Cali. Präsident Gustavo Petro hat sich am Freitag mit einer Großkundgebung auf dem zentralen Platz Parque de las Banderas von seiner Amtszeit verabschiedet. Tausende Anhänger:innen versammelten sich in der südlichen Metropole, einer der wichtigsten Hochburgen der Linken, um den Präsidenten wenige Wochen vor dem Ende seiner Amtszeit zu feiern. Am Sonntag wird der neue Präsident gewählt.
In seiner Rede zog Petro Bilanz seiner Regierung und rief zugleich zur Verteidigung der sozialen Reformen auf. Besonders die jüngst verabschiedete Arbeitsmarktreform stellte er als einen der wichtigsten Erfolge seiner Amtszeit heraus.
Mit Blick auf die angespannte politische Stimmung im Vorfeld der Wahl wandte sich Petro direkt an seine Anhängerschaft. "Kein Bürger oder keine Bürgerin, die mich zum Präsidenten gemacht hat, soll am Sonntag jemanden angreifen", sagte er vor der Menge. "Ich ordne dies als Präsident und als Vertreter des Volkes an." Damit reagierte er auf Befürchtungen möglicher Unruhen nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses. Cali hat seit den massiven Sozialprotesten im Jahr 2021 den Spitznamen "Hauptstadt des Widerstands" und entwickelte sich seit Petros Wahlsieg 2022 zu einem politischen Zentrum der kolumbianischen Linken. Aus dem rechten Lager wurde in den vergangenen Wochen immer wieder Angst vor sozialen Auseinandersetzungen nach der Wahl geschürt.
Bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl am 31. Mai 2026 erhielt der Kandidat des Regierungslagers, Iván Cepeda, in Cali einen deutlichen Vorsprung.
Ihnen gefällt, was Sie lesen?
Das freut uns. Unterstützen Sie unsere Arbeit. Regelmäßige Spenden helfen uns, das Projekt amerika21 nachhaltig aufzustellen.
Für viele der Anwesenden war die Kundgebung weniger Wahlkampf als ein Abschied von der ersten linken Regierung in der Geschichte Kolumbiens. Unter Applaus und Sprechchören bedankte sich Petro bei seinen Unterstützer:innen. Nicht nur Petro selbst, sondern auch viele Anwesende waren zu Tränen gerührt und äußerten ihre Befürchtungen im Falle eines Rückfalls zur rechten Politik.
Mit dem Auftritt endete die öffentliche Abschiedstour des Präsidenten vor dem Ende seiner Amtszeit am 6. August.
Die letzten Tage seiner Präsidentschaft verbrachte Petro also nicht in den Institutionen in der Hauptstadt Bogotá, sondern auf öffentlichen Plätzen. Die Bühnen waren bunt geschmückt mit den Farben des Pacto Histórico, viele Teilnehmende trugen T-Shirts aus den Wahlkämpfen von 2022. Immer wieder waren Sprechchöre wie "¡Petro amigo, el pueblo está contigo!" (Freund Petro, das Volk ist bei dir) und "¡Sí se pudo!" (Es war möglich) zu hören.
Ein Teilnehmer sagte gegenüber amerika21: "Petro verabschiedet sich nicht als jemand, der seine Karriere beendet. Es geht nicht um ihn, sondern um sein Projekt, das nun in den Händen einer neuen Generation liegt." Deshalb standen bei den Veranstaltungen neben ihm auf der Bühne zahlreiche Abgeordnete des Pacto Histórico, junge Aktivist:innen, Gewerkschafter:innen, soziale Bewegungen und Vertreter:innen der Wahlkampagne von Iván Cepeda.

