Vereinte Nationen: Klimawandel verschärft Kinder- und Jugendarmut in Lateinamerika

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Der Klimawandel wirkt als Katalysator der Kinderarmut in Lateinamerika
Der Klimawandel wirkt als Katalysator der Kinderarmut in Lateinamerika

Panama-Stadt. Aufgrund des Klimawandels werden in Lateinamerika bis 2030 zusätzlich 5,9 bis 17,9 Millionen Personen unter 25 Jahren von Armut betroffen sein. Das ergeben Schätzungen eines kürzlich erschienenen Berichts des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (Unicef) und der UNO-Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (Cepal).

Die Schätzungen beruhen auf Untersuchungen in 18 Ländern, darunter Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Ecuador, Kolumbien, Mexiko und Peru. Laut Unicef/Cepal leben dort 94 Millionen Kinder und junge Menschen, die als arm eingestuft werden. Kinder und junge Menschen sind überproportional verwundbar gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels, wie Überschwemmungen oder Dürren.

"Die Knaben, die Mädchen und die Teenager übernehmen die größte Last des Klimawandels, nicht nur weil ihre Körper sich noch entwickeln und verwundbarer bezüglich extremer Ereignisse wie Zyklone oder Hitzewellen sind, sondern auch weil diese Vorkommnisse den Lebensunterhalt der Familie und ihre Ausbildung beeinträchtigen", bekräftigt der Regionaldirektor der Unicef für Lateinamerika und die Karibik, Roberto Benes.

Das Autor:innenenteam erarbeitete für die Berechnung der Anzahl der betroffenen Personen drei Klimaszenarien: "Netto Null 2050", "Aktuelle Politiken" und "Sehr wenig, sehr spät" (sogenannte Klima-Untätigkeit). Die drei Varianten gehen von verschiedenen Reduktionszielen der Treibhausgase auf globaler Ebene aus. Beim ambitionierten Ziel Netto Null würden demzufolge zusätzliche 5,9 Millionen Kinder und junge Menschen von Armut betroffen sein, beim mittleren Szenario 9,9 Millionen und im Fall der Klima-Untätigkeit 17,9 Millionen.

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Eine große Rolle dürfte dabei auch den jeweiligen Regierungen zukommen. Sollten sie keine Maßnahmen ergreifen, um die sozialen Auswirkungen des Klimawandels auszugleichen, würden die Folgen noch stärker ausfallen. Bei einem Zuwachs der Ungleichheit von nur einem Prozent pro Jahr prognostizieren Unicef und Cepal einen ungefähr doppelt so hohen Anstieg der Armut bei Kindern und jungen Menschen.

Trotz ihrer hohen Verwundbarkeit werden zurzeit lediglich 3,4 Prozent der multilateralen Klimaressourcen in der Region für kinder- und jugendgerechte Projekte eingesetzt. Laut Unicef/Cepal werden bei der Finanzierung von Klimaprojekten die Bedürfnisse der Altersgruppe nicht priorisiert.

Vor diesem Hintergrund empfehlen die Autor:innen der Studie den Schutz von Kindern und jungen Menschen in vier Bereichen anzugehen:

  • Die Stärkung der Klimaresilienz sozialer Dienste und kritischer Infrastrukturen in den Bereichen Gesundheit, Ernährung und Bildung für Kinder, speziell in den ersten 1.000 Tagen ihres Lebens
  • Die Aufstockung der kindgerechten Finanzierung von Klimamaßnahmen, um die Rechte der Kinder und Jugendlichen zu gewährleisten und sie als relevante Akteure einzubeziehen
  • Die Förderung von Sozialschutz- und Notfallmaßnahmen, die im Falle von Extremwetterereignissen den besonderen Bedürfnissen von Kindern Rechnung tragen
  • Die Verbesserung von Bildungsangeboten über Klima und Klimawandel in den Schulen, um die Kinder und Jugendlichen auf die Herausforderungen in einer sich wandelnden Welt vorzubereiten

Die Autor:innen der Studie betonen, dass der Klimawandel Fragen der Generationengerechtigkeit beeinflusse. Künftige Generationen hätten ein erhöhtes Risiko in Armut zu leben aufgrund von Entscheidungen und Entwicklungen, für die sie keine Verantwortung tragen. Es ließe sich zudem nicht genau vorhersagen, welche Konsequenzen die Ausbreitung der Armut auf die Gesellschaften haben werde.