Fragen zu Ecuador an das Inforadio des RBB

Weshalb sieht der GEZ-finanzierte Sender beim Thema Ecuador rot? Eine E-Mail an die Sendeleitung

Sehr geehrte Damen und Herren,

als Alexander-von-Humboldt-Gesellschaft e.V. – Freunde Lateinamerikas – freuen wir uns, wenn in den Medien über diesen fernen Kontinent berichtet wird. Wir sehen uns dabei in unserem Bemühen unterstützt, hierzulande Kenntnisse über die Länder Lateinamerikas zu verbreiten.

In ihrem interessanten, lebendigen und hörenswerten Beitrag zu "Ecuador – Urlaub in der grünen Hölle" gibt Frau Sabine Beckmann auch eine Einschätzung über die jetzige Regierung kund: "Die Regierung driftet immer mehr in Richtung sozialistisch-kommunistischer Herrschaft."  Wir möchten gerne wissen, welche Maßnahmen der Regierung unter Präsident Rafael Correa Frau Beckmann zu einer derartigen Einschätzung veranlasst haben. Diese Äußerung steht zum einen in keinerlei Zusammenhang mit dem Thema der Sendung, Ökotourismus, und wird zum anderen auch durch sie nicht belegt, sondern einfach in den Raum gestellt.

An anderer Stelle führt Frau Beckmann hinsichtlich der Erdölvorkommen im Yasuní-Nationalpark aus, dass diese sehr verlockend seien: "Klar, dass die Regierung immer wieder erwägt, die Quellen anzuzapfen. Nur ein internationales Abkommen hat sie bisher davon abhalten können." Diese Aussage verdreht die wahren Gegebenheiten genau in ihr Gegenteil, denn es wird verschwiegen, dass es Präsident Correa war, der gleich nach seinem Amtsantritt 2007 den Vorschlag machte, auf die Erdölförderung in diesem Gebiet zu verzichten, wenn von der internationalen Gemeinschaft die Ecuador dadurch entgangenen Einnahmen teilweise durch einen Fonds kompensiert werden. Die Mittel aus dem UN-Treuhandfonds sollen dann für Investitionen in alternative Energien verwendet werden.

Wir möchten gerne wissen, warum Frau Beckmann verschweigt, dass die Initiative für ein internationales Abkommen von Ecuadors Präsidenten ausging. Ohne diese Initiative des Präsidenten Rafael Correa gäbe es gar kein internationales Abkommen, das die Regierung Ecuadors von der Erschließung der Erdölquellen abhalten könnte.

Von der Redaktion möchten wir gerne wissen, warum sie diese tendenziöse Darstellung zugelassen hat, die geeignet ist, bei den Hörern falsche Vorstellungen entstehen zu lassen, denn von einer öffentlich-rechtlichen Anstalt, die von den Gebühren der Hörer lebt, sollte doch wohl eine wahrheitsgetreue Berichterstattung erwartet werden können. Wir sind der Ansicht, dass Frau Beckmanns Berichterstattung über Ecuador dem Ansehen des Senders geschadet hat.

In Erwartung einer baldigen Antwort, mit freundlichen Grüßen

Gerhard Mertschenk, Geschäftsstellenleiter Alexander-von-Humboldt-Gesellschaft e.V.

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