verbindung seiner Kampagne zu sozialen Bewegungen und zu den historischen Forderungen indigener Gemeinschaften stärken.

Aída Quilcué gehört zum Volk der Nasa aus dem Departamento Cauca und zählt zu den bekanntesten indigenen Führungspersönlichkeiten des Landes. Sie wurde 2022 über die indigene Sonderwahlkreisliste in den Senat gewählt. Zuvor war sie lange Zeit in der Organización Nacional Indígena de Colombia aktiv und gehörte zu den zentralen Organisator:innen der landesweiten indigenen Protestmärsche Minga. Ihr politisches Engagement konzentriert sich vor allem auf den Schutz indigener Territorien, Menschenrechte, die Umsetzung des Friedensabkommens und soziale Reformen in ländlichen Regionen.

Am 10. Februar 2026 wurde die indigene Senator:in auf der Straße zwischen Inzá und Totoró im Departamento Cauca von bewaffneten Männern abgefangen. Quilcué war gemeinsam mit ihrem Sicherheitsteam unterwegs, als der Konvoi gestoppt und mehrere Stunden festgehalten wurde. Nach Angaben von Behörden und lokalen Organisationen wurde sie schließlich auf Druck der indigenen Sicherheitskräfte Guardia Indigena freigelassen. Die kolumbianische Staatsanwaltschaft erklärte später, hinter dem Entführungsversuch könnten Dissident:innen der FARC-Guerilla stehen. Der Vorfall löste landesweit Besorgnis aus, weil er sich mitten im Wahlkampf ereignete (amerika21 berichtete).

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Ihr Ehemann wurde 2008 bei einer Auseinandersetzung mit der Armee in Cauca erschossen. Seitdem tritt sie besonders für die Aufarbeitung von Gewalt gegen indigene Gemeinschaften und für eine stärkere politische Beteiligung dieser Bevölkerungsgruppen ein.

Mit der Nominierung Quilcués setzt Cepeda ein politisches Signal: Zum ersten Mal könnte eine indigene Führungspersönlichkeit als Kandidat:in für das Vizepräsident:innenamt in einem großen nationalen Bündnis antreten.

Präsident Gustavo Petro hat die indigene Senatorin Quilcué öffentlich gegen rassistische Kommentare in sozialen Netzwerken verteidigt, die nach ihrer Ernennung zur Vizepräsidentschaftskandidatin aufgekommen waren. Petro wies die Vorstellung zurück, dass "Herkunft oder Blut" Menschen hierarchisch einordnen könnten. Zugleich betonte er, dass nahezu alle Kolumbianer:innen indigene, afrikanische und europäische Wurzeln hätten und dass die Anerkennung dieser Vielfalt zentral für Demokratie und Frieden im Land sei.