Manager von US-Konzern in Kolumbien wegen Finanzierung von Paramilitärs angeklagt

Zwei Chefs von Drummond Colombia sollen in schwere Verbrechen in der Bergbauregion des Cesar verwickelt sein

kolumbien_drummond.jpeg

Laut Vorstandschef Linares hat Drummond 500 Millionen Tonnen Kohle aus Kolumbien exportiert
Laut Vorstandschef Linares hat Drummond 500 Millionen Tonnen Kohle aus Kolumbien exportiert

Bogotá. Der jetzige und der frühere Vorstandschef der kolumbianischen Tochterfirma des US-Kohleunternehmens Drummond werden von der Justiz beschuldigt, Komplizen bei schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen gewesen zu sein.

Die Generalstaatsanwaltschaft in Kolumbien wirft dem jetzigen Vorsitzenden José Miguel Linares und seinem Vorgänger Augusto Jiménez vor, die paramilitärischen Vereinigten Selbstverteidigungskräfte (AUC) zwischen 1996 und 2001 unterstützt und finanziert zu haben. Bei den Tatvorwürfen handelt es sich um Verbrechen gegen die Menschheit, die nach kolumbianischem Recht nicht verjähren.

Die Strafuntersuchung gegen die beiden Vorstandschefs von Drummond Colombia wurde offiziell im Oktober 2018 angekündigt und richtete sich ursprünglich gegen sechs hochrangige Manager und den ehemaligen CIA-Agenten und Drummon-Sicherheitschef James Adkins. Der Strafverfolgungsbehörde liegen Zeugenaussagen von zehn früheren Angestellten, zwei ehemaligen Vertragsunternehmern sowie von demobilisierten Paramilitärs vor.

Die Anklage dreht sich um die Zusammenarbeit der zwei Beschuldigten mit Jaime Blanco Maya, dem Chef des Cateringunternehmens von Drummond. Er hatte die Paramilitärs finanziert, indem er überhöhte Rechnungen ausstellte. 2013 wurde er in Kolumbien zu 38 Jahren Gefängnis wegen des Mordes an zwei Gewerkschaftsführern und Drummond-Mitarbeitern verurteilt. Drummond wurde damals nicht strafrechtlich verfolgt. Gegenwärtig sagt Blanco Maya vor der Sonderjustiz für den Frieden (JEP) aus.

In der 149-seitigen Anklageschrift vom 17. Dezember 2020 listet die Generalstaatsanwaltschaft 3.382 Opfer von Verbrechen auf, darunter Mord, gewaltsames Verschwindenlassen und Entführung. Diese wurden in der Bergbauregion des Cesar und entlang der Zuglinie zu den Verladehäfen von paramilitärischen Gruppen, insbesondere von der Juan Andrés Alvarez Front des Nördlichen Blockes der AUC begangen. Es war Teil einer terroristischen Strategie gegen die Lokalbevölkerung mit dem Ziel, sie aus der Gegend zu vertreiben.

Drummond ist nach eigenen Angaben der größte Kohleproduzent  und -exporteur in Kolumbien.

Ideologisch wurde dieses Vorgehen damit gerechtfertigt, dass die lokalen Bauern die Guerilla unterstützten. Drummond habe aus dem paramilitärischen Handeln durch mehr Sicherheit einen Nutzen gezogen. Bezogen auf verschiedene Zeugenaussagen hält die Anklageschrift fest, dass Drummond die Präsenz der Paramilitärs in der Mine erlaubt und gefördert habe. Insbesondere habe Augusto Jiménez von der Präsenz der Paramilitärs in der Kantine von Drummond gewusst und trotzdem dem Vertrag mit Jaime Blanco Maya zugestimmt.

Die Anklage nimmt damit auch Erkenntnisse des Berichtes "The Dark Side of Coal" der holländischen NGO Pax über die Rolle von Drummond und der Tochterfirma von Glencore, Prodeco, während der paramilitärischen Gewalt in Cesar zwischen 1996 und 2006 auf.

Die Angeklagten führen an, dass sie keinerlei Bezug zum Mord an den beiden Gewerkschaftern Víctor Hugo Orcasita und Valmore Locarno im Jahr 2001 gehabt und auch keine illegalen Gruppen finanziert hätten, da die Sicherheit der Mine in der Verantwortung der staatlichen Sicherheitskräfte gelegen habe. Die Anklagepunkte gegen sie würden auf gefälschten Dokumenten und falschen und widersprüchlichen Zeugenaussagen beruhen. Zudem hätten schon Strafverfahren in den USA eine direkte Finanzierung der Paramilitärs widerlegt. Zeugen wie Jaime Blanco Maya hätten gelogen, um Straferleichterung oder wirtschaftliche Vorteile zu erhalten.

Der paramilitärische Kommandant Tolemaida von den AUC sagte ebenfalls aus, dass Vertragsunternehmen wie Transport- und Sicherheitsunternehmen oder eben das von Jaime Blanco die Paramilitärs finanziert habe, nicht jedoch Drummond selbst. Der Anwalt Francisco Cuellar habe den Zeugen Geld und politisches Asyl angeboten, wenn sie gegen den Konzern aussagen würden.

Um einem Strafprozess zu entgehen, könnten Linares und Jiménez beantragen, dass ihr Fall bei der Sonderjustiz für den Frieden (JEP) behandelt wird, womit sie mildere Strafen erhalten würden und nicht ins Gefängnis kommen. Dann müssten sie sich aber verpflichten, die volle Wahrheit zu sagen und dazu beizutragen, die Opfer zu entschädigen, andernfalls würde der Fall an die Strafjustiz zurückgehen.

Sollten sie sich dafür entscheiden, wären sie die ersten Topmanager vor der JEP.

Leicht gekürzte Fassung

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr