Brasília. Der bolivianische Präsident Rodrigo Paz ist zum ersten Mal in seiner Amtszeit nach Brasilien gereist. Während des Treffens mit seinem brasilianischen Gegenüber, Luiz Inácio Lula da Silva, betonte er die Öffnung der bolivianischen Wirtschaft für Investitionen. Die Regierungen beider Länder unterzeichneten in Brasília Abkommen in den Bereichen Energie und Tourismus. An weiteren Vereinbarungen zur Umweltkooperation und wirtschaftlichen Integration werde derzeit gearbeitet. Begleitet wurde der konservative, wirtschaftsliberale Paz von einer Regierungs- und Wirtschaftsdelegation.
"Reden allein machen niemanden satt", resümierte der bolivianische Staatschef. Er hob den pragmatischen Ansatz seiner Außenpolitik hervor. Wirtschaftliche Entwicklung und Produktion sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen hätten Vorrang vor ideologischen Debatten. Lula stimmte seinerseits zu, dass die südamerikanische Integration nicht als ideologisches Projekt verstanden werden solle, sondern als historische Notwendigkeit angesichts eines zunehmend wettbewerbsorientierten internationalen Umfelds. "In einer Welt, in der Länder um Märkte und Ressourcen konkurrieren, wird kein Staat der Region in der Lage sein, allein zu prosperieren", erklärte er.
Beide Regierungen verhandelten zudem über Investitionen im Gassektor und die Steigerung der Exporte in den brasilianischen Markt. "Die Gasleitung Bolivien-Brasilien war für das Wachstum der brasilianischen Industrie und des bolivianischen Erdöl- und Erdgassektors von entscheidender Bedeutung. Heute kann sie als Grundlage für eine umfassendere Energieintegration im Cono Sur dienen", betonte Lula.
In diesem Zusammenhang kündigte Paz ein neues Erdgas- und Erdölgesetz an, das den Förderregionen zugutekommen soll. Dies sehe vor, die Einnahmen zwischen Zentralstaat und Departamentos jeweils zur Hälfte aufzuteilen. Auslandsinvestitionen könnten die Fördermengen erneut steigern, die in den letzten Jahren stetig zurückgegangen seien. Allein zwischen 2024 und 2025 seien die Deviseneinnahmen laut bolivianischem Statistikamt um 33 Prozent eingebrochen. Insbesondere der brasilianische Staatskonzern Petrobras sei in Zukunft ein wichtiger strategischer Partner neben Repsol, Total und Shell, so Paz.
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Ein weiteres Thema war der Zugang Boliviens zum Atlantik über die Paraguay-Paraná-Wasserstraße. In diesem Zusammenhang treibt Brasilien ein dreiseitiges Abkommen mit Bolivien und Paraguay voran, um die Schiffbarkeit dieses strategisch wichtigen Transportwegs zu verbessern.
Lula würdigte zudem die Aufnahme Boliviens als Vollmitglied in den südamerikanischen Wirtschaftsblock Mercosur seit Juli 2024. Der Beitritt des Andenstaates stärke die Fähigkeit des Bündnisses zwischen Brasilien, Argentinien, Uruguay, Paraguay und Bolivien, der Instabilität des internationalen Handels zu begegnen und die regionale Integration voranzutreiben. Bis 2028 hat Bolivien Zeit, das Regelwerk des Handelsblocks zu übernehmen und den freien Handel vollständig umzusetzen. Anfang des Jahres haben die Europäische Union und der Mercosur ein lang erwartetes Freihandelsabkommen in Paraguay unterzeichnet (amerika21 berichtete).
Außerdem waren 120 Wirtschaftsvertreter:innen aus Bolivien zugegen, überwiegend aus dem bolivianischen Tiefland. Die Agenda umfasste Themen wie Agrarindustrie, Biotechnologie und produktive Innovation. Paz hob insbesondere das Potenzial für eine Integration zwischen dem Osten Boliviens und der brasilianischen Region Mato Grosso hervor, einem der größten Agrargebiete Südamerikas. Beide Länder seien Exporteure von Landwirtschaftsprodukten, weshalb Bolivien von den Erfahrungen eines der größten Agrarmächte der Welt profitieren könne.
Paz gibt sich mit seinen außenpolitischen Erfolgen zufrieden. "In weniger als fünf Monaten ist es uns gelungen, Bolivien auf der internationalen Bühne zu positionieren", resümierte er. Dabei hob er das Treffen mit zwölf rechtsgerichteten Staatschefs in den USA (amerika21 berichtete) sowie den jüngsten Besuch des spanischen Königs hervor. "Gemeinsam mit Präsident Trump und internationalen Führungskräften fördern wir Tourismus, Produktion und Handel, um unserem Land zu neuem Wohlstand zu verhelfen", versicherte Paz in Bezug auf seine Strategie.

