Die Gewalt gegen Gewerkschafter in Honduras nimmt kein Ende

Honduras steht bei Angriffen auf Gewerkschafter in Lateinamerika an dritter Stelle

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Jorge Hernández (stehend) beim Forum "Folgen des Putsches für die Menschenrechte" in Honduras
Jorge Hernández (stehend) beim Forum "Folgen des Putsches für die Menschenrechte" in Honduras

Am 2. September fand in der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa das Forum "Folgen des Putsches für die Menschenrechte"1 mit Schwerpunkt auf die Verletzung der Arbeitsrechte und die Rechte der LGBTI-Gemeinschaft statt. Bei dieser Gelegenheit sprach Georgio Trucci vom lateinamerikanischen Sekretariat der Internationalen Gewerkschaft der Nahrungsmittelarbeiter (Rel-Uita) mit Jorge Hernández über die schwierige Situation.

Jorge Hernández arbeitet im Netzwerk gegen die Gewalt gegen Gewerkschaften (Red contra la Violencia Antisindical), das 2015 gegründet wurde. Auslöser waren die massive Gewalt gegen organisierte Arbeiter und die Straflosigkeit im Land. Seitdem hat das Netzwerk viele Fälle dokumentiert, begleitet und zur Anzeige gebracht.

In seinem aktuellen Bericht weist das Netzwerk auf mindestens 47 Fälle von Gewalt hin, die ein oder mehrere Opfer betrafen. Die meisten Aggressionen stehen im Zusammenhang mit Entlassungen aufgrund gewerkschaftlicher Aktititäten, auch kommt es zu Todesdrohungen, Kriminalisierungen, Entführungen und Morden.

Hernández nennt als Beispiele die Ermordung von Héctor Martínez Motiño, Vorsitzender der 6. Sektion der Gewerkschaft der Nationalen Autonomen Universität von Honduras (Sitraunah) im regionalen Universitätszentrum Litoral Pacífico sowie die Entführung und das Verschwindenlassen von Donatilo Jiménez, dem Vorsitzenden der 3. Sektion der Sitraunah im Universitätszentrum Litoral Atlántico. Und er führt die Aggressionen gegen die Brüder Moisés und Misael Sánchez von der Gewerkschaft der Arbeiter in der Agrarindustrie (STAS) auf den Melonenplantagen von Fyffes/Sumitomo an.

Die Kriminalisierung gewerkschaftlicher Arbeit

Er sei auch sehr besorgt wegen der Kriminalisierung von Gewerkschaftern durch das honduranische Justizsystem, sagte das Mitglied des Netzwerks. Er erwähnte den Fall von José Armando Flores, dem Vorsitzenden der Gewerkschaft der Angestellten im Gesundheitsbereich im Osten (SITRASAO), der mit dem Tod bedroht und anschließend wegen Beleidigung und Verleumdung vor Gericht gestellt wurde.

Staatsstreich und Verletzung der Menschenrechte

Seit dem Putsch verstärkte sich die Gewalt gegen Gewerkschafter.

Allein zwischen 2009 und 2010 seien 19 Lehrkräfte ermordet worden. "In den Jahren 2015 bis 2018 haben wir 109 Fälle von Gewalt gegen Gewerkschafter registriert, darunter sieben Morde und einen Fall von gewaltsamem Verschwindenlassen".

Der Bereich, aus dem die meiste Gewalt berichtet wird ist die Agrarindustrie (77 Prozent), gefolgt vom öffentlichen Dienst und den Montagebetrieben (23 Prozent), sagte Hernández gegenüber Rel-Uita.

Diese Situation hat dazu geführt, dass Honduras zu den drei Ländern mit der größten Gewalt gegen Gewerkschafter in Lateinamerika gehört.

“Honduras kommt direkt hinter Kolumbien und Guatemala. Und dieser traurige Rekord wurde von der Internationalen Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO) bei ihrer 108. Konferenz bestätigt. Die Lage ist schwierig und wir als Netzwerk versuchen, auf nationaler und internationaler Ebene Einfluss zu nehmen“, führte er aus..

Die Kräfte bündeln

Über die Einheitsgewerkschaft der Arbeiter von Honduras (Confederación Unitaria de Trabajadores de Honduras, CUTH), hatte das Netzwerk gegen die Gewalt gegen Gewerkschaften seine Vertreter bei den letzten ILO-Konferenzen.

"Alle zusammen haben wir erreicht, dass Honduras erneut in die Liste derjenigen Länder aufgenommen wurde, welche die Abkommen über Arbeitsrechte und -freiheiten missachten", sagte der Menschenrechtsaktivist.

Was Honduras betrifft, so wird die Konvention 87 verletzt, die das Recht auf Zusammenschluss in Gewerkschaften und den Schutz des Gewerkschaftsrechts garantiert. Die ILO hat den honduranischen Staat deshalb aufgefordert, eine Kommission zur Gewalt gegen Gewerkschaften einzurichten und jeden einzelnen der vorgebrachten Fälle zu untersuchen.

“Wir sind dabei, diese Kommission zu schaffen. Die Gewerkschaftszentralen haben bereits ihre Vertreter benannt und wir warten darauf, dass die anderen Parteien dies ebenfalls tun. Es ist notwendig und dringend, diese Fälle zu untersuchen um die Straflosigkeit zu beenden“, sagt Hernández abschließend.

  • 1. Am 28. Juni 2009 wurde in Honduras die letzte demokratisch gewählte Regierung des Landes unter dem linksliberalen Präsidenten Manuel Zelaya von einer Allianz traditioneller Politiker, Unternehmern, Kirche sowie Militär und unterstützt durch die US-Regierung aus dem Amt geputscht
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