Brasilien / Politik

Lula da Silva: "Das Wort 'aufgeben' existiert in meinem Wortschatz nicht"

Rede von Luiz Inácio Lula da Silva, 10. März 2021, im Gewerkschaftssitz der Metallarbeiter in São Bernardo do Campo, São Paulo

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Lula da Silva bei seiner Rede  am 10. März im Gewerkschaftssitz
Lula da Silva bei seiner Rede am 10. März im Gewerkschaftssitz

Am 10. März 2021 hielt Luiz Inácio Lula da Silva, Ex-Präsident Brasiliens, eine historische Rede, die sein politisches Comeback einleitet. Sein Auftritt im Gewerkschaftssitz der Metallarbeiter in São Bernardo do Campo, São Paulo, fand statt zwei Tage nachdem der Oberste Gerichtshof durch die Entscheidung des Richters Luiz Edson Fachins, sämtliche Urteile des Lava Jatos gegen ihn aufgehoben und Lula seine politischen Rechte wiedererhalten hatte. Lula da Silva sprach in der einberufenen Pressekonferenz vor eingeladenen Gewerkschaftern, Parteivertretern, Vertretern der sozialen Bewegungen zunächst über seine Verurteilung, den Gefängnisaufenthalt, den Verlust seiner Frau, deren Tod als Folge der Verfolgung durch den Lava Jato, und seines Bruders. Im Anschluss nahm er Bezug auf seine Rolle als Staatsmann, die politischen Erfolge im internationalen Rahmen, im Friedensprozess und Brasiliens wirtschaftlichen Aufstieg ermöglichten. Lula nutzte den Auftritt zum Plädoyer für mehr Demokratie, in der die Konflikte politischer Gegner unterschiedlicher Interessen ohne Hass und Feindschaft ausgetragen werden. Sein Entwurf der Zukunft Brasiliens setzt auf demokratische Prinzipien wie Presse- und Meinungsfreiheit und das Primat der zivilen Befehlsgewalt über das Militär. Lula verkündete ein sozialdemokratisches Projekt für Politik und Wirtschaft, das die Bevölkerung als Protagonisten begreift.

Redaktion Brasil de Fato


Ich hoffe, alle hier tragen eine Maske und passen gut auf, und ich hoffe, Ihr lasst Euch alle bald impfen. Dann möchte ich von einem Arzt hier wissen, ob ich meine Maske zum Sprechen abnehmen kann. Wir halten zwei Meter Abstand und Ihr seid alle getestet, also würde ich gern die Maske abnehmen, um besser mit Euch reden zu können.

Es sind drei Jahre her, dass ich von hier, dem Gewerkschaftssitz [der Metallarbeiter São Bernardo], aufbrach und mich der Bundespolizei stellte. Klar, machte ich das gegen meinen Willen, denn schließlich nahmen sie einen Unschuldigen fest. Viele, die hier waren, wollten nicht, dass ich mich ausliefere.

Ich entschied mich dafür, weil es sich für einen Mann meines Alters, einen, der zusammen mit Euch Geschichte geschrieben hat, nicht schickt auf dem Titelblatt der Zeitungen und im TV, als jemand zu erscheinen, der auf der Flucht ist.

Die über mich verbreiteten Unwahrheiten klar vor Augen beschloss ich, meine Unschuld aus dem Gefängnis der Bundespolizei heraus, das in Nachbarschaft zu Richter [Sergio] Moro liegt, zu beweisen.

Bevor ich ins Gefängnis ging, hatten wir ein Buch verfasst. Der Titel stammt von mir: "Die Wahrheit wird siegen". Ich hegte großes Vertrauen, mir war bewusst, was in Brasilien vorging und war sicher, dass dieser Tag kommen würde. Und er ist gekommen.

Politisch gesehen bin ich ein Kind der Gewerkschaft. 1969 wurde ich Delegierter der Gewerkschaft, ich arbeitete damals für Villares. 1972 wurde ich Erster Gewerkschaftssekretär und kümmerte mich um Fragen der Sozialversicherung. Im Grunde kümmerte ich mich hier um die Älteren der Belegschaft. 1975 wurde ich dann Gewerkschaftspräsident. 1978 organisierten wir hier die ersten Streiks von Osasco und Contagem, nach den Streiks 1968. Den Rest der Geschichte kennt Ihr, die Gründung vieler sozialer Initiativen, Bewegungen, ich war daran fast immer beteiligt.

Besonders wichtig war der Moment als mir bewusst wurde, dass es über die Gewerkschaft allein nicht gelingen würde die Probleme des Landes zu lösen. Ich konnte höchstens einen Sieg in der Fabrik erringen, doch das waren rein ökonomische Kämpfe. Heute gewinnst du einen und morgen macht ihn die Inflation dahin. Und wenn du glaubst gewonnen zu haben, dann schließt kurz danach die Fabrik, so wie Ford hier jetzt gerade dicht machte, ohne irgendjemandem etwas zu bezahlen.

Also traf ich die Entscheidung in die Politik zu gehen und für die Bildung eines politischen Bewusstseins zu sorgen. Mein politisches Bewusstsein entwickelte sich parallel zu dem der brasilianischen Arbeiterklasse. Das ist der Grund, warum ich Euch heute hierher eingeladen habe.

Alle die heute hier sind, waren auch da als ich zur Bundespolizei aufbrach, sie glaubten an meine Unschuld und glauben weiter daran. Wer heute hier fehlt sind ein Vertreter oder Vertreterin der Wache in Curitiba [Protestcamp vor dem Sitz der Bundespolizei]. Sie gehört zum außergewöhnlichsten, was ich in meinem Leben erlebt habe.

Als ich die Pressekonferenz plante, waren viele um meinen Humor besorgt. "Wie wird Lula drauf sein? Wütend? Wird er jemanden beschimpfen? Wird er Hoffnung verbreiten?"

Manchmal fühlte ich mich in die Geschichte eines Sklaven versetzt, die ich in einem Buch las. Der Sklave war zu 100 Peitschenhieben verurteilt. Nach dem 98. Hieb sagte der Aufseher zu ihm: "Ich höre mit den Peitschenhieben auf, wenn Du deinem Herrn dankst. Wenn du ihm dankst, erlasse ich dir zwei Hiebe". Der Sklave antwortete: "Wofür soll ich da danken. Ich bin schon völlig zerschunden. Warum aufhören? Gib mir die beiden anderen Hiebe."

Nun, wenn es einen Bürger gibt, der allen Grund hat über die Schläge erbittert zu sein, dann bin ich es. Ich bin es aber nicht. Die Leute glauben nach dem Schläge austeilen genüge es ein bisschen Salz und Pfeffer zu streuen und die Person erhole sich im Lauf der Zeit. Die Narben, die bleiben, sind ohne Belang.

Ich weiß, dass ich Opfer der größten juristischen Lüge wurde, die in 500 Jahren Geschichte erzählt wurde. Und dass der große Druck der Auslöser für den Tod meiner Frau Marisa war, die einen Hirnschlag erlitt.

Mir wurde sogar verboten, meinem verstorbenen Bruder am Sarg die letzte Ehre zu erweisen. Sie entschieden, ich sollte nach São Paulo in die Kaserne des 2. Regiments in Ibirapuera kommen und der Sarg meines Bruders würde dorthin gebracht. Außerdem waren Fotos verboten.

