Kuba / Politik / Umwelt

Kubas "Energierevolution" als Anregung für Deutschland

Studie des Freiburger Büro Ö-Quadrat beschreibt zukunfstorientierte Energiepolitik in Kuba

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Cover der Broschüre von Dieter Seifried
Cover der Broschüre von Dieter Seifried

International vergleichende Studien wie die UN-Berichte zum "Human Development Index" oder der "The Living Planet-Report" des WWF belegen immer wieder, dass Kubas Umwelt- und Sozialpolitik weit entwickelt ist. Dies wird in den Mainstreammedien weitgehend ignoriert und selbst Experten sind über diesen Sachverhalt selten informiert. Ein zentraler Bestandteil der zukunftsorientierten Politik in Kuba sind dabei die Energieprogramme, die vor allem ab dem Jahr 2006 unter der Bezeichnung "Energierevolution" systematisch und mit Nachdruck umgesetzt wurden. Während in Deutschland bestimmte Konzerne, Verbände und Parteien die Energiewende verzögern und zu verhindern suchen, wurde und wird im "konzernfreien Kuba" eine umfassende fortschrittliche Nachhaltigkeitspolitik praktiziert.

Diese Energierevolution, ihre Effekte sowie ihre mögliche Relevanz für die deutsche Energiepolitik und Energiewende werden in einer kürzlich vom Freiburger Beratungsbüro Ö-Quadrat veröffentlichten Studie beschrieben. Fidel Castro hatte diese Revolution 2005 proklamiert, weil Einsparpotenziale als lukrative Energiequelle begriffen wurden: "Wir warten nicht, bis Treibstoffe vom Himmel fallen, denn wir haben zum Glück etwas sehr viel Wichtigeres entdeckt: Energieeinsparung – was so viel wert ist wie große neue Ölvorkommen zu entdecken." (S. 25) Der Autor Dieter Seifried hat hierzu wichtige Fakten zusammengetragen, die verdeutlichen, welch umfangreiche Aktivitäten in Kuba erfolgt sind. So wurden zum Beispiel 2,5 Millionen alte Kühlschränke durch ein staatliches Programm gegen effizientere Geräte ausgetauscht. Die Umstellung von Glüh- auf Sparlampen wurde vollständig vorgenommen. Hinzu kamen weitere Komponenten. Das Stromsparprogramm wurde sozial "vorbildhaft" abgesichert: die ehemals hohe Subventionierung des Stromverbrauchs wurde abgebaut, und zugleich Sozialkredite gewährt und die Stromverbrauchstarife geändert. Außerdem wurde die Energieerzeugung flächendeckend dezentralisiert und modernisiert, und die bereits übliche Bewusstseinsbildung noch weiter verstärkt (zum Beispiel durch "Energie-Berater", Medienkampagnen, Festivals), regenerative Energien ausgebaut, eigene fossile Vorkommen erschlossen und die internationale Kooperation in diesen Bereichen verstärkt. Die Effekte: Mit dem Kühlschranktausch können jährlich umgerechnet über 200 Millionen Euro gespart werden, mit dem Sparlampentausch etwa vier Prozent des Gesamtstromverbrauchs von Kuba.

Der Volkswirt und Diplom-Ingenieur Seifried resümiert, dass einige Anregungen auch für die Energiewende in Deutschland interessant seien: Energiesparmaßnahmen, Preispolitik, Dezentralisierung der Energieproduktion könnten auch hier viel systematischer und nachdrücklicher praktiziert werden. Zwar ist Kuba nicht mit Deutschland vergleichbar, doch angesichts des notwendigen weiteren Ausbaus der regenerativen Energiequellen und den Strompreissteigerungen in Deutschland wäre einiges zu lernen. Eine gezielte Förderpolitik, flankiert durch tarifpolitische Maßnahmen sowie durch kostenlose Energiesparchecks und Sozialkredite könnten zur Energiewende und gleichzeitig zur Kostenentlastung von Stromkunden beitragen. In der weltweiten Suche nach zukunftsfähigen Entwicklungspfaden und alternativen Strategien stellt diese Studie ebenso wie das indigen inspirierte Konzept des "Buen Vivir" (Gutes Leben) in Ecuador und Bolivien oder das inzwischen weit verbreitete und aus Brasilien stammende Konzept von "Bürgerhaushalten" ein weiteres interessantes Beispiel dafür dar, dass und inwiefern der Norden vom Süden lernen kann und sollte.

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