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22.09.2010 Amerikas / Deutschland / Medien / Politik

Eine-Meinungs-Demokratie bei Bertelsmann

Konzernstiftung lädt zu Lateinamerika-Debatte auf Frankfurter Buchmesse nur rechte Akteure ein

Die Bertelsmann-Stiftung lädt auf der Frankfurter Buchmesse zu einer Veranstaltung „zur Demokratie in Lateinamerika“ ein. Am 7. Oktober sollen am 10:30 Uhr in Halle 5.0 (D 941) ausschließlich Gegner der anti-neoliberalen Akteure in der Region debattieren. Unser Leser Edgar Göll hat daraufhin folgende E-Mail an den Organisator Matthias Jäger geschrieben.


 

Sehr geehrter Herr Jäger,

mit Verwunderung, um nicht zu sagen Empörung habe ich Ihre Einladung zur Kenntnis genommen.

Da ich aus beruflichen Gründen leider nicht persönlich teilnehmen kann, möchte ich Ihnen hier kurz meine Einschätzung mitteilen.

Der Besetzung des Podiums nach zu schließen kann der Titel Ihrer Podiumsdiskussion nicht geschafft werden: Ausschließlich Konservative haben Sie sich da eingekauft – und keinen Mut, Progressive und Linke zu Wort kommen zu lassen. Ist das Ihre feine Art von Zensur? Haben Sie Angst vor kritischen Meinungen, vor Leuten, die Marx gelesen und verstanden haben und anwenden? Sind Sie nicht an wirklich anderen Auffassungen als den Ihren interessiert?

Spezifischer: Sie haben nicht nur die kubanische Bloggerin Yoani Sanchez eingeladen, eine in der westlichen, antikommunistischen Imagemaschinerie als Dissidentin und Lichtgestalt konstruierte Frau, die so köstlich eurozentrischen Klischees von Oppositionellen entspricht. Sie bringen es tatsächlich fertig, als zentralen Aspekt "mangelnde bürgerliche Freiheiten" in Kuba anzukündigen. Das deutet darauf hin, dass Sie sämtliche politische Missstände in fast allen anderen lateinamerikanischen Gesellschaften als unerheblich, als zweitrangig ansehen bzw. so verstanden wissen wollen und propagieren. Das hat mitnichten mit "evidenzbasierten Politikstrategien" zu tun, wie Ihre Abteilung innerhalb des Bertelsmann-Konzerns so schön heißt. Geschicktes, aber unzutreffendes Labeling.

Kurzum: Was Sie vorhaben, ist allem Anschein nach eine (intellektuell) "billige" Propagandaveranstaltung. Sie missbrauchen offensichtlich die Arbeit der Projektmitarbeiter am BTI, um Ihr bzw. Bertelsmanns ideologische Brühe zu kochen.

Haben Sie den Mut und bekommen Sie es noch hin, eine Linke bzw. einen Linken hinzuzuziehen, oder wollen Sie tatsächlich unter sich bleiben?

Gruß
Edgar Göll
(Freundschaftsgesellschaft Berlin - Kuba)

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Kommentare

Konzernstiftung lädt zu Lateinamerika-Debatte auf Frankfurter Bu

Interessant!
Sie meinen also Bertelsmann sollte das so machen wie es gerade in der Sarrazin Debatte ALLE politisch korrekten, linken Spiesser Medien gemacht haben? Die sich ihrer Meinungsfreiheit zwar stets lauthals brüsten, aber ALLE, ausnahmslos, jeden Hinweis auch auf die beiden sinnvollen Diskussionsbeiträge zum Thema in der SZ und der FR wegzensiert haben?
Bertelsmann ist was es ist, kein Frage dazu.... der Witz ist, dass die Gegenseite, also auch Ihr, eben genauso lächerlich, manipulativ und zensierend ist. Für einen wirklich links angehauchten Menschen, der selber denkt, ist Bertelsmann natürlich ein Brechmittel. Aber ekelerregender ist das, was die linke Spiesser Medien veröffentlichen, denn an die stellt man andere Ansprüche.... was ganz offensichtlich ein Fehler ist.
Ihr verdient euch gegenseitig. Und die Unterstützung der Selber-Denkenden wird euch eines Tages fehlen, wenn es im Internet zum Machtkampf kommt als dessen Folge man die Meinungsfreiheit mit den dann zur Verfügung stehenden Mitteln krass einschränken wird...
Nun ja, man kann ja heute bereits deutlich erkennen, dass dies keinen grossen Unterschied machen wird.
TDV

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