Informationsmangel im Wirtschaftswunderland

Seriöse Berichterstattung soll nicht nur polemisieren sondern kritisch hinterfragen

Auch wenn Herrn Oehrlein's Situationsbeschreibungen in Milchmangel im Petrodollarwunderland (Josef Oehrlein, faz, 30.11.2007) teilweise und in Grundzügen der Realität entsprechen mögen, sollte seriöse Berichterstattung nicht nur polemisieren sondern kritisch hinterfragen. Um nur einige Beispiele aufzugreifen: Das Verkehrschaos in Caracas geht nicht auf die Chávezregierung zurück, sondern auf die versäumte Stadtplanung und Unterfinanzierung der vorangegangenen Jahrzehnte. Unter Chávez wird das öffentliche Verkehrsystem systematisch erweitert, wie etwa neue U-Bahnlinien (Caracas), Straßenbahnen (z.B. Merida) und ein landesweites Eisenbahnnetz - im kontinentalen Vergleich einzigartig seit dem Anbeginn der neoliberalen Revolution vor 35 Jahren. Im Falle von Lebensmittelknappheit darf man sich an den Winter 2002/03 erinnern, als die Oligarchie durch Aussperrungen Versorgungskrisen provozierte mit dem Ziel die Regierung zu stürzen. Es waren jene korrupten Eliten die Venezuela in den 90er Jahren in den globalisierten Neoliberalismus führten und dabei den nationalen Produktionssektor zur Importwirtschaft umstrukturierten. Die Abhängigkeit von den Petrodollars ist historisch erklärbar und wird versucht zu kontern. Genau deshalb ist die Umstrukturierung, d.h. Sozialisierung der Wirtschaft hin zu einer solidarischen "Volkswirtschaft" notwendig.

(Hier ist der veröffentlichte Leserbrief zu finden)

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr