Venezuela / Soziales

Erdbeben in Venezuela: Staatstrauer und Folgen der US-Blockade

Rettungskräfte, ausländische Helfer und freiwillige Helfer im Einsatz. Teilweise Kritik am Krisenmanagement der Regierung

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Per Dekret ordnete Rodriguez Staatstrauer an.
Per Dekret ordnete Rodriguez Staatstrauer an.

Caracas. Venezuelas geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez hat eine siebentägige Staatstrauer für die Opfer der verheerenden Erdbeben vom 24. Juni ausgerufen. "Venezuelas Seele ist zutiefst erschüttert über die menschlichen Verluste, die durch die verheerenden Erdbeben verursacht wurden. Heute teilen wir den Schmerz der Familien, die ihre Angehörigen verloren haben, und beten für die Verletzten, die Vermissten und die betroffenen Gemeinden", schrieb Rodríguez in einer offiziellen Erklärung.

Bis zum Abend des 1. Juli hat die Regierung 2.295 Todesopfer bestätigt. Über 11.000 Menschen sind demnach verletzt worden. Weitere 12.841 Personen sind laut Regierungsangaben obdachlos geworden, weil ihre Wohngebäude eingestürzt sind oder beschädigt wurden. Sie werden vorübergehend in Camps und Notunterkünften untergebracht. Über zehn solcher Camps sind inzwischen in der am stärksten betroffenen Region La Guaira errichtet worden, weitere 50 Unterkünfte stehen in der benachbarten Hauptstadt Caracas und im angrenzenden Bundesstaat Miranda zur Verfügung.

Laut Angaben des Hohen Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) ist rund die Hälfte der obdachlos gewordenen Personen bei Freund:innen oder Verwandten untergebracht, während viele der Betroffenen auf Plätzen, in Kirchen oder improvisierten Schutzunterständen Zuflucht suchen. Genaue Zahlen der Obdachlos gewordenen Menschen nennt die UNHCR allerdings nicht. 

Parlamentspräsident Jorge Rodríguez gab gegenüber den Medien bekannt, dass die Rettungskräfte bisher 6.461 Menschen aus den Trümmern bergen konnten. Weitere rund 13.500 verschüttete Personen hätten sich selbst befreien können oder seien von Verwandten oder Nachbar:innen gerettet worden.

Während der Bergungsarbeiten stehen rund 26.000 Mitglieder der Streitkräfte, der Polizei, der Feuerwehr und anderer staatlicher Stellen im Einsatz. Aus dem Ausland kommen über 2.000 Helfende aus über 25 Ländern, die die Rettungsarbeiten unterstützen. Ihnen haben sich über 17.000 freiwillige Zivilpersonen aus Venezuela angeschlossen, die in die offiziellen Rettungsteams integriert wurden. Dazu kommen viele Menschen, die aus eigener Initiative nach Opfern suchen oder Geschädigte mit Nahrungsmitteln versorgen.

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Teilweise wurde Kritik laut, nachdem die Regierung den Bundesstaat La Guaira militarisiert und die dorthin führenden Verkehrsachsen teilweise gesperrt hat. Jorge Rodríguez rief die Bevölkerung schon vergangene Woche auf, sich nicht ins Katastrophengebiet zu begeben, da bisweilen die Straßen von hilfswilligen Personen und ihren Fahrzeugen blockiert gewesen seien, sodass Rettungskräfte kaum durchgekommen seien.

Kritiker:innen bemängeln, die Regierung blockiere Initiativen zur privaten Hilfe und stelle ihrerseits zu wenig Ressourcen zur Verfügung. Die argentinische Zeitung La Nación zitiert eine Anwohnerin von La Guaira, die von "fehlender Organisation" spricht. Bisweilen seien uniformierte Militärs oder Rettungskräfte untätig herumgestanden, während Nachbar:innen im Schutt nach Opfern gegraben hätten.

Zudem ist die Lage in vielen Krankenhäusern prekär. Der Sprecher der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Christian Lindmeier, sprach von einem "extremen Druck" auf das venezolanische Gesundheitswesen. Viele medizinische Einrichtungen im Krisengebiet seien beschädigt worden und nur eingeschränkt funktionsfähig. Lindmeier warnte vor "erhöhten Gesundheitsrisiken", etwa durch die drohende Ausbreitung von Krankheiten wie Gelbfieber, Dengue, Zika und Malaria.

Venezuelas Gesundheitswesen hat in den letzten Jahren stark unter den völkerrechtswidrigen Sanktionen der USA gelitten. So wurde die Beschaffung von medizinischen Geräten und Medikamenten unmöglich oder deutlich erschwert. Ein Bericht der Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen, Alena Douhan, ging 2021 davon aus, dass nur 20 Prozent der medizinischen Geräte im venezolanischen Gesundheitssektor voll funktionsfähig sind, da Ersatzteile oder spezielle Technik aufgrund der US-Zwangsmaßnahmen nicht beschafft oder notwendige Wartungsarbeiten nicht durchgeführt werden konnten (amerika21 berichtete).