Bogotá. Am Sonntag finden in Kolumbien die Präsidentschaftswahlen statt. Dabei treten der ultrarechte Anwalt und Unternehmer Abelardo de la Espriella und der linke Senator Iván Cepeda gegeneinander an. In der ersten Wahlrunde kam De la Espriella mit 43,74 Prozent als Erstplatzierter in die Stichwahl, Cepeda folgte mit 40,90 Prozent. Die Wahl entscheidet über die Nachfolge des amtierenden Präsidenten Gustavo Petro für die Amtszeit 2026 bis 2030.
Der Wahlkampf endet in einer Atmosphäre starker politischer Spannungen. Beide Kandidaten werfen sich einander vor, das Land in die falsche Richtung führen zu wollen. Während De la Espriella vor einer Fortsetzung der Politik der Regierung Petro warnt, bezeichnet Cepeda seinen Gegner als Vertreter eines konservativen Projekts, das soziale Reformen und Fortschritte im Friedensprozess gefährden würde.
Wenige Tage vor der Abstimmung sehen die meisten veröffentlichten Umfragen De la Espriella in Führung. Beobachter weisen zudem darauf hin, dass mehrere Meinungsforschungsinstitute seine Unterstützung bereits im ersten Wahlgang unterschätzt hatten.
Der Wahlkampf von De la Espriella konzentrierte sich vor allem auf die Themen Sicherheit, Wirtschaftswachstum, Steuersenkungen und die Stärkung staatlicher Autorität. In öffentlichen Auftritten versprach er ein härteres Vorgehen gegen bewaffnete Gruppen und kündigte an, mehrere Reformen der Regierung Petro rückgängig machen zu wollen. Zudem erhielt er öffentlich Unterstützung von US-Präsident Donald Trump, der ihn als geeigneten Kandidaten für eine Vertiefung der Beziehungen zwischen beiden Ländern bezeichnete.
Iván Cepeda stellte die Verteidigung sozialer Reformen und der Friedensabkommen in den Mittelpunkt seiner Kampagne. Unterstützung erhielt er unter anderem von Gewerkschaften, sozialen Bewegungen sowie indigenen und afrokolumbianischen Organisationen.
Präsident Gustavo Petro spielte ebenfalls eine zentrale Rolle im Wahlkampf. Obwohl er selbst nicht zur Wahl steht, sorgen seine öffentlichen Stellungnahmen und Beiträge in sozialen Netzwerken regelmäßig für politische Debatten und Reaktionen beider Kandidaten. Mehrere Medien bezeichneten die Bewertung seiner bisherigen Regierungsarbeit als eines der zentralen Themen des Wahlkampfs.
Im Verlauf der Kampagne wurden zudem Diskussionen über mögliche Unregelmäßigkeiten bei der ersten Wahlrunde geführt. Vertreter des Regierungslagers forderten zusätzliche Garantien und Kontrollmechanismen für die Stichwahl. Die Wahlbehörden wiesen Manipulationsvorwürfe zurück und betonten, dass nationale und internationale Beobachter den Wahlprozess begleiten werden. Iván Cepeda erklärte zwar, es gebe "keine Unregelmäßigkeiten von ausreichendem Ausmaß, um von Wahlbetrug zu sprechen", sprach sich jedoch zugleich für zusätzliche Garantien und Kontrollen bei der Stichwahl aus.
Petro hatte zuvor erklärt, das Ergebnis nicht anzuerkennen Hinweise auf Wahlbetrug geliefert. Dem widersprachen die Aussagen von Cepeda. Dieter Drüssel vermutet in einem Artikel, Cepeda wollte damit einem Konflikt aus dem Weg gehen, um "Wähler der Mitte" nicht abzuschrecken (amerika21 berichtete).
Auch die Frage weiterer Fernsehdebatten sorgte für Kontroversen. Cepeda drängte in den letzten Tagen des Wahlkampfs auf ein weiteres direktes Duell und warf De la Espriella vor, einer öffentlichen Konfrontation auszuweichen. De la Espriella erklärte hingegen seine Bereitschaft zur Teilnahme, knüpfte diese jedoch an die Bedingung, dass auch die Vizepräsidentschaftskandidaten einbezogen werden. Die unterschiedlichen Vorstellungen über das Format verhinderten letztlich ein weiteres Aufeinandertreffen der beiden Bewerber vor der Stichwahl.
Die politische Spannung spiegelt sich auch in öffentlichen Stellungnahmen von Unterstützern wider. Die ehemalige Bürgermeisterin von Bogotá, Claudia López, begründete ihre Unterstützung für Cepeda und bezeichnete ihn als "einen durch und durch anständigen Menschen". Über De la Espriella sagte sie, dieser sei ein "Verteidiger von Korrupten" und habe möglicherweise davon profitiert, "das Image und das Geld verschiedenster Mafiosi reinzuwaschen". Die Senatorin Paloma Valencia unterstützte hingegen De la Espriella und erklärte, die Stichwahl biete die Möglichkeit, einen politischen Kurswechsel einzuleiten und die Sicherheitslage des Landes zu verbessern, und betonte, Kolumbien werde "nicht in die Hände des Kommunismus fallen".
Die Wahl wird auch außerhalb Kolumbiens aufmerksam verfolgt. Das Land gilt als wichtiger politischer und wirtschaftlicher Akteur in Lateinamerika sowie als enger Partner der USA. Beobachter sehen in der Abstimmung daher nicht nur eine Entscheidung über die künftige Regierung Kolumbiens, sondern auch ein Signal für die politischen Kräfteverhältnisse in der Region.