Also, wenn es einen Brasilianer gibt, der Grund für eine große und tiefe Bitterkeit hat, bin ich es. Aber ich empfinde keine. Ich bin nicht verbittert, weil das Leid der brasilianischen Bevölkerung, der Armen dieses Landes unendlich größer ist als irgendein Verbrechen, das mir widerfuhr. Das Leid ist größer als jeder Schmerz, den ich im Gefängnis der Bundespolizei fühlte.

Denn es gibt keinen größeren Schmerz als der eines Mannes oder einer Frau in irgendeinem Land der Welt, der oder die morgens keinen Kaffee, kein Stück Butterbrot zu essen hat. Es gibt keinen größeren Schmerz als für dein Kind keinen Teller Bohnen mit Maniokmehl zu Mittag zu haben. Es gibt nichts Schlimmeres als einen Bürger, der arbeitslos ist und am Ende des Monats keinen Lohn hat um seine Familie zu ernähren. Dieser Schmerz, den die brasilianische Gesellschaft jetzt durchlebt, veranlasst mich zu sagen: Mein Schmerz ist nichts im Vergleich zu dem, den Millionen und Millionen erleiden.

Mein Schmerz ist auch viel geringer als der Schmerz, den 270.000 Menschen empfinden, die ihre Lieben verloren, die ihre Eltern, Großeltern, ihre Mutter, Frau, ihren Mann, ihr Kind, ihre Enkel verloren haben und nicht einmal Abschied nehmen konnten.

Es gibt noch viel mehr Menschen, die leiden. Deshalb möchte ich in dieser Pressekonferenz meine Solidarität mit den Opfern des Coronavirus ausdrücken, den Familien, vor allem auch den Mitarbeitern des Gesundheitswesens, dem privaten und dem öffentlichen.

Doch an erster Stelle stehen die Helden und Heldinnen des [öffentlichen Gesundheitssystems] SUS, die über einen langen Zeitraum politisch diskreditiert wurden. Sie wurden in der Ausübung ihres Berufs diskreditiert. Weil immer nur auf die Schwachpunkte der SUS gezeigt wurde und jetzt in der Coronakrise hätten wir ohne das SUS noch viel mehr Menschen verloren. Obwohl die Regierung den SUS so viel Geld gekürzt hat und die Regierung, was Gesundheit betrifft, eine wahre Nicht-Regierung ist.

Ihr wisst, dass Impfen keine Frage von Geld ist. Es ist eine Frage, ob ich das Leben liebe oder den Tod. Es geht darum zu wissen, dass die Aufgabe des Präsidenten der Republik ist, sich um sein Volk zu kümmern. Weil ein Präsident nicht gewählt wird um Blödsinn zu erzählen und Fake News zu verbreiten. Er ist nicht gewählt um die Bevölkerung zu Waffenkäufen zu ermuntern, als ob wir Waffen bräuchten.

Wer Waffen braucht, ist die Armee und unsere Polizei, die oft mit veralteten Revolvern das Verbrechen bekämpfen. Es ist aber nicht die brasilianische Gesellschaft.

Die Großgrundbesitzer brauchen keine Waffen um damit Landlose zu töten oder Kleinbauern. Die Milizen brauchen keine Waffen um Terrorakte in der Peripherie dieses Landes zu verüben, um Jungen und Mädchen, vor allem schwarze Jungen und Mädchen zu töten, die die größte Opfergruppe von Waffengewalt sind.

Wir erleben einen heiklen Moment, über den ich mit Euch sprechen möchte. Vorher möchte ich weitere Danksagungen machen. Zuerst Dir, Vagner [Freitas, Präsident der CUT, Gewerkschaftsdachverband], dafür dass du den Gewerkschaftssitz, den demokratischen Gesprächsraum, zur Verfügung stellst.

Mein Dank an Alberto Fernández, den Präsidenten Argentinien, der den Mut und die Größe hatte, mich als Präsidentschaftskandidat im Gefängnis in Curitiba zu besuchen […]

Alberto Fernández war auch der Erste, der mich nach der Entscheidung Fachins [Edson Fachin, Richter am Obersten Gerichtshof, annullierte die Prozesse gegen Lula], telefonisch beglückwünschte.

Mein Dank gilt unserem lieben Papst Franziskus. Nicht nur, weil er einen Stellvertreter nach Curitiba entsandte, um mir einen Brief zu übergeben. Dieser wurde von der Bundespolizei nicht vorgelassen, da man ihn für einen Schwindler hielt. Später erhielt ich den Brief vom Papst und dann bei verschiedenen Anlässen seine schönen Stellungnahmen.

Und der Papst hatte den Mut, mich im Vatikan zu empfangen, wir hatten ein langes Gespräch nicht über meinen Fall, sondern über den Kampf gegen Ungleichheit, das größte Übel auf unserem Planeten Erde, ein Planet, der rund ist und nicht rechteckig oder quadratisch. Das weiß Bolsonaro nicht.

Deshalb ist es wichtig, es zu wiederholen: die Erde ist rund. Bolsonaro hat einen Astronauten in der Regierung. Der Wissensschafts- und Technologieminister Pontes überflog in einer russischen Rakete die Erde, als ich Präsident war. Wenn er nicht geschlafen hat, hat er gesehen, dass der Planet rund war.

Nun, er könnte seinem Präsidenten sagen: "Oh, Präsident, sag nicht mehr diesen Unsinn. Glaub nicht, was dieser Olavo de Carvalho sagt. Nimm zur Kenntnis, dass die Erde rund ist". Ich bin dankbar, weil Papst Franziskus unleugbar das wichtigste religiöse Oberhaupt ist, das wir im Moment haben.

Ich möchte den Genossen Aloizio Mercadante der Puebla-Gruppe danken, den Anführern in ganz Lateinamerika, die solidarisch waren und an meine Unschuld geglaubt haben, dem Forum São Paulo, dem Genossen Pepe Mujica, Ex-Präsident Uruguays.

Bernie Sanders, US-Senator und ausgeschiedener Bewerber bei den Vorwahlen um die Präsidentschaftskandidatur, danke ich für seine bekundete Solidarität […] der Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, die mir den Ehrenbürgerpreis der Stadt verlieh […] sowie den Genossen [José Luis Rodríguez] Zapatero, Evo Morales, der Ordensschwester Coen, unseren geliebten Martinho da Vila und Chico Buarque de Holanda, Noam Chomsky, einem der größten lebenden Intellektuellen […] und meinem Freund, Raduan Nassar […], meinem Biografen Fernando Morais […] sowie Martin Schulz, dem deutschen Sozialdemokraten, Roberto Gualtieri [spanische Partei Podemos] und dem Ex-Premier Italiens [Massimo] D’Alema.

Von ganzem Herzen möchte ich den Menschen der Wache in Curitiba [Protestcamp vor dem Sitz der Bundespolizei] danken, die mich 580 Tage begleiteten und morgens, mittags und abends "Präsident Lula" riefen Und das jeden Tag. Das Gefängnis bedeute für mich also nicht das Leiden, das ich erwartet hatte, denn ich weiß nicht, wie viele Gefangene in der Geschichte der Menschheit so viele Leute um sich hatten. […]

Ich danke der Gewerkschaftsbewegung, der Landlosenbewegung, den Genossen der MAB [Bewegung der Betroffenen von Staudammprojekten], den Genossen der linken Parteien.

Bevor ich meinen Anwälten danke und den anderen Anwälten, die nicht direkt an meinem Prozess beteiligt waren, aber mit ihrer Solidarität viel in diesem Land bewegt haben, möchte ich einem Menschen namens Claudio Wagner danken, den ich persönlich nicht kenne. Er ist der Sachverständige der Bundespolizei, der die gehackten Dokumente auf ihre Echtheit überprüft.

