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Stellungnahme zum Mord an Aldemar Parra García in Kolumbien

Mehr als 90 Organisationen aus aller Welt prangern den Mord an einem Anführer der Gemeinde El Hatillo an, die sich wegen einer Zwangsumsiedlung im Konflikt mit Bergbaukonzernen im Norden von Kolumbien befindet
Aldemar Parra, führender Vertreter der Gemeinde El Hatillo im Norden von Kolumbien wurde am 7. Januar ermordet

Aldemar Parra, führender Vertreter der Gemeinde El Hatillo im Norden von Kolumbien wurde am 7. Januar ermordet

Quelle: urgewald.org

Die unterzeichnenden Organisationen verurteilen den Mord an Aldemar Parra García und sprechen seiner Familie ihr tiefstes Beileid aus.

Der Tathergang

Am 7. Januar wurde Aldemar Parra von zwei bewaffneten Unbekannten, die auf einem Motorrad unterwegs waren, auf der Straße von El Hatillo nach La Loma am helllichten Tag ermordet. Er war ein führender Vertreter der Gemeinde, aktiver Gewerkschafter und bis vor kurzem angestellt in der Mine von Colombian Natural Resources (CNR). Parra hinterlässt seine Frau und drei Kinder.

Der regionale Kontext

Der Mord an Aldemar Parra ist kein Einzelfall. Bedauerlicherweise ist dieser Mord Teil einer ganzen Welle von Gewalt gegen die Zivilbevölkerung in Kolumbien und in der Bergbauregion Cesar. Dem Bericht "Civil society under threat" zufolge wurden zwischen 2012 und 2016 mindestens 200 zivilgesellschaftliche Akteure in Cesar Opfer von Drohungen, Angriffen und Morden. Dabei ist hervorzuheben, dass es sich bei diesen Opfern um soziale Führungspersönlichkeiten handelt, deren Aktivitäten von bestimmten Teilen der Bevölkerung in der Region Cesar als bergbaukritisch eingestuft werden. Die meisten dieser Taten werden von neo-­ ‐paramilitärischen Gruppen begangen oder tragen deren Handschrift. Diese behaupten, die Interessen der Bergbaufirmen und anderer Wirtschaftssektoren der Region zu verteidigen.

So wurde beispielsweise bereits letzten September Néstor Iván Martínez, Vertreter einer afro-­‐kolumbianischen Gemeinde ermordet, kurz nachdem er von einer neo-­‐paramilitärischen Gruppe bedroht worden war. Er hatte sich gegen die Expansion der Kohlegruben der amerikanischen Bergbaufirma Drummond eingesetzt.

Aldemar Parra war ein Mitglied der Gemeinde El Hatillo, einer ländlichen Gemeinde die seit 2010 mit drei Bergbaufirmen in einen langwierigen Zwangsumsiedlungsprozess verstrickt ist. Er war mit mehreren führenden Gemeindevertretern verwandt, die sich kritisch zu einem kürzlich von den Bergbaufirmen vorgeschlagenem Umsiedlungsplan geäußert hatten.

Seit 2014 berichtete die Gemeinde über eine steigende Zahl an sicherheits-­‐ relevanten Vorfällen wie beispielsweise Drohungen gegen Mitglieder der Gemeinde durch Flugblätter, SMS oder Telefonanrufe. Seit September 2016 berichteten Einwohner von El Hatillo, dass unbekannte, bewaffnete Männer in der Dunkelheit durch die Nachbarschaft ziehen.

Die Verurteilung des Mordes an Aldemar Parra durch die Kohleunternehmen Prodeco und Drummond ist ein erster Schritt, aber es sind weitreichendere Maßnahmen notwendig, um die Gewalt gegen die Zivilbevölkerung in Cesar effektiv einzudämmen.

Wir fordern die kolumbianische Regierung auf:

• den Mord an Aldemar Parra García nicht als Einzelfall zu betrachten, sondern ihn im Zusammenhang mit der Welle an Einschüchterungen und Gewalt gegen die Zivilbevölkerung in Cesar zu untersuchen und

• in Übereinstimmung mit dem Friedensabkommen effektiv gegen Mitglieder aller illegalen bewaffneten Gruppen, die in der Bergbauregion Cesar agieren, vorzugehen und sie strafrechtlich zu verfolgen.

Wir fordern die Bergbaufirmen auf:

• sich öffentlich von den neo-­‐paramilitärischen Gruppen zu distanzieren, die behaupten im Interesse der Firmen zu handeln und

• sich aktiv dafür einzusetzen, dass die Sicherheit derer, die sich kritisch zu den Folgen des Bergbaus in Cesar äußern, sichergestellt wird und

• nach wirksamen und gerechten Lösungen zu suchen für die von den Folgen des Bergbaus betroffene Bevölkerung in der Region. Dies vor allem im Hinblick auf die Wiedergutmachung der schweren Menschenrechtsverletzungen der jüngsten Vergangenheit, bedrohter Lebensgrundlagen sowie ungesunder und unsicherer Arbeitsbedingungen.

