Dominikanische Republik wirbt um Kapital, Kritik an Arbeitsbedingungen

In Santo Domingo startet das Americas Investment Forum mit rund 2.000 Gästen aus 52 Ländern. Verbände fordern höhere Mindestlöhne in den Freihandelszonen

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Sozialverbände kritisieren die Arbeitsbedingungen in den Fabriken, so wie hier in einer Schuhfabrik
Sozialverbände kritisieren die Arbeitsbedingungen in den Fabriken, so wie hier in einer Schuhfabrik

Santo Domingo. Am heutigen Freitag endet in der dominikanischen Hauptstadt das dreitägige Americas Investment Forum (AIF) 2026. Die Veranstaltung wurde vom staatlichen Centro de Exportación e Inversión (Zentrum für Export und Investition, ProDominicana) gemeinsam mit dem Weltverband der Investitionsförderagenturen WAIPA ausgerichtet. Rund 2.000 Teilnehmer aus mehr als 52 Ländern werden erwartet. Zeitgleich erneuern dominikanische Gewerkschaften ihre Kritik an den Löhnen in den Freihandelszonen Zonas Francas, die Präsident Luis Abinader bei der Eröffnung des Forums als Erfolgsmodell hervorhob.

Die dreitägige Agenda umfasst unter dem Motto "Construyendo oportunidades" (Chancen schaffen) mehr als 28 hochrangig besetzte Gesprächsrunden zu Themen wie Tourismus, erneuerbaren Energien, Infrastruktur, Logistik, Industrieparks, Rechenzentren und Künstlicher Intelligenz sowie Matchmaking-Formate zwischen Unternehmen, Regierungen und Investoren.

Präsident Luis Abinader von der mitte-rechts Partei Partido Revolucionario Moderno (Moderne Revolutionäre Partei, PRM) hat das Forum eröffnet. ProDominicana-Direktorin Biviana Riveiro Disla erklärte, die Dominikanische Republik habe sich als einer der wichtigsten Investitionsstandorte in Lateinamerika und der Karibik etabliert und 2025 mit 5,03 Milliarden US-Dollar einen Rekord bei ausländischen Direktinvestitionen erreicht. Als geladener Redner trat der venezolanische Ökonom Ricardo Hausmann auf, Direktor des Growth Lab der Harvard Kennedy School und frühere Chefökonom der Interamerikanischen Entwicklungsbank. Er steht für einen marktliberalen, wachstumszentrierten Politikansatz. Abinader nannte in seiner Rede die Freihandelszonen als Beleg für den Erfolg des Investitionsmodells: Auf sie entfallen nach seinen Angaben über 200.000 direkte Arbeitsplätze und mehr als 60 Prozent der Exporte des Landes. Möglich wird das Wachstum unter anderem durch weitreichende Steuer- und Zollbefreiungen für Unternehmen in den Zonas Francas. In der Kritik dominikanischer Gewerkschaften steht dabei vor allem das damit verbundene Lohnniveau.

Die Confederación Nacional de Trabajadores Dominicanos (Nationaler Verband der Dominikanischen Arbeiter, CNTD), einer der großen Gewerkschaftsdachverbände des Landes, fordert seit Jahren, die Mindestlöhne in Zonas Francas und Tourismus an das höhere Niveau nicht sektorisierter Unternehmen anzugleichen. Seit Juni 2026 liegt der Mindestlohn in den Zonas Francas laut einer Resolution des Comité Nacional de Salarios bei 20.875 Dominikanischen Pesos monatlich, umgerechnet rund 345 US-Dollar, zuvor waren es 18.781 Pesos. Zum Vergleich: Die dominikanische Zentralbank (BCRD) bezifferte die monatlichen Kosten einer canasta básica (des Grundbedarfskorbs) im März 2026 auf mindestens 29.351 Pesos. Der Mindestlohn in den Zonas Francas deckt damit knapp 71 Prozent dieses Grundbedarfs. Das liegt laut CNTD weiterhin deutlich unter dem Mindestlohn nicht sektorisierter Großunternehmen.

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Auch die Gewerkschaft Fedotrazona kritisiert das Sonderregime: Die Zonas Francas genössen zwar steuerliche Vorteile, die Beschäftigten dürften dabei aber nicht "als Menschen zweiter Klasse" behandelt werden. Wie die rund 200.000 Beschäftigten in den Zonas Francas selbst über die Debatte denken, ist in der aktuellen Berichterstattung kaum präsent, im Vordergrund stehen Verbands- und Regierungsstimmen.

Eine Studie der Weltbank zu den dominikanischen Zonas Francas attestiert dem Modell schwache Verflechtungen mit der übrigen Wirtschaft des Landes. Sie warnt zudem davor, dass die Konzentration auf niedrige Löhne, Handelspräferenzen und Steueranreize von strukturellen Standortproblemen ablenken könnte, etwa bei Energiekosten, Transport und Investitionsklima.

Welche der auf dem Forum angekündigten Investitionsprojekte tatsächlich umgesetzt werden und welche Wirkung sie auf Beschäftigung und Löhne entfalten, lässt sich erst in den kommenden Monaten beurteilen. Für die dominikanischen Gewerkschaften bleibt die zentrale Frage, ob steigende Investitionszahlen auch zu einer Angleichung der Löhne in den exportorientierten Sektoren führen oder ob das Wachstumsmodell weiter auf niedrigen Lohnkosten als Standortvorteil beruht.