Es ist schon sehr merkwürdig, dass im Lauf von fünf Jahren große Teile der Presse Moros Glaubwürdigkeit nicht hinterfragten. Sie fragten nicht, wie es die Staatsanwälte, die Bundespolizei mit der Wahrheit halten, obwohl diese all diese Lügen über mich verbreiteten.

Nun haben wir den Ermittler, der die Dokumente der Bundespolizei überprüft. Denn es ist keine Angelegenheit der PT, sondern der Bundespolizei, die vom Oberste Gerichtshof autorisiert und beauftragt wurde.

Sehr merkwürdig finde ich auch, dass Moro sagt "Ich erkenne den Wahrheitsgehalt nicht an", ebenso wie die Staatsanwälte […], obwohl das Sachgutachten vorliegt und der Oberste Gerichtshof die Veröffentlichung und Verbreitung der Dokumente genehmigt hat.

In meinem Fall haben sie merkwürdigerweise niemals eine Genehmigung eingeholt. Wenn ich eine Untersuchung forderte, befasste sich der Kommissar nicht mit der Nachfrage, sondern mit dem Durchstechen an die Presse und was durchgestochen und verbreitet wurde, war selektiv.

Für die Verbreitung durchgestochener Nachrichten gab es bestimmte Journalisten bei der Folha de Sao Paulo, dem Estadão, der Época, Veja, des IstoÉ und bei verschiedenen TV-Kanälen. Alle erinnern sich daran.

In unzähligen Berichten der wichtigsten TV-Nachrichtensendung tauchen Bilder einer Öl- oder Gasförderanlage auf, die Geldschein ausspuckt, während die Staatsanwaltschaft zwanzig oder dreißig Minuten lang ohne jegliche Beweise Anklagen verbreitet.

Wenn es gegen Lula ging, brauchte man keine Beweise. Es ging darum ihn zu zerstören. Schlussendlich hatte ein Metallarbeiter, ein fingeramputierter Dreher, schon zu viel im Land getan. Es galt zu verhindern, dass dieser Bürger erwog, das Land noch einmal zu regieren.

Lateinamerika betrieb im Lauf von 500 Jahren nie eine Politik sozialer Inklusion. Inklusion galt lediglich für 35 Prozent der Gesellschaft. Theater-, Kino-, Park-, Ausstellungs-, Restaurantbesuche, sie waren einem kleinen Teil der Bevölkerung vorbehalten […] Schließlich war der Arbeiter zum Arbeiten da und die Armen sollten geduldig warten bis Regierungshilfsprogramme kamen, wenn sie denn kamen.

Ich bin Richter Fachin dankbar, dass er vorgestern etwas einlöste, das wir seit fünf Jahren, seit 2016, einfordern. Wir waren es leid zu sagen: Die Geschäfte der Petrobras mit dem Leben Lulas zu verstricken, ihn damit zu kriminalisieren, das war das Motiv der kriminellen Bande der Sonderermittler der Lava Jato und dem Richter Moro, aber nicht der Bundesstaatsanwaltschaft. Sie begriffen, dass die einzige Möglichkeit, an mich ranzukommen war, mich irgendwie mit der Lava Jato in Verbindung zu bringen, weil ich in anderen Prozessen bereits freigesprochen worden war. Sie waren wie besessen, weil sie eine politische Partei gründen wollten und deshalb versuchten sie, mich zu kriminalisieren.

Ich war glücklich nach den ganzen Lügen, die über mich verbreitet wurden, denn gestern [Dienstag, 9. März 2021] wohnten wir einer geradezu epischen Ausgabe der TV-Nachrichtensendung bei.Es war kaum zu glauben, was man da sah. Zum ersten Mal war die Wahrheit das ausschlaggebende Moment der Berichterstattung.

Die Wahrheit wurde nicht von der PT verkündet, sondern vom Präsidenten des Ausschusses des Obersten Gerichts, Gilmar Mendes, vom Richter Ricardo Lewandowski und auch von der Richterin Carmen Lucia, die sagte, Vergleichbares hätte sie noch nie gesehen.

Ich mit meinem nicht geringen Erfahrungsschatz war froh, die Wahrheit öffentlich ausgesprochen zu hören, denn dafür sind die Medien eigentlich da. Journalisten sind nicht dazu da, rausgeschickt zu werden um die Befehle der Herausgeber zu erfüllen.

Ihr glaubt nicht, aber hier im Saal gibt es niemanden, der sich nur 10 Prozent von dem mit der Presse auseinandersetzen musste, wie ich. Seit 1975 habe ich damit zu tun und zwar reichlich. Ich habe immer gesagt, dass Journalisten verpflichtet sind die Wahrheit, die nackte, rohe Wahrheit zu sagen. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie sich gegen die PT [Arbeiterpartei], PCdoB [Kommunistische Partei Brasiliens], PSOL [Partei für Sozialismus und Freiheit], PMDB [ Partei für Demokratische Bewegung Brasiliens] oder gegen jedwede andere Partei richtet. Die nackte Wahrheit ist entscheidend, dafür brauchen wir eine freie Presse. Politische Kommentare, Ideologien gehören auf die Meinungsseite.

Dennoch bin ich froh, weil ich hoffe, dass die Wahrheit, die TV Globo gestern präsentierte, zum neuen Vorbild des Umgangs mit der Wahrheit wird.

Globo muss einen Präsidenten nicht mögen oder mögen, eine Partei nicht mögen oder mögen. Die Entscheidung trifft man bei Wahlen. Aber wenn es um Nachrichten geht, dann gilt es lediglich die Wahrheit zu sagen.

Gestern war ich froh, weil zwei Richter des Obersten Gerichtshofs im TV die ganze Wahrheit verkündeten. Ich hoffe, dass es so weitergeht. Denn vorher traten die Richter Gilmar [Mendes] und Lewandowski nicht in Erscheinung. Die Anklagevertreter traten eine halbe Stunde auf und manchmal hatten Gilmar und Lewandowski 30 Sekunden um der Anklage zu widersprechen.

Von meinen Anwälten ganz zu schweigen, denn die Anstrengungen, die es kostete damit meine Anwälte 30 Sekunden Sendezeit bekamen, waren enorm. Trotzdem halte ich die Freiheit der Presse für das größte Gut, um die Demokratie zu erhalten. Das gilt für alle Länder dieser Erde.

Nun, meine Genossen, möchte ich meinen Anwälten danken. Sie waren nicht auf Kriminaldelikte spezialisiert […], aber ich dachte: zur Verteidigung der Wahrheit brauche ich keine Spezialisierung in dieser Richtung […].

Lieber Cristiano Zanin und liebe Valeska Teixeira, ich möchte Euch und Eurer Kanzlei herzlich danken! Denn, was sich am Montag ereignet hat, beruht einzig auf Eurem Mut.

Erinnert ihr Euch, ich sagte, ich würde meine Würde nicht für den Preis der Freiheit eintauschen, ich sei schließlich keine Taube, der man so einen Fußring verpasst. Ich weigerte mich eine elektronische Fußfessel anzulegen, weil mein Zuhause kein Gefängnis ist. Viele meinten, ich übertreibe, aber ich sagte nur, was ich empfand. Ich war mir sicher, dass dieser heutige Tag kommen würde.

