Mexiko-Stadt. Die Gewerkschaft der Lehrkräfte CNTE hat ihre Mitglieder aufgerufen, zum Eröffnungsspiel der Fußballweltmeisterschaft der Männer vor das Aztekenstadion in Mexiko-Stadt zu ziehen. Damit möchte die CNTE "unseren Kampf und unsere zentrale Forderung sichtbar machen", so Elvira Veleces, eine der Vorsitzenden der Gewerkschaft.
Daraufhin zogen viele ihrer Mitglieder über die Verkehrsachse Calzada de Tlalpan in Richtung des Stadions. Genaue Zahlen sind nicht bekannt, aber die Menschenmenge, die in einem Livestream der CNTE zu sehen war, dürfte in die Tausenden gehen. Der Zug der Demonstrierenden wurde jedoch von einem massiven Polizeiaufgebot aufgehalten.
Die CNTE befindet sich seit Wochen in einer Auseinandersetzung mit der Regierung von Präsidentin Claudia Sheinbaum. Durch einen Streik hat sie den Schulbetrieb in mehreren Teilen des Landes lahmgelegt. Ihre Forderungen umfassen vor allem die Verdopplung des Grundgehalts von Lehrkräften und die Rückkehr zu einem solidarischen Rentensystem. Der Aufruf zu neuen Protesten ist vor allem eine Reaktion auf das Scheitern der letzten Verhandlungsrunde mit den staatlichen Behörden.
Laut Regierungssekretärin Rosa Icela Rodríguez ist der Spielraum der Regierung für Zugeständnisse stark limitiert. Die Führung der Gewerkschaft hatte verlangt, dass Sheinbaum persönlich an den Gesprächen teilnimmt. Dem kam die Präsidentin bislang nicht nach. In ihrer morgendlichen Pressekonferenz appellierte sie jedoch an die Gewerkschaft, friedlich zu bleiben, der Dialog müsse die Lösung bringen.
Bereits am Dienstag hatte sich Bildungsminister Mario Delgado unnachgiebig gezeigt. Delgado verwies auf die Gehaltssteigerungen für Lehrkräfte unter früheren Regierungen. Weiterhin thematisierte er die Probleme im Lehrbetrieb, da aufgrund des Streiks über 17.000 Schulen geschlossen wurden und 1,4 Millionen Schüler keinen Unterricht besuchen können.
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In den sozialen Medien kritisiert die CNTE das Verhalten der Regierung und wirft die Frage auf, wer im Land wirklich geschützt werde. Statt das öffentliche Bildungswesen zu unterstützen, würden Finanzdienstleister, Wirtschaftskonzerne und nun die Fifa hofiert werden.
Die Auseinandersetzung zwischen Gewerkschaft und Regierung findet vor dem Hintergrund zahlreicher Kundgebungen in Mexiko-Stadt im Zuge der Weltmeisterschaft statt.
Darunter sind kreative Protestaktionen wie großflächige Botschaften an Gebäuden oder Plakatwänden, Straßenblockaden und temporäre Besetzungen. Ein Brennpunkt der Proteste ist das historische Zentrum. Dort haben rund 3.000 Lehrkräfte in den Straßen provisorische Camps aufgebaut, Tausende weitere Personen nehmen an den Protesten teil. Auch in direkter Nähe des Stadions kommt es derzeit zu heftigen Zusammenstößen.
Die Proteste der CNTE verschmelzen dadurch mit den Konflikten anderer Gruppen. Die Gewerkschaft zeigt sich solidarisch. Pedro Hernández, Generalsekretär der Sektion neun der CNTE, erklärte, sie würden "den berechtigten Forderungen der Madres Buscadores (amerika21 berichtete), der Eltern der 43 [Verschwundenen von Ayotzinapa] sowie der Streiks, die seit drei Monaten bei Tornel und seit sechs Monaten bei Nacional Monte de Piedad ungelöst sind", den Rücken stärken.
Bis zum Ende des Eröffnungsspiels gelang es der CNTE nicht, die Polizeiblockaden zu überwinden und zum Stadion vorzudringen.

