DruckversionEinem Freund senden

Chronologie: Fünfte Republik und Bolivarischer Prozess

Von Chávez' Amtsantritt bis zum Scheitern des ALCA in Mar del Plata

1999

2. Februar: Chávez legt seinen Amtseid ab.

April: 88% der Wahlberechtigen stimmen für die Einsetzung der verfassungsgebenden Versammlung, die die Asamblea Nacional ersetzt (Chávez' 2. gewonnene Wahl).

15. Dezember: V. Republik entsteht nach der Annahme der neuen Verfassung per Referendum (71% Ja-Stimmen; Chávez' 3. gewonnene Wahl). Der offizielle Titel lautet jetzt "República Bolivariana de Venezuela".


2000

30. Juli: Neuwahlen des Präsidenten, der Asamblea Nacional, der Gouverneure und Bürgermeister (Chávez und das MVR gewinnen die Wahlen (Nr.4,5,6 u.7).

10. August 2000: Chávez besucht Saddam Hussein in Bagdad.

30. Oktober: Abkommen zwischen Kuba und Venezuela über Öllieferungen


2001

Januar: George W. Bush wird neuer Präsident der USA.

20. April: Beginn des Amerika-Gipfels in Quebec: Chávez widersetzt sich der US-amerikanisch dominierten Freihandelszone FTAA/ALCA, die laut Beschluß im Januar 2005 in Kraft treten soll.

17. August: Verteidigungsminister Rangel verweist die US-Militärs aus dem Oberkommando der venezolanischen Streitkräfte.

11. September: Terroranschläge in New York und Washington. US-Präsident Bush macht den Krieg wieder zu einem offiziellen Mittel der Politik.

5.-7. November: Konferenz zum "Problem Venezuela" mit Vertretern des Pentagons, des Außenministeriums und des Nationalen Sicherheitsrates


2002

7. Februar: Luftwaffenoberst Pedro Soto marschiert mit 5.000 Menschen auf das Präsidentenpalais La Casona zu und fordert den Rücktritt Chavez' vom Präsidentenamt.

Anfang März: Der Gewerkschaftsboss Ortega und Unternehmerpräsident Carmona schließen mit Kirchenvertretern einen Pakt zum Sturz von Chávez.

9. April: Beginn des Generalstreiks gegen die Regierung Chávez

11. April: Demonstration der Opposition. Private Medien manipulieren das Bild eines von Putschisten geplanten und verübten Massakers und geben so den putschbereiten Kräften den Anlaß für die Revolte.

12. April: In den frühen Morgenstunden begibt sich Chávez, ohne zurückzutreten, in die Gewalt der Putschisten. Unternehmerpräsident Carmona inthronisiert sich als Staatspräsident und läßt alle Verfassungsorgane auflösen. USA und Spanien unterstützen Carmona. Die Privatmedien verschweigen den landesweiten Widerstand gegen den Putsch.

13. April: Europäische Medien berichten über die Ereignisse in Venezuela und begrüßen Chavez’ "Rücktritt". General Baduel koordiniert mit anderen Offizieren den Widerstand. Nachmittags erfolgt die unblutige Rückeroberung des Präsidentenpalast. Der Präsident der Asamblea Nacional überträgt die Amtsgewalt des Staatschefs auf den Vizepräsidenten Diosdado Cabello. Carmona und andere Putschisten werden verhaftet.

14. April: In den frühen Morgenstunden kehrt Hugo Chávez nach Miraflores zurück und übernimmt wieder die Amtsgeschäfte. Carmona steht unter Hausarrest. Die verfassungsmäßige Ordnung ist wiederhergestellt.

21. April: Gewerkschaftsboß Carlos Ortega eröffnet Medienfeldzug gegen Chávez.

2. Dezember: Gewerkschaftsboss Carlos Ortega verkündet den Generalstreik. Gleichzeitig kommt es zu Sabotageaktionen beim Ölunternehmen PDVSA. Die Chávez-Gegner sprechen vom "Ölstreik", die Chavisten vom "Ölputsch".

7. Dezember: Schüsse in der Nähe einer Oppositionsdemonstration

12. Dezember: Ein Unbekannter schießt auf dem Altamira-Platz in eine Oppositionsmenge, 3 Tote und 20 Verletzte, Banken sind geschlossen.

24. Dezember: Laut Figaro haben die USA, Großbritannien, Kanada und Deutschland ihre Staatsangehörigen aufgefordert, Venezuela zu verlassen.