Dieser Tag ist mit dem Urteil Fachins gekommen - anzuerkennen, dass ich niemals ein Verbrechen begangen habe, es keine Verwicklung mit Petrobras gibt- Damit ist das Leiden beendet.

Ich bin ganz gelassen. Geht der Prozess weiter? Ja. Aber, es ist alles in Ordnung, denn in allen anderen Prozessen außerhalb des Lava Jato wurde ich freigesprochen. Wir streiten dennoch weiter dafür, dass Moro für befangen erklärt wird. Denn als größter Lügner in der Geschichte Brasiliens hat er kein Anrecht darauf die Heldenrolle einzunehmen. Ein Gott, der auf tönernen Füßen steht, hält sich nicht lange.

Ich bin mir sicher, dass er heute mehr leidet als ich gelitten habe. Und das gilt auch für den Staatsanwalt [Deltan] Dallagnol. Sie wissen um ihre Vergehen und ich habe keines begangen.

Also, der Dank gilt meinen Anwälten und allen Anwälten in Brasilien, die Solidarität bewiesen. Es waren sehr viele, und es gab weltweit Unterschriftensammlungen, allen danke ich.

Ein sehr wichtiger Anwalt, einer der größten Verteidiger des Kriminalrechts sagte mir, als die Nachricht über die Triplex [Lula war angeblich Besitzer eines Penthouse] rauskam: "Ach, Lula, hör zu, mach dir keine Sorgen, die Triplexgeschichte läuft nicht, damit kommen sie nicht weit".

Sie erfanden ein Offshore-Konto in Panama, erfanden ein Offshore-Geschäft um zu sagen, dass dieses Geschäft mit der OAS [Organisation Amerikanischer Staaten] und mit der Petrobras in Verbindung stand, denn das brauchten sie um mich verurteilen zu können.

Die Triplex-Wohnung, die juristisch keinen Anlass bot, für deren Besitz sie kein Dokument, keinen Cent als Beweis vorlegten, war der Grund, mich zu neun Jahren Gefängnis zu verurteilen. Dazu eine Geldstrafe, deren Höhe den Besitzwert der Wohnung fünfzig Mal übersteigt.

Heute ist Guilherme Boulos [Präsidentschaftskandidat der PSOL 2018] das neue Triplex-Opfer, er wurde angezeigt, weil er das leerstehende Apartment besetzt hat. Eins ist merkwürdig, wenn ich der Besitzer war, warum habe ich nicht gegen Boulos prozessiert? Ich würde gern wissen, wer gegen den Jungen, der die Wohnung besetzt hat, die laut ihnen mir gehörte, prozessiert. Ich habe jedenfalls nicht prozessiert, aber offenbar jemand anders.

Nun Boulos, du sollst wissen, dass du meine ganze Solidarität hast. Wenn es zu deiner Verteidigung notwendig wird, werden wir es besetzen.

Meine guten Wünsche richten sich an meine liebe Gleisi Hoffmann, nicht nur für ihre glänzende Rolle als Parteivorsitzenden in der Verteidigung der PT, sondern auch meiner.

Was ich niemandem wünsche, ist mit dem Foto konfrontiert zu sein, das dich in der Zeitung als vermeintlichen Verbrecher zeigt. Wirklich schwer zu ertragen ist, dass Menschen, die du für deine Freunde hieltst, plötzlich abtauchen. Es vergehen Wochen und Monate und du hörst nichts von ihnen.

Personen, die 24 Stunden hinter dir herliefen, tauchen plötzlich ab. Diese schlimme Erfahrung wünsche ich niemandem. Ich hielt während meiner Amtszeit insgesamt drei Reden bei der Amtseinführung des Generalstaatsanwalts. Bei Paulo Okamoto, sagte ich: Die Bundesstaatsanwaltschaft erachte ich für eine sehr wichtige Institution. Deshalb sollte der Staatsanwalt eine sehr ehrliche und zuverlässige Person sein.

Vorverurteilungen darf es nicht geben. Das ist aber passiert. Die Lava Jato schloss einen Pakt mit einem Teil der Medien. Aus Moros Theorie heraus war das notwendig. Er schrieb 1994 in einem Artikel: "Nur mithilfe der Presse gelingt es eine Person zu verurteilen."

Gleisi Hoffmann danke ich als Genossin, Anwältin, Parteipräsidentin. Dem Genossen Fernando Haddad, danke ich, er hat mich im Gefängnis als Anwalt besucht […] wie Rui Costa, mein Parteigenosse […]

Ich habe zwei neue außergewöhnliche Freunde gewonnen, zwei Anwälte, die mich über den Zeitraum von 580 Tagen jeden Tag besucht haben, einer vormittags, einer nachmittags […]

Bedanken möchte ich mich bei den Gouverneuren Rui Costa, Wellington Dias, Camilo Santama, Fátima Bezerra und allen Gouverneuren des Nordostens, die wie andere im ganzen Land um Impfstoff kämpfen.

Es ist ein titanischer Kampf gegen eine inkompetente Regierung, einen inkompetenten Gesundheitsminister und gegen Personen, die keinen Respekt vor dem Leben haben. Meine Solidarität gilt den Gouverneuren.

Ich möchte den Genossen der Gewerkschaftszentralen danken, den Genossen der hier anwesenden politischen Parteien, den sozialen Bewegungen, der CUT [Central Única dos Trabalhadores, größter der sechs gewerkschaftlichen Dachverbände Brasiliens], Força Sindical [Gewerkschaftsdachverband], CGTB [Central Geral dos Trabalhadores do Brasil, Gewerkschaftsdachverband], MST [Movimento dos Sem Terra, Landlosenbewegung], MTST [Movimento dos Trabalhadores Sem Teto, Wohnungslosenbewegung], den Genossen der UNE [União Nacional dos Estudantes, Nationaler Studentenverband], die während meiner Regierungszeit eine außerordentliche Rolle innehatte.

Ich möchte Euch von der Presse danken, denn nach allem, was ich hier gesagt habe, dürft ihr sicher sein, dass nicht einmal João Roberto Marinho [Vizepräsident des Medienkonzerns Globo] die Presse mehr schätzt als ich. Er wünscht sich auch nicht mehr Pressedemokratie als ich, ganz zu schweigen vom Präsidenten der Republik.

Euch vielen Dank, denn ich weiß, Ihr arbeitet weiter daran die Rolle der Presse im Demokratieaufbau zu verbessern.

Genossen und Genossinnen, ich habe mich dazu entschlossen heute mit Euch auch ein wenig über die Situation des Landes zu sprechen. Denn Brasilien hat es nicht verdient das mitzumachen, was es gerade mitmacht.

Ich bin 75 Jahre alt. Im Spaß sage ich, meine Energie ist die eines 30-Jährigen und meine Unbeugsamkeit die eines 20-Jährigen. Deshalb bin ich auch noch nicht geimpft, weil die Leute nicht wissen, ob ich 30, 20 oder 75 bin. Nun, ich bin 75 und nächste Woche, so Gott will, werde ich geimpft.

Mir ist es völlig egal, aus welchem Land der Impfstoff kommt, ob ich zwei Dosen oder eine bekomme. Ich lasse mich impfen und werbe bei der brasilianischen Bevölkerung dafür, sich impfen zu lassen.

Folgt keiner der dämlichen Entscheidungen des Präsidenten oder des Gesundheitsministers. Lass Dich impfen, weil es Dich von Corona befreien kann.

Aber glaub nicht, dass Du nach der Impfung gleich in die nächste Kneipe gehen kannst, um ein Bier zu trinken, zu reden. Isolation, Maske tragen, Hände waschen ist weiterhin notwendig, in Gottes Namen!

Dieser Virus hat diese Nacht 2000 Menschen getötet. Ja, die Corona-Toten werden normalisiert, werden als etwas Natürliches betrachtet, weil wir die Meldung andauernd hören und sehen. Morgens, nachmittags, abends im TV, in der Zeitung, im Radio. Aber viele Tote hätten verhindert werden können, wenn die Regierung elementare Dinge unternommen hätte.

Ihr wisst, die Kunst zu Regieren ist nicht einfach; es ist die Kunst, Entscheidungen zu treffen. Nun, das erste, was ein Präsident, der sich und das brasilianische Volk respektiert, im März vergangenen Jahres hätte machen müssen, wäre ein Krisenkomitee zu gründen:

Unter Einbeziehung des Gesundheitsministers, der Gesundheitsminister der Bundesstaaten, der Wissenschaftler von Fiocruz, des Instituts Butantan und anderer. Jede Woche hätte die brasilianische Gesellschaft über das Vorgehen orientiert werden müssen.

Es waren Prioritäten zu setzen, Geld zur Verfügung zu stellen und Impfstoffe einzukaufen aus welchem Teil der Erde auch immer. Es gab Impfstoffangebote, die nicht genutzt wurden. Pfizer bot Impfstoff an, die Weltgesundheitsorganisation, wir wollten nicht.

Weil unser Präsident herumfantasierte, dieses Chloroquin [als angebliches Heilmittel] erfand, schwadronierte, wer Angst vor Corona hat, sei ein Weichei, Corona sei eine harmlose, kleine Grippe, Corona sei etwas für Feiglinge und er, als Ex-Athlet, würde sich nicht anstecken. So verhält man sich nicht als Präsident der Republik, als Teil zivilisierten Welt.

Ein Präsident muss ein Krisenkomitee haben und jede Woche sollte ein offizieller Sprecher des Komitees die Gesellschaft orientieren. Besuche der Bundesstaaten, Städte stünden auf der Tagesordnung, es gilt, den Zustand der Krankenhäuser zu überprüfen, dort Zeltkrankenhäuser aufbauen, wo es keine Krankenhäuser gibt, Engpässe zu vermeiden und fehlenden Sauerstoff wie in Manaus. Das war die Aufgabe des Präsidenten.

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Nun, er hat keine Ahnung, was es bedeutet, Präsident zu sein. Sein Leben lang war er nichts, nicht einmal Hauptmann. Er war Leutnant und wurde befördert, weil er in Rente ging. Er ging in Rente, weil er eine Kaserne in die Luft jagen wollte, weil er Gewerkschaftsführer der Soldaten wurde, er wollte eine höhere Besoldung.

Nach seiner Pensionierung hat er nichts mehr gemacht. Er wurde Stadtverordneter und Abgeordneter. Über 32 Jahre übte er sein Mandat aus und verkaufte die Idee, er sei gar kein Politiker.

Habt ihr eine Vorstellung davon, welche Macht und Gewalt in Fanatismus stecken Durch Fake News wurde Trump gewählt. Durch Fake News wurde Bolsonaro gewählt.

Eure Väter oder Mütter haben sicher einmal gesagt: "Kind, Lügen verbreiten sich mit der Geschwindigkeit eines Überschallflugzeugs, die Wahrheit bewegt sich im Tempo einer Schildkröte". Nun, Lügen haben größere Wirkung, weil es einfacher ist, sie zu glauben. Die Wahrheit muss man erklären, die Lüge nicht.

Dieser Tage erfuhr ich, dass 50 Millionen Menschen der Welt glauben, die Erde sei flach. Anders gesagt, habt ihr den Irrsinn mitbekommen, der dieses Land ergriffen hat?

Viele Tote hätten verhindert werden können, wirklich viele. Und, die Aufgabe der Kirchen ist dabei zu helfen, den Menschen eine Orientierung zu geben und nicht Bohnen zu verkaufen oder Massenkultsitzungen ohne Masken abzuhalten und sie als Heilmittel zu verkaufen.

Ich glaube, dass Jesus die Menschen retten kann, aber die Menschen müssen mithelfen. Ignorantes Verhalten, keine Maske tragen, keine Isolation, kein Händewaschen, da wird Gott sagen: "Halt, mein Sohn, ich muss mich um viele Menschen kümmern, pass auf dich auf".

Nun, das Land befindet sich in dem Zustand völliger Unordnung und Auflösung, weil es keine Regierung hat. Ich wiederhole: dieses Land hat keine Regierung.

Es wird sich nicht um die gekümmert, nicht um die Arbeitsplätze, die Löhne, die Gesundheit, nicht um die Umwelt, die Erziehung, nicht um die Jugend und nicht um die Kinder und Jugendlichen an der Peripherie. Bleibt die Frage, worum kümmern sie sich eigentlich?

Wie viele Jahre haben Sie, liebe Gewerkschaftskollegen, die Worte Investition, Entwicklung, Schaffung von Arbeitsplätzen und Einkommensverteilung nicht mehr gehört? Es ist lange her!

Ich weiß nicht, ob die CUT das Dokument bereits veröffentlicht hat, ob es schon Treffen mit der Gewerkschaftsbewegung gegeben hat, ich warte nämlich schon lange darauf und endlich hat die Studie der Dieese [gewerkschaftsnahes Institut für Arbeitsmarktforschung ] zu der Lava Jato Zahlen erhoben und veröffentlicht. Erinnern Sie sich, als die Staatsanwaltschaft die Medien benutzte, um als ihren Erfolg zu verkaufen, dass das Land vier Milliarden Reais der veruntreuten Gelder der Petrobras zurückgewann? […]

Sie wissen, welchen Schaden Lava Jato verursacht hat. Man hätte die Korruption untersuchen können, Firmeneigentümer oder Politiker, die Geld gestohlen haben verhaften, aber die Firmen am Leben lassen können.

Denn, nur damit Sie eine Vorstellung haben, wegen der Lava Jato-Operation hat Brasilien keine Investitionen mehr getätigt, die Summe beträgt 172 Milliarden Reais. Laut der Dieese-Studie hat das Land vier Millionen Jobs verloren. Ich hier spreche nicht einmal von den 14 Millionen Arbeitslosen. Ich sage, dass allein vier Millionen und 400 Tausend Arbeitsplätze auf Kosten der Lava Jato gehen, die ansonsten in der Kette der Beschaffung von Arbeitsplätzen entstanden wären. Sie wurden zerstört.

Allein in der Bauindustrie waren es 1,1 Millionen Arbeitsplätze. Wenn Sie die Produktionskette von Öl und Gas, die Schiffsindustrie, die Metallindustrie hinzunehmen, sehen Sie, dass es sich um viele Millionen Arbeitsplätze handelt …

Davon wurde nie geredet. Kein Institut hat jemals den Mut gehabt, den Schaden, den das Land genommen hat, öffentlich zu machen. Dieses Land stieg unter der Regierung der PT zur sechstgrößten Volkswirtschaft der Welt auf.

Ich erinnere mich, als ich in Kopenhagen im Zuge der Bewerbung um die Olympiade mit Frankreich und England gescherzt habe: "Macht Euch bereit, denn wir haben Euch schon überholt. Jetzt will ich Deutschland überholen". Seien Sie bereit, Brasilien wurde nicht geboren, um klein, sondern um groß zu sein.

