Freiburg im Breisgau/Wiwilí. Der Wiwilí-Verein und die Stadt Freiburg haben auf Anregung der Guzzoni-Federer-Stiftung des 40. Todestags des Internationalisten und Nicaragua-Aktivisten Berndt Koberstein gedacht. Der Kommunist und Maschinenschlosser Koberstein geriet gemeinsam mit zwei weiteren Internationalisten und drei Nicaraguanern am 28. Juli 1986 in einen Hinterhalt der von den USA finanzierten paramilitärischen Contra-Armee und wurde erschossen. In Freiburg ist sein Gedenken lebendig.
Auf der Veranstaltung konnte die Guzzoni-Federer-Stiftung eine Spende von 10.000 Euro überreichen, die für ein Wiederaufforstungsprogramm in der Region um die nicaraguanische Gemeinde Wiwilí verwendet werden soll.
Am Dienstag, seinem Todestag, versammelte sich eine Gruppe von Menschen auf der Wiwilíbrücke, einer zentralen Fußgängerbrücke in der Stadtmitte Freiburgs, die die Innenstadt mit dem Stadtteil Stühlinger verbindet. Sie gedachten des ermordeten Kobersteins und Albrecht "Tonio" Pflaums, einem Freiburger Arzt, der bereits 1983 in derselben Region Nicaraguas ermordet wurde.
Auch außerhalb der Gedenktage sind Koberstein und Pflaum in Freiburg präsent. Seit 2012 vergibt die Guzzoni-Federer-Stiftung den Berndt-Koberstein-Preis für Zusammenleben und Solidarität. Der Preis wird an Initiativen in Freiburg vergeben, die im "Sinn von Berndt tätig sind", erläutert Hendrijk Guzzoni, Initiator des Preises, gegenüber amerika21. Guzzoni war mit Koberstein eng befreundet. Sie kannten sich schon aus der Schule in Freiburg, engagierten sich später in der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) und in der Deutschen Kommunistischen Partei, der Guzzoni bis heute angehört.
Koberstein lernte Maschinenschlosser, wurde nach der Ausbildung nicht übernommen, wohl auch weil er sich "nicht alles gefallen ließ", wie es in einem Artikel der Badischen Zeitung zum 40. Todestag hieß. Nach zweieinhalb Jahren Fließbandarbeit bei Ford in Köln und einer Umschulung aus gesundheitlichen Gründen ging er 1984 mit einer Brigade der DKP und SDAJ zum ersten Mal nach Nicaragua.
Ein Jahr zuvor war Pflaum, der im Auftrag des Deutschen Entwicklungsdienstes in Nicaragua war, am 30. April zusammen mit 13 Nicaraguanern in einem Bus auf dem Weg zu einer Feier zum 1. Mai. Der Bus wurde von einer Contraeinheit gestoppt, alle 14 Insassen wurden mit Schüssen und Bajonettstichen ermordet.
Nach dem Tod Pflaums gründete sich in Freiburg ein Freundeskreis, in dessen Auftrag Koberstein 1986 erneut nach Nicaragua ging. Er arbeitete bis zu seiner Ermordung als Bauleiter an einem Wasserversorgungsprojekt in Wiwilí, das nach seinem Tod fertiggestellt wurde, seinen Namen trägt und heute 10.000 Menschen mit sauberem Wasser versorgt.
Nach seinem Tod gab es in Freiburg eine Demonstration mit 2.000 Teilnehmern, die sich vor allem gegen die Unterstützung der USA für den Terror der Contra richtete, erklärte Guzzoni gegenüber amerika21. Der damalige DKP-Vorsitzende Herbert Mies forderte den damaligen Bundeskanzler auf, Ermittlungen wegen Mordes aufzunehmen. Medien hielten dagegen. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schrieb damals, "Wer hat ihn auf dem Gewissen? Am meisten das Regime in Managua, das sich junge Leute von irre geleitetem Idealismus aus ganz Westeuropa nach Nicaragua holt und ihre Abenteuerlust politisch ausnutzt".
Im sogenannten Contra-Krieg (1981 – 1990), mit dem die von den USA ausgerüsteten Konterrevolutionäre versuchten, die sandinistische Regierung zu stürzen, kamen rund 30.000 Menschen ums Leben. Unter ihnen waren insgesamt 80 Internationalisten, die sich wie Koberstein und Pflaum an humanitären Einsätzen in Nicaragua beteiligten.
Rund einen Monat vor Kobersteins Ermordung wurde am Internationalen Gerichtshof in Den Haag ein wichtiges, aber wenig bekanntes Urteil gefällt. Das Gericht gab einer Klage Nicaraguas gegen die USA recht und verurteilte die Regierung in Washington wegen der angerichteten Schäden zu einer Zahlung von 17 Milliarden US-Dollar. Die USA erkannten das Urteil nicht an und haben auch 40 Jahre später nichts bezahlt. Dagegen richtet sich die im Mai dieses Jahres initiierte Kampagne "Nicaragua se respeta" (Nicaragua wird respektiert). Auch in Deutschland werden für die Kampagne Unterschriften gesammelt, unter anderem auf den UZ-Friedenstagen, die die DKP-Zeitung Unsere Zeit vom 28. bis 30. August in Berlin veranstalten wird.



