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"Schule des ecuadorianischen Guten Lebens und der Bürgerrevolution" in Quito

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Arbeitsminister Carlos Marx Carrasco bei seinem Vortrag am Freitag
Arbeitsminister Carlos Marx Carrasco bei seinem Vortrag am Freitag

Quito. Vom 7. bis 15. April 2014 findet in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito die "Schule des ecuadorianischen Guten Lebens und der Bürgerrevolution" statt. Die Teilnehmer, davon wenige Ecuadorianer und rund 70 internationale Studierende und junge Professionelle, reisten am vergangenen Freitagabend nach Lago Agrio, um dort die von Chevron-Texaco verseuchten Regenwaldgebiete mit eigenen Augen zu sehen und die Welt anschließend auf diese größte Erdölkatastrophe aufmerksam zu machen, welche immer noch anhält, da aufgrund von Texacos obsoleten Ölförderungsmethoden kontinuierlich giftige Rückstände in die Umwelt sickern.

In der ersten Woche der intensiven Fortbildung gab es unter anderem zwei Kurse zu sozialen Netzwerken und zur Technologiepolitik Ecuadors mit einem Forscher der FLOKSociety, die sich für den Zugang aller Menschen zur Information als Gemeingut einsetzt. Außerdem referierten Historiker über das ecuadorianische Konzept des Guten Lebens (Buen Vivir) sowie die Geschichte Ecuadors vor und nach der Wahl des Präsidenten Rafael Correa und der durch ihn angestoßenen verfassunggebenden Versammlung.

Am 10. April sprach der ecuadorianische Politiker Juan Meriguet, Sohn eines französisch-ecuadorianischen Revolutionärs, über die Gründe, weshalb Ecuador das einzige Pazifik-Land ist, dass keinen Freihandelsvertrag mit den USA unterzeichnet hat. Zudem berichtete Eduardo Paredes, Mitgründer der Bewegung Alianza PAIS, die seit 2007 das Land regiert, über die Basisarbeit während des Wahlkampfs 2006, als seine linke Bewegung Familienkomitees lancierte, um zusätzlich zu gewerkschaftlicher und anderen Organisationsformen jeden einzelnen Staatsbürger zu erreichen und für die politischen Ziele der Bewegung – wie Volkssouveränität und regionale Integration – zu gewinnen. Außerdem stellten Mitarbeiter des ecuadorianischen Außenministeriums den Fall Chevron-Texaco vor und Teilnehmer aus Spanien, Rumänien, Deutschland und Großbritannien schilderten ihre Solidaritätsarbeit hierzu. Zum Abschluss des Tages besuchten sie das Ministerium "Technisches Sekretariat zu Behinderungen", das dem Vizepräsidialamt angegliedert ist: In nur drei Jahren hat es die Regierung des Präsidenten Correa geschafft, 80 Prozent der Ecuadorianer mit Behinderung zu erreichen, das heißt, sie kostenlos mit technischem Zubehör, etwa spezieller Wohnungsausstattung zu versorgen und unter anderem monatliche Unterhaltszuschüsse zu zahlen.

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Am 11. April hielt Ecuadors Arbeitsminister Carlos Marx Carrasco einen Vortrag, in welchem er hervorhob, dass de facto 100 ecuadorianische Familien, insbesondere Bankiers, von der steigenden Staatsverschuldung seit den 1980er Jahren profitierten. Diese und korrupte Staatsbedienstete raubten so dem Volk Ecuadors 1999 bei der verheerenden Bankenkrise, als etwa 80 Prozent der ecuadorianischen Kreditinstitute Bankrott gingen, ihre langjährigen Ersparnisse.

Zum Abschluss des Intensivkurses werden nächste Woche Minister Ecuadors referieren und Präsident Correa begrüßt fünf der Teilnehmer auf dem Balkon des Präsidentenpalastes Carondelet.

Die internationalen Gäste des ecuadorianischen Außenministeriums, das diese Fortbildung seit 2011 organisiert, kommen aus Europa (Spanien, Italien, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Belgien, Rumänien), Afrika (Ägypten, Marokko), aus Palästina und aus Lateinamerika (Brasilien, Mexiko, Honduras, Kuba, Venezuela, Kolumbien, Argentinien, Chile, Peru).

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