Und deshalb gibt es Regierungen, die groß denken. Denn, wer klein denkt, ist klein. Dieses Land wurde zur sechstgrößten Volkswirtschaft der Welt. In allen Umfragen zählte es zu den am meisten bewunderten Ländern der Welt. Es war das Land mit den glücklichsten Menschen und die Bevölkerung glaubte an die Zukunft.

Es war ein Land, das in China, Russland, Indien, Deutschland, Frankreich, England, den Vereinigten Staaten hoch im Kurs stand. Dieses Land hatte ein Projekt als Nation. Und was hat das Land heute?

Aus meinem Mund haben Sie das Wort Privatisierung noch nie gehört. Wer denkt schon, dass Privatwirtschaft allein gut ist?

Nehmen Sie öffentliche Unternehmen, die Banco do Brasil oder Petrobras, als sie gut geführt wurden, wie das unter unserer Regierung geschah. Die Petrobras wurde zum viertgrößten Energieunternehmen der Welt.

Petrobras investierte 40 Milliarden Reais pro Jahr. Wir haben Pre-Sal [in der Pre-Salt Formation liegende Ölfelder] nicht entdeckt, um Rohöl zu exportieren, sondern um Derivate zu exportieren, um eine starke petrochemische Industrie in Brasilien zu haben.

Aus diesem Grund, haben wir den Satz geprägt: "Pre-Sal ist die Eintrittskarte für die Zukunft", 50 Prozent der Royalties haben wir in die Bildung gesteckt. Unser Plan war, einen Fonds für das brasilianische Volk zu gründen. All das wird zerstört.

Sie haben den Ausverkauf Brasilien betrieben. Wir wissen nicht, an wen. Ein Unternehmen, das 2019 70 Milliarden Reais einnahm, wurde für 3,9 Milliarden verkauft.

Haben Sie Guedes jemals von Wirtschaftswachstum, Entwicklung und Einkommensverteilung reden hören? Nein, es geht um den Ausverkauf. Man hört nur, lass uns verkaufen! Wenn sie den Ausverkauf weiter betreiben, wird das Land zunehmend ärmer.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird nicht wachsen und die Schulden werden weiter steigen. Denn der einzige Weg, Brasiliens Schulden zu reduzieren, ist nicht notwendige Ausgaben einzustellen. Denn für die Investitionen in Bildung und Gesundheit in Transport und Infrastruktur muss man Geld in die Hand nehmen.

Was unsere Schulden im Verhältnis zum BIP sinken lässt, sind Wirtschaftswachstum und öffentliche Investitionen. Was ist die Logik öffentlicher Investitionen? Wenn der Staat seiner Politik nicht traut und nicht investiert, warum sollte dann Unternehmer investieren?

Ich werde Ihnen Fakten auftischen, die Sie vielleicht nicht kennen. Der Ort hier, die Gewerkschaft spielt dabei eine Rolle.

Als dieses Land 2008 einen Metallarbeiter als Präsidenten der Republik hatte, verkaufte die Autoindustrie dieses Landes vier Millionen Autos pro Jahr. Dreizehn Jahre später werden in diesem Land zwei Millionen Autos verkauft. Das heißt, die Automobilindustrie macht heute nur noch die Hälfte von dem von 2008 aus. Denn ohne Nachfrage gibt es auch keine Möglichkeit zu investieren. Um Nachfrage zu haben, müssen Sie Arbeitsplätze schaffen.

Warum, glauben Sie, kämpft die PT für eine Nothilfe von 600 Reais? Es ist keineswegs so, dass wir denken, der Staat solle lebenslang 600 Reais zahlen. Der Staat kann die Zahlung nur einstellen, wenn er Arbeitsplätze schafft und die Menschen ihr Einkommen haben. Dann gibt es keine Notwendigkeit mehr Nothilfe zu zahlen.

Solange die Regierung sich nicht um Beschäftigung, um Löhne und Einkommen kümmert, muss man eine Nothilfe haben, damit die Leute nicht verhungern. Sie müssen nicht Marx lesen, um das zu verstehen. Sie brauchen keinen Artikel Delfim Netos, um das zu verstehen. Es ist die Logik, die jeder zu Hause, jeder Haushalt erlebt […]

Um ein Land zu regieren... muss der Präsident der Republik mit Gewerkschaftlern reden. Es ist ein Unding, dass ein Präsident nicht mit der Arbeiterschaft spricht. Er muss auch mit den Unternehmern sprechen […] Es scheint, dass Bolsonaro keine produktiven Gespräche mit Unternehmern hat.

Ich hatte einen Rat mit 100 Leuten. Die Führer der Gewerkschaften, die großen Unternehmer, Indigene, evangelische Kirchenpfarrer, Priester, Bischöfe, Schwarze nahmen daran teil. Ich wollte der Gesellschaft zuhören. Wir haben während meiner Amtszeit 74 nationale Konferenzen abgehalten, um zu hören, was die Gesellschaft will.

Bolsonaro bringt niemanden zusammen. Er bringt nur die Milizen zusammen. In Interviews hält er sich bedeckt, wenn er den Regierungspalast verlässt, bleibt er stehen und sagt: "Ich gebe Waffen frei, ich gebe zusätzlich vier weitere Pistolen frei, zwei weitere Gewehre, bald werden alle Kanonen besitzen."

Die Menschen brauchen keine Waffen, sie brauchen Arbeit, Arbeitsverträge mit Lohnsteuerkarte, Gehälter, Bücher, Bildung. Der Staat muss in der Peripherie des Landes präsent sein. Der Staat muss für Bildung, Kultur, Gesundheit, Sozialdienste aufkommen. Für die Erfüllung dieser Aufgaben ist der Präsident der Republik zuständig […]

Brasilien ist nicht Bolsonaros Eigentum und nicht der Milizen. Brasilien gehört der Bevölkerung, 230 Millionen Menschen. Und diese Menschen wollen arbeiten, wollen essen, sie wollen leben und ihre Freizeit haben.

Sie haben keine Ahnung, wie glücklich ich war, als ich einen Arbeiter traf, der auf eine Picanha [Rinderbraten] zeigte und sagte: "Ich werde Picanha essen und ein Bier trinken. Das ist fantastisch."

Sie ahnen meine Freude nicht, zu sehen wie Kleinproduzenten des Landes, hier vertreten durch den Genossen João Paulo von der Landlosenbewegung, anbauen und zu wissen, dass es dafür eine Preisgarantie gab und ihr Produkt nicht im Keller liegen bleibt oder in der Sonne oder im Regen verdirbt.

Wir kauften die Produkte auf, verteilten sie bei Bedarf, aber wir mussten aus Gründen der Preisregulierung, gewisse Bestände aufbauen. Wie kommt es, dass Propangas zum Kochen 105 Reais kostet? Wie kommt, dass sich Zwiebeln um 60 Prozent und Tomaten um ich weiß nicht wie viel Prozent verteuert haben? Wie kann der Strompreis Strom dermaßen steigen?

Es ist ein Unding zuzulassen, dass der brasilianische Benzinpreis sich am internationalen Preis orientiert, wenn wir kein Ölimporteur sind. Brasilien ist ein Exporteur.