Montag, 23. Januar 2017

Liste der unterzeichnenden Initiativen und Organisationen:

350.org          

Internationales Netzwerk 

ABColombia

Vereinigtes Königreich

Acción Ecologica

Ecuador

African Uranium

Internationales Netzwerk

AG Bergbau und Menschenrechte in Kolumbien – Berlin

Deutschland

AGEH --‐ Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe

Deutschland

Amigos de la Tierra España

Spanien

ASK --- Arbeitsgruppe Schweiz--‐Kolumbien

Schweiz

Asociación ambiental e cultural Petón do Lobo, Galicia

Spanien

Asociación gallega Cova Crea, Galicia

Spanien

Bocas de Ceniza Waterkeeper

Kolumbien

Both ENDS

Niederlande

Buirer für Buir

Deutschland

BUND – Friends of the Earth Germany

Deutschland

BUND Sachsen

Deutschland

BürgerBegehren Klimaschut

Deutschland

CALG – Coalition against Land Grabbing

Philippinen

CENSAT agua viva – Friends of the Earth Colombia

Kolumbien

Center for Environment – Friends of the Earth BiH

Bosnien-Herzegowina

 

Christliche Initaitive Romero

Deutschland

CNV International

Niederlande

Coal Action Network

Vereinigtes Königreich

CoalSwarm

USA

Colombia Caravana UK Lawyers’ Group

Verinigtes Königreich

Colombia Solidaritet

Dänemark

Colombia Solidaritiy Campaign

Vereinigtes Königreich

ContraMINAcción, Galicia

Spanien

Cooperaacción

Peru

Dachverband der Kritischen Aktionäre

Deutschland

Earth Law Center

USA

Environmental Rights Action

Nigeria

Facing Finance

Deutschland

FIAN Deutschland

Deutschland

FNV Mondiaal

Niederlande

Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika

Deutschland

Friends of The Earth Australia

Australien

Friends of the Earth Canada

Kanada

Friends of the Earth England, Wales and Northern Ireland (EWNI)

Vereinigtes Königreich

Friends of the Earth International

Internationales Netzwerk

Friends of the Earth Japan

Japan

Friends of the Siberian Forests

Russland

FUgE Hamm

Deutschland

GegenStrömung / CounterCurrent

Deutschland

GIP-LAWS (Ghana Integrated Platform on Land, Water and Seed Struggles)

Ghana

Global 2000 – Friends of the Earth Austria

Österreich

groundwork, Friends of the Earth South Africa

Südafrika

Informationsstelle Peru

Deutschland

International Oil Working Group

Internationales Netwerk

JA! Justicia Ambiental –FOE Mozambique

Mosambik

Kohleausstieg Berlin

Deutschland

kolko – Menschenrechte für Kolumbien

Deutschland

Kolumbiengruppe Hamburg

Deutschland

Latin American Mining Monitoring Programme

Vereinigtes Königreich

Leave it in the Ground Initiative (LINGO)

Mexiko

Les Amis de la Terre

Frankreich

LIGA . Lüner Initiative gegen globale Armut

Deutschland

Lock the Gate Alliance

Australien

London Mining Network

Vereinigtes Königreich

Market Forces

Australien

MISEREOR

Deutschland

Network Movement for Justice and Development

Sierra Leone

NOAH – Friends of the Earth Denmark

Dänemark

OCMAL – Observatorio de Conflictos Mineros de América Latina

Internationales Netzwerk

PAS – Pensamiento y Acción Social

Kolumbien

PAX

Niederlande

Pax christi Solidarität Eine Welt

Deutschland

Philippinenbüro

Deutschland

PowerShift

Deutschland

Pro Natura – Friends of the Earth Switzerland

Schweiz

Progressio

Vereinigtes Königreich

Re: Common

Italien

Rettet den Regenwald

Deutschland

Robin Wood

Deutschland

Russian Social-Ecological Union – Friends of the Earth Russia

Deutschland

Salva la Selva

Spanien

Sociedade Histórica e Cultural Coluna Sanfis, Galicia

Spanien

Solidarity Sweden – Latin America

Schweden

SOMO

Niederlande

South Durban Community Environmental Alliance

Südafrika

Southern Africa Rural Women’s Assembly

Südafrika

Terre des homes – Hilfe für Kinder in Not

Deutschland

The Gaia Foundation

Vereinigtes Königreich

The People’s Dialogue

Internationales Netzwerk

This Changes Everything

Vereinigtes Königreich

TNI – Transnational Institute

Niederlande

Umweltgewerkschaft Düsseldorf

Deutschland

Urgewald

Deutschland

Verdegaia, Galicia

Spanien

Waterkeeper Alliance

Internationales Netzwerk

WEED e.V. – World Economy, Ecology & Development

Deutschland

WoMin African Gender and Extractives Alliance

Südafrika

Yasunidos Ecuador

Ecuador

Yasunidos Germany

Deutschland

YLNM – Yes to life, No to Mining

Internationales Netzwerk

Zelena Istra – Green Istria

Kroatien

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