Mexiko-Stadt. Federführend organisiert von der Bildungsgewerkschaft CNTE haben am 1. Mai auf dem zentralen Hauptplatz von Mexiko-Stadt nach offiziellen Angaben ca. 30.000 Menschen demonstriert. Die Teilnehmenden zogen in 13 Demonstrationszügen durch die Straßen der Hauptstadt zum Präsidialpalast.
Aktuell befindet sich die CNTE im Streik. Die Koordination übergab im Rahmen der Proteste Bildungssekretär Mario Delgado persönlich ihren Forderungskatalog, den sie bereits vergangenes Jahr eingereicht hatte. Die Lehrkräfte fordern eine Verdoppelung ihres Gehalts, die Rückkehr eines solidarischen Rentensystems und einen generellen Kurswechsel gegenüber der gewerkschaftlichen Organisierung im Bildungssektor seitens der Regierung.
Für den Fall, dass es bis zum 15. Mai keine Lösung geben sollte, kündigte die CNTE eine landesweite Intensivierung des Arbeitskampfes an. Dies würde bedeuten, dass es während der Fußball-Weltmeisterschaft der Herren im Juni und Juli zu Demonstrationen kommen wird. Gleichwohl führte die Übergabe des Forderungskatalogs an Delgado zu keinem weiteren Austausch.
Auf der Pressekonferenz von Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum hatte sich Morgen des 1. Mai noch ein anderes Bild gezeigt. Sheinbaum bezeichnete ihre Regierungsvorhaben als einen "Frühling der Arbeit, der kam, um zu bleiben". Neben dem regierungsnahen Gewerkschaftsverband CTM, der auf der Konferenz seine Unterstützung für Sheinbaum verkündete, war dort auch die SNTE vertreten, eine weitere Bildungsgewerkschaft.
Die SNTE ist die größere der beiden Gewerkschaften. Sie versucht, ihre Forderungen eher durch Verhandlungen am Entscheidungstisch zu erreichen, während die CNTE stärker auf Präsenz auf den Straßen und öffentlichen Druck setzt.
Außer der CNTE beteiligten sich noch weitere zahlreiche Organisationen an den Demonstrationen, darunter diverse anarchistische, kommunistische und sozialistische Gruppen. Bemerkenswert ist unter anderem die Teilnahme der Pascual Boing Gruppe. Dabei handelt es sich nicht um eine Gewerkschaft, sondern um eine Genossenschaft, die in Mexiko bekannte Fruchtsaftgetränke produziert. Die Genossenschaft nahm an den Protesten unter anderem teil, weil sie sich derzeit in einer Auseinandersetzung mit der Regierung um die Zuckersteuer befindet.
Héctor Martínez, Präsident der Vereinigung, betonte die Bedeutung der Wirtschaftsdemokratie: "Die Stärkung der Sozialwirtschaft darf nicht länger nur ein Diskurs bleiben, sondern muss zu einer wirksamen staatlichen Politik werden; sie ist eine strategische Entscheidung, um ein ausgewogeneres, integrativeres und gerechteres Land aufzubauen".
Die Präsenz der Genossenschaft stieß indes nicht nur auf Zustimmung. Eine in der Nähe laufende Gruppe skandierte: "Wir sind keine Teilhaber, wir sind Arbeiter!" Es kam jedoch zu keinen Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Gruppen und laut Polizei generell zu keinen Zwischenfällen.
Als stark marginalisierte Gruppierung zeigten sich zudem ca. 100 Sexarbeiter:innen und machten auf die unwürdigen und von Gewalt geprägten Arbeitsbedingungen aufmerksam. Die Diskriminierung queerer Menschen und Frauen sei nicht hinzunehmen. Angesichts der Weltmeisterschaft gehen sie zudem von einer weiteren Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen durch den Sextourismus aus.