Wenn wir den Rohstoff hier produzieren, wenn wir Rohöl vom Meeresgrund fördern, es hier raffinieren können... wir produzieren Treibstoff für Flugzeuge, wir produzieren Diesel und wir produzieren Treibstoff in der Qualität der Normen der Europäischen Union […]

Die Presse verliert darüber kein Wort. Wir haben unser Benzin nach sauberem europäischem Standard produziert, damit man als Fußgänger kaum Kohlendioxid einatmet. Da Benzin und Dieselöl im Allgemeinen so verschmutzt sind, haben wir unsere Raffinerien dem Weltstandard angepasst. Und heute importieren wir Benzin und Dieselöl aus den USA. Es entbehrt jeder Logik.

1953, als wir in Brasilien die Petrobras gründeten, schrieb die Zeitung O Estado de São Paulo in ihrem Leitartikel: Brasilien verfüge über kein Wissen, Brasilien bräuchte kein eigenes Öl, Brasilien solle sein Öl in den USA kaufen.

Blicken wir auf 1953 zurück: heute hat Brasilien den Rohstoff... Sie sind jung und erinnern sich vielleicht nicht mehr an die Entdeckung der Ölfelder, der Pre-Sal. Wissen Sie, was Miriam Leitão [Journalistin TV Globo] sagte? Sie sagte: "Ja, Pre-Sal wurde entdeckt, aber die Öl-Förderung ist unmöglich, weil die Technologie fehlt und der Preis für ein Barrel wird sehr teuer". Sie sagte das mit großer Überzeugung.

Heute suchen wir nicht nur in 6, 7.000 Fuß[2000 m] Tiefe nach Öl, sondern die Förderkosten für ein Barrel aus dem Boden sind nur einen Dollar teurer als ein Barrel in Saudi-Arabien. Das ist fast so, als ob man das Sonnenlicht entdeckt. Verstehen Sie, was das bedeutet?

Es bedeutet in Forschung und Technologie zu investieren, das haben wir mit Petrobras gemacht. Aus diesem Grund gab es den Putsch gegen Dilma Rousseff, weil das Öl hier nicht in den Händen der Brasilianer bleiben sollte. Es sollte den Amerikanern gehören, weil sie Vorräte für den Krieg haben wollten. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben sie gelernt, dass nur derjenige den Krieg gewinnt, der über einen großen Treibstoffvorrat verfügt. Deutschland verlor den Krieg, weil es nicht bis nach Baku, Russland, kam, um Zugang zu Öl zu haben.

Die reichen Länder haben also alle große Brennstoffvorräte. Alle von ihnen. Und wir, die wir ein verdammt großes Land sind, einem Land, das über die wichtigste Technologie für Tiefsee-Ölförderung verfügt, verscherbeln das, um die Interessen des Gott-Ölmarktes zu befriedigen.

Die Wirtschaftslage ist schlecht und Corona übernimmt das Land. Die Manaus-Mutanten scheinen tödlicher zu sein. Sie sind zehn Mal ansteckender als die andere Mutation und tötet mindestens doppelt so viele Menschen, zumindest habe ich das von Wissenschaftlern gehört.

Dieses Land könnte Impfstoffe erforschen und herstellen. Als der H1N1 [Vogelgrippevirus] kam, war ich Präsident und wir haben 80 Millionen Brasilianer in drei Monaten geimpft. Dieses Land hat ein Gesundheitssystem, das Erfahrungen hat und weiß, wie man das macht […]

Ich möchte, dass Sie in sich gehen und überlegen.

Aktuell hat dies Land keine Regierung, keinen Gesundheitsminister, keinen Wirtschaftsminister. Dieses Land wird von einem Aufschneider regiert. Der Präsident ist unfähig, deshalb sagt er "es ist alles Sache von Guedes [Wirtschaftsminister] ".

Hinzu kommt, dass das Land verarmt ist. Das Bruttoinlandsprodukt ist gesunken, die Lohnsumme, der Einzelhandel sind gesunken, die Lebensmittelproduktion ist im Keller, doch der Präsident macht sich darüber keine Sorgen. Der Präsident beschäftigt sich nur mit einer Sache: "Ich muss mehr Waffen verkaufen".

Im Hinblick auf Marielle [Franco, die am 14. März 2018 ermordete schwarze Stadtverordnete Rio de Janeiros] muss das viele Male wiederholt werden. Es ist notwendig. Bolsonaro muss den Großgrundbesitzern Sicherheiten geben. Also sagt er: "Kauft Gewehre, kauft Maschinengewehre, wenn ein Landloser auftaucht, erschießt ihn".

Wie Trump zu sagen pflegte: Wenn Sie im Restaurant auf jemanden treffen, der schlecht über mich redet, schlagen Sie ihn, ich garantiere Ihnen einen Anwalt. Bolsonaro garantiert Milizen.

Zum Schluss, Genossen, möchte ich euch sagen, dass, wenn ihr mein Alter erreicht habt, wenn ihr Gottes Großzügigkeit erfahren habt, die ich erfahren habe, es keinen Platz mehr für Hass gibt, keinen Platz mehr, Zeit zu verschwenden um über Ärger oder Hass nachzudenken. Ich bin von Gott mit vielen Dinge gesegnet worden.

Wenn wir die Dinge aus soziologischer oder philosophischer Perspektive betrachten, hätten wir hier revolutionäre Erneuerungen wie die Schaffung des neuen Gewerkschaftswesens 1978 nicht auf die Beine gestellt, denn es war unmöglich, aber wir haben es geschafft.

Wir hätten es nicht geschafft die Freiheit für den Aufbau einer unabhängigen Parteiorganisation zu erringen, ich hätte nicht das Vergnügen gehabt, die wichtigste Partei der lateinamerikanischen Linken [PT, Arbeiterpartei] zu gründen. Und noch viel weniger Präsident zu werden […]

Nun, ich bin von Gott gesegnet, also möchte ich meine Rede damit enden und sagen: Ich bin sehr glücklich mit dem Leben. Die Lava Jato verschwand aus meinem Leben. Ich erwarte nicht, dass die Leute, die mich beschuldigen, aufhören, mich zu beschuldigen, das erwarte ich nicht.

Ich freue mich, dass anerkannt wurde, was meine Anwälte seit langem sagen: Der Präsident ist unschuldig, dem Präsidenten gehört die Penthouse-Wohnung nicht.

Wir haben innerhalb von fünf Jahren elf Klagen abgeschmettert. Das heißt, wir waren mit Fachins Entscheidung zu 100 Prozent erfolgreich. Ich hatte vier Prozesse am Hals und sie verschwanden. Warum hat Fachin die Entscheidung nicht schon früher getroffen? Ich sage das schon seit fünf Jahren.

Ich weiß, dass es für viele Leute, die mich beschuldigt haben, peinlich ist, mit den Beschuldigungen aufzuhören. Es ist schwer, den einmal eingeschlagenen Weg der Lüge zu verlassen. Aber sehen Sie, wie viel gelassener ich bin als William Bonner [Nachrichtensprecher von TV-Globo] gestern, als er die Nachricht verkündete. Schauen Sie, wie ruhig ich bin, darüber dass die Wahrheit gewonnen hat, dass die Wahrheit weiterhin gewinnen wird.

Deshalb, Genossen, möchte ich Euch sagen: Ich möchte den Rest meines Lebens weitermachen. Ich hoffe, es wird ein langes Leben sein, wir beginnen das Leben zu mögen, wenn wir dem Himmel näher sind. Ich möchte noch einmal durch das Land reisen und mit diesen Menschen sprechen.

