Ungewollte Jugendschwangerschaften in Lateinamerika: eine Statistik

Frühe Geburtenrate bei Jugendlichen in Lateinamerika weiterhin hoch. Senkung in einigen Ländern durch öffentliche Maßnahmen

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UNFPA-Bericht zu ungewollten Schwangerschaften
UNFPA veröffentlicht aktuellen Bericht zu Jugendmutterschaft

Panama-Stadt. Jede Minute werden in Lateinamerika und der Karibik vier Mädchen Mutter. Jährlich werden in der Region mehr als 1,6 Millionen Geburten von Mädchen und jungen Frauen im Alter zwischen zehn und 19 Jahren registriert, viele davon nach ungewollten oder erzwungenen Schwangerschaften. Neue Daten, politische Initiativen und ein aktueller Bericht des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) rücken das Thema erneut in den Mittelpunkt der öffentlichen Debatte.

Im Bericht "Der Preis der Ungleichheit" (El precio de la desigualdad) betont die Organisation, dass frühe Mutterschaft langfristige Auswirkungen auf Bildung, Einkommen und gesellschaftliche Teilhabe der Betroffenen hat. Frauen, die vor dem 20. Lebensjahr Eltern werden, haben demnach dreimal geringere Chancen, ein Hochschulstudium zu absolvieren, und verdienen im Laufe ihres Erwerbslebens durchschnittlich bis zu dreimal weniger als Frauen, die später Kinder bekommen.

Besonders betroffen sind laut dem Bericht Jugendliche aus armen, ländlichen oder indigenen Kontexten sowie afrolateinamerikanische Mädchen. Letztere haben ein um 50 Prozent erhöhtes Risiko, im Jugendalter Mutter zu werden, verglichen mit anderen Gleichaltrigen. Der UNFPA verweist auf ethnische Zugehörigkeit, geografische Lage und sozioökonomischen Status als zentrale Risikofaktoren.

Als Ursachen nennt die Organisation unter anderem unzureichende Sexualaufklärung, begrenzten Zugang zu Verhütungsmitteln, geschlechtsspezifische Gewalt sowie Hürden beim Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen. Diese Faktoren führen dazu, dass viele Mädchen und junge Frauen nicht selbstbestimmt über ihre reproduktive Zukunft entscheiden können und in ihren Rechten verletzt werden.

In Kolumbien hat sich die Fruchtbarkeitsrate bei Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren in den letzten zehn Jahren mehr als halbiert. Im Jahr 2015 lag sie bei 66,1 Lebendgeburten pro 1.000 Jugendlichen, bis 2024 sank sie auf 32,3 pro 1.000.

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Mehrere Länder in der Region haben in den letzten Jahren Maßnahmen zur Prävention ungewollter Schwangerschaften ergriffen. In Mexiko konnte die Geburtenrate unter Jugendlichen innerhalb eines Jahrzehnts deutlich gesenkt werden, durch eine koordinierte Strategie, die Aufklärung, medizinische Versorgung und institutionelle Zusammenarbeit kombiniert.

Auch Ecuador verabschiedete im vergangenen Jahr den "Pakt Ecuador Null Schwangerschaften bei Jugendlichen" mit dem Ziel, ungewollte Schwangerschaften bei jungen Frauen bis 2030 drastisch zu reduzieren. Über 70 staatliche und zivilgesellschaftliche Institutionen haben den Pakt unterzeichnet.

In Argentinien stellt eine aktuelle Aufklärungskampagne bestehende Rollenbilder infrage. "Teenagermutterschaft ist kein guter Plan", schreibt die Autorin Inés Hayes und kritisiert die Vorstellung der Mutterschaft als eine Art von Lösung für Perspektivlosigkeit.

"Während Sie diese Zeilen lesen, werden neun Mädchen und Jugendliche in Lateinamerika und der Karibik ein Kind zur Welt bringen, viele von ihnen nach einer ungewollten oder erzwungenen Schwangerschaft", schreibt UNFPA-Regionaldirektorin Susana Sottoli in einem Gastbeitrag.

Der UNFPA-Bericht endet mit einem Aufruf an politische Entscheidungsträger:innen, die sexuellen und reproduktiven Rechte junger Menschen stärker zu schützen und gezielte Maßnahmen gegen die strukturellen Ursachen früher Mutterschaft in der Region zu ergreifen.