Vatikanstadt/Havanna/Washington. Am Donnerstag hat im Vatikan das hochrangige diplomatische Treffen zwischen Papst Leo XIV. und US-Außenminister Marco Rubio stattgefunden. In den Wochen zuvor weilten bereits hochrangige kubanische Politiker, darunter auch Außenminister Bruno Rodríguez, im Vatikan.
Laut der Pressestelle des Heiligen Stuhls ging es in den Gesprächen mit Rubio auch um "heiklere" Themen wie die Lage in Kuba, wo es derzeit zu starken Spannungen mit den USA kommt. In diesem Zusammenhang sei die Notwendigkeit einer Unterstützung für das kubanische Volk bekräftigt worden.
Einige Tage zuvor hatte der Papst seine große Besorgnis über die zunehmenden Spannungen zwischen den beiden Ländern deutlich gemacht. Dabei rief Leo XIV. angesichts der Folgen der US-Blockade für das kubanische Volk zu einem "aufrichtigen und wirksamen Dialog" zwischen den "beiden Nachbarländern" auf.
Beim Entspannungsprozess zwischen Kuba und den USA während der Präsidentschaft von Barack Obama war der Vatikan maßgeblich beteiligt. Jene geheimen Hintergrundgespräche ("Back Channel") trugen wesentlich zur Annäherung bei.
Aus dem Vatikan gibt es keine näheren Informationen über die Inhalte der Unterredung mit dem US-Außenminister. Rubio nutzte seine Pressekonferenz zurück in Washington jedenfalls dazu, die kubanische Regierung mit Vorwürfen zu überziehen. Ihm zufolge würde die US-Regierung den Menschen in Kuba gerne helfen, zum Beispiel mit einer Spende von 100 Millionen US-Dollar, aber "dieses unfähige Regime, das das Land und die Wirtschaft ruiniert hat", würde das nicht zulassen.
Die Politik der USA hat indes erhebliche Auswirkungen auf die Bevölkerung Kubas. Dies belegt zum Beispiel ein Forschungsbericht des in Washington D.C. ansässigen Center for Economic and Policy Research (CEPR).
Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass die verschärften US-Sanktionen wahrscheinlich die Hauptursache für einen Anstieg der kubanischen Säuglingssterblichkeit um 148 Prozent im Zeitraum von 2018 bis 2025 waren. Wörtlich heißt es dort: "Wäre die Säuglingssterblichkeitsrate unverändert geblieben, wären seit 2018 schätzungsweise 1.800 Babys weniger gestorben." Weiterhin erläutert der Bericht, dass die kubanischen Gesundheitsindikatoren bis zur ersten Amtszeit der Regierung Trump mit den europäischen Werten gleichauf lagen und die US-Zahlen häufig sogar übertrafen.
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Neben der Blockade der USA gegen Kuba steht auch die militärische Bedrohung im Raum. Bei einer Veranstaltung des Forums Club of the Palm Beaches sagte US-Präsident Donald Trump am 1. Mai, dass er Kuba unter seine Kontrolle bringen werde: "Auf dem Rückweg vom Iran werden wir einen unserer größten Flugzeugträger, vielleicht die USS Abraham Lincoln, den größten der Welt, nach Kuba schicken. Er wird etwa 100 Meter vor der Küste anhalten und sie werden sagen: 'Vielen Dank, wir kapitulieren.'"
Demgegenüber sagte Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva im Anschluss an ein zweieinhalbstündiges Treffen mit Trump am vergangenen Freitag, er habe verstanden, "dass er [Trump] keinerlei Absicht habe, in Kuba einzumarschieren". Genau so hätte es der Dolmetscher bei dem Gespräch gesagt.
Diese widersprüchlichen Signale aus Washington deuten darauf hin, dass Trump und Rubio unklar ist, wie sie weiter gegen Kuba vorgehen können. Dazu dürfte der zunehmende internationale Gegenwind ebenso beitragen wie das Ausbleiben einer Massenopposition in Kuba.
Laut einer Mitteilung der kubanischen Nationalversammlung haben die Kubanerinnen und Kubaner gerade erst "ihre Unterstützung für die Unabhängigkeit, die sozialistische Revolution und die revolutionäre Regierung" bekräftigt. Mehr als sechs Millionen Menschen, 81 Prozent der über 16-Jährigen, hätten dies durch ihre Unterschrift der "Firma por la Patria" (Unterschrift für das Vaterland) gezeigt. Zuvor demonstrierten mehrere hunderttausend Männer und Frauen anlässlich des Internationalen Tags der Arbeit in den Straßen Havannas gegen die US-Blockade.
Auch haben die internationalen Solidaritätsaktivitäten zivilgesellschaftlicher Gruppen deutlich zugenommen. Dazu gehörte der mehrteilige Solidaritätskonvoi "Nuestra America" im März und zuletzt das jüngste Internationale Treffen der Solidarität mit Kuba, das am 2. Mai in Havanna stattfand. Dazu gehörte auch eine Delegation von 800 Gewerkschaftsführern und politischen Aktivisten aus 38 Staaten, darunter 200 aus den USA. Sie brachten humanitäre medizinische Hilfsgüter im Wert von 100.000 US-Dollar mit und versprachen durch Protestaktionen maximalen Druck auf Washington auszuüben, um die völker- und menschenrechtsverletzende US-Blockade zu beenden.
Das kubanische Außenministerium machte die Bedeutung der internationalen Solidarität kürzlich deutlich. Die "US-Aggression gegen die kubanische Wirtschaft und das kubanische Volk" würde nur dann "die beabsichtigte zerstörerische Wirkung erzielen […] wenn sich die souveränen und unabhängigen Nationen von der Regierung der Vereinigten Staaten einschüchtern und unter Druck setzen lassen."
Die italienische Zivilgesellschaft setzte erst am Donnerstag ein deutliches Zeichen gegen diesen Druck. Während Rubios Besuch im Vatikan protestierten Tausende Menschen in Rom und anderen italienischen Städten gegen die Anwesenheit des US-Außenministers im Land. Bei den Demonstrationen zeigten die Teilnehmer dieser Solidaritätskundgebung Transparente mit Aufschriften wie "Rubio raus aus Rom!" und "Kuba ist nicht allein!" Angelika Becker vom Netzwerk Cuba in Deutschland meinte dazu gegenüber amerika21: "Die westlichen Regierungen sind solche klaren Aussagen und konkrete Maßnahmen noch immer schuldig."