Das Volk hat kein Recht, einem Bürger, der das Übel verursacht, das Bolsonaro dem Land zufügt, zu erlauben, weiter zu regieren und den Ausverkauf des Land weiter zu betreiben. Ich weiß nicht, wie die Haltung aussieht, aber wir werden eine Haltung einnehmen müssen, Genossen, damit die Menschen wieder anfangen zu träumen.

Dieses Land hatte schon seine Träume. Wir träumten davon, das Land groß zu machen. Wir haben den Mercosur aufgebaut und gestärkt. Wir haben Unasur aufgebaut, weil wir einen großen lateinamerikanischen Wirtschaftsblock schaffen wollten, einen Block mit 400 Millionen Einwohnern, mit einem entsprechend großen BIP, um mit Europa auf Augenhöhe verhandeln zu können.

Denn Europa will nur verhandeln, damit sie ihre Industrieprodukte und wir unsere landwirtschaftlichen Produkte verkaufen können. Nein. Wir wollen nicht nur Agrobusiness machen. Ich respektiere das Agrobusiness, es steckt eine Menge Technologie drin, es ist sehr wichtig, aber Brasilien will ein Industrieland sein. Brasilien will neue Industrien und neue Technologien haben.

Davon haben wir geträumt. Wir haben die Brics [Allianz aus Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika] und die Brics-Bank geschaffen, wir haben die Bank des Südens geschaffen. Brasilien hatte ein Projekt einer Nation und Autonomie. Denn unsere Entdeckung liegt schon 500 Jahre zurück.

Wann werden wir uns endlich um unsere eigenen Anliegen kümmern können? Wann werde ich morgens aufwachen, ohne die amerikanische Regierung um Erlaubnis zum Atmen bitten zu müssen? Wann werde ich morgens aufwachen und wissen, dass meine Mitmenschen Frühstück, Mittag und Abendessen bekommen, die Kinder in die Schule gehen, Zugang zu Gesundheit und Kultur haben? Wann wachen wir endlich auf? Dies ist möglich. Wir haben es bewiesen.

Also, Kameraden, ich fühle mich jung, weil ich diesen Traum ersonnen und geholfen habe, ihn zu verwirklichen. Ich fühle mich jung, um zu streiten. Also, ich wollte, dass Sie wissen: Geben Sie niemals auf; das Wort "aufgeben" existiert in meinem Wortschatz nicht.

Ich habe von meiner Mutter gelernt: immer zu kämpfen, immer zu glauben, immer zu versuchen, denn wenn wir nicht an uns glauben, tut es niemand. Wenn Sie sich selbst nicht respektieren, wird Sie niemand respektieren.

Den Menschen, die mich all die Jahre schlecht behandelt haben, möchte ich sagen. Ich möchte mit der politischen Klasse reden. Denn oft weigern wir uns, mit bestimmten Politikern zu sprechen; das liegt in unserer Natur.

Ich hätte gerne, dass im Nationalkongress nur gute Leute sitzen, Leute der Linken, progressive Leute. Aber so ist es nicht. Die Menschen haben anders gedacht. Das Volk hat gewählt, wen es wählen wollte. Wir müssen mit denen reden, die dort sind, um zu sehen, ob wir dieses Land wieder auf die Beine stellen können.

Ich muss mit den Unternehmern sprechen. Ich möchte wissen, woher ihr Irrsinn kommt, nicht zu begreifen, dass - wenn sie wirtschaftlich wachsen wollen, wenn sie wollen, dass die Börse, dass die Wirtschaft wächst – es notwendig ist, zu garantieren, dass die Menschen Arbeitsplätze haben, Einkommen haben und in Würde leben können. Ansonsten gibt es kein Wachstum.

Ist es zu schwierig oder werden wir zu Geiseln des "Gottes Markt", der nur Geld machen will, egal wie?

Wir haben 2008 bereits die Erfahrung der Krise gemacht, mit der amerikanischen Subprime-Krise und später mit der Pleite von Lehman Brothers. Wenn sie Bankrott gehen, wer steckt Geld rein, um sie zu retten? Der Staat! Den Staat, den sie ablehnen, den Staat, den sie zerstören.

In den Vereinigten Staaten, als die Immobilienblase platzte, half man zuerst den Banken und erst danach wurde an die armen Leute gedacht, die ihre Häuser verloren. Wann denken wir endlich zuerst an die da unten?

Also haben Sie keine Angst vor mir. Ich bin radikal. Ich bin radikal, weil ich die Probleme dieses Landes an der Wurzel packen will.

Ich bin radikal, weil ich helfen will, eine gerechte Welt aufzubauen. Eine menschlichere Welt. Eine Welt, in der es kein Verbrechen ist, zu arbeiten und nach einer Gehaltserhöhung zu fragen. Eine Welt, in der Frauen nicht dafür verspottet werden, dass sie Frauen sind. Eine Welt, in der Menschen nicht für das verspottet werden, was sie sein wollen. Eine Welt, in der wir die verfluchten rassistischen Vorurteile

, die in diesem Land herrschen, endgültig abschaffen. Eine Welt, in der es keine verirrten Kugeln mehr gibt. Eine Welt, in der junge Menschen überall frei durch die Straßen laufen können, ohne die Sorge, erschossen zu werden.

Eine Welt, in der Menschen glücklich sind, wo immer sie sich zugehörig fühlen, in der Menschen sein können, was immer sie entscheiden. Eine Welt, in der wir die Religiosität eines jeden respektieren, jeder ist, was er will, jeder hat die Spiritualität, die er will. Niemand wird gezwungen, meiner Religion anzugehören, was immer Sie wollen, woran Sie glauben. Menschen können LGBT sein, und wir müssen respektieren, was Menschen tun. Es ist machbar.

Und deshalb lade ich Sie ein, dass wir in diesem Land dafür kämpfen, dass jeder, jede, unabhängig vom Alter, sich impfen lässt.

Um das zu erreichen, müssen wir die Regierung verpflichten, Impfstoff zu kaufen, aber gleichzeitig müssen wir für die Nothilfe kämpfen, und für Investitionen in die Schaffung von Arbeitsplätzen und Infrastruktur.

Wir müssen für eine Hilfspolitik für die Kleinunternehmer kämpfen, für kleine brasilianische Unternehmer, die nicht weiter machen könne, die Pleite gehen. Wie viele Restaurants wurden geschlossen? Wie viele Apotheken, Wäschereien, Schönheitssalons werden schließen müssen? Wozu gibt es die Regierung? Es ist ihre Aufgabe, Lösungen für diese Menschen zu finden.

Also, Leute, ich möchte mich jetzt bei Ihnen entschuldigen, denn so wie Gilmar Mendes gestern lange gesprochen hat, habe auch ich heute lange gesprochen, aber Sie haben Verständnis, denn es ist fünf Jahre her, dass ich bei einer Pressekonferenz gesprochen habe.

Ich wurde zu einer Art Virus erklärt: Fass Lula nicht an, hör nicht auf Lula. Einmal wurde ich in Manaus zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Wissen Sie, was meine Waffe war? Der Richter sagte, ich hätte eine scharfe Zunge. Also, ich möchte Ihnen sagen, um das brasilianische Volk zu verteidigen, um die Dinge zu verteidigen, die dieses Land retten, werde ich meine scharfe Zunge weiter einsetzen.

Ich möchte mich bei Ihnen bedanken, denn wenn Sie nicht wären, wäre ich wahrscheinlich heute nicht hier.

Ich danke Ihnen vielmals.

Anmerkungen in [ ] von Redaktion amerika21

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