2003

23. Januar: Demonstration für Chávez in Caracas, eine Bombenexplosion fordert einen Toten und 14 Verletzte.

3. Februar: Carlos Ortega muß das Ende des Generalstreiks verkünden. Die Regierung Chávez bleibt im Amt.

25. Februar: Bombenanschläge gegen die Botschaften von Spanien und Kolumbien in Caracas

12. April: Bombenexplosion im Verhandlungsgebäude von Regierung und Opposition

13. April: Die Regierung Chávez feiert den ersten Jahrestag des gescheiterten April-Putsches, Neoliberalismus-Kritik von Chavez: "Venezuela is not for Sale".

17. September: Granateneinschlag in der Kaserne der Präsidentengarde Mitte September. Chávez sagt USA-Reise zur UNO-Generalversammlung aus Sicherheitsgründen ab.

Oktober: MVR-Abgeordnete legen Video- und Audiobänder als Beweismaterial zu CIA-Aktivitäten vor.

21.-24. November: Unterschriftensammlung der Regierungsparteien, um Parlamentsabgeordnete der Opposition abzuwählen

27. November – 1. Dezember: Unterschriftensammlung der Oppositionsparteien zur Abwahl des Präsidenten


2004

11. März: Bombenexplosionen in Madrider Vorstadtzügen

14. März: Aznars konservative Volkspartei verliert die Wahl zum spanischen Parlament, der Sozialdemokrat José Luís Rodríguez Zapatero (PSOE) wird neuer Ministerpräsident.

Juni: Der Nationale Wahlrat gibt bekannt, daß genügend Unterschriften für das Abwahlreferendum vorliegen.

Juli: Venezuela und Kolumbien vereinbaren ein gemeinsames Gaspipeline-Projekt.

15. August: Referendum in Venezuela: 56% der Venezolaner stimmen gegen die Entlassung ihres Präsidenten (Chávez' 8. siegreiche Wahl)

September: Venezuela ordert in Russland 50 Jagdmaschinen des Typs MIG-29 SMT. Es folgen weitere Waffenkäufe u.a. in Spanien.

31. Oktober: Regional- und Kommunalwahlen in Venezuela: Das MVR siegt auch hier. Chávez‘ und seine Bewegung haben jetzt 10 Wahlen in Folge gewonnen. Die Opposition ist stark zersplittert.

Herbst: Die Regierung Chávez erhöht die Abgaben der Ölfirmen auf gefördertes Öl von 1% auf 16%.

12. November: Chávez stellt seine strategischen Handlungslinien und sein außenpolitisches Konzept bis 2006 vor.

18. November: Mordanschlag auf Staatsanwalt Danilo Anderson

8. Dezember: Gründung im peruanischen Cuzco der Comunidad Suramericana de Naciones (CSN) (südamerikanische Nationengemeinschaft)

13. Dezember: Die Entführung eines mutmaßlichen FARC-Kommandeurs in Caracas und seine Verschleppung nach Kolumbien führt zu einer schweren diplomatischen Krise zwischen beiden Staaten.

14. Dezember: Venezuela und Kuba unterzeichnen Bolivarische Alternative zur Besiegelung (ALBA) ihrer strategischen Allianz.


2005

14. Februar: Unterzeichnung von Abkommen zwischen Venezuela und Brasilien

15. Februar: Treffen von Chávez und Uribe in Caracas, Beilegung der Krise

16. Februar: CIA-Chef Porter J. Goss nennt Venezuela ein "potentiell instabiles Land".

26. Februar: Vierter Internationaler Schuldengipfel in Bolivien.

27. Februar: Das US-Kriegsschiff Saipan läuft unagemeldet die Insel Curaçao an

1. März: Amtseinführung des neuen Präsidenten von Uruguay, Tabaré Vázquez, gemeinsame Erklärung Venezuelas, Brasiliens und Argentiniens zur Stärkung der regionalen Integration und multilateralen Kooperation.

9. März: Treffen von Chávez mit dem französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac.

23. März: US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld besucht Brasilien.

April: US-Außenministerin Condoleezza Rice nennt Chávez und Venezuela "eine besorgniserregende und negative Macht in Lateinamerika".

April: Verstaatlichung des Ventilherstellers Constructora Nacional de Válvulas (CNV), Festigung der ALBA durch weitere Abkommen zwischen Kuba und Venezuela.

Mai: Die mit dem Pentagon liierte US-Denkfabrik CSP schreibt, die Zeit für Chávez laufe ab.

August: Der US-Fernsehprediger Pat Robertson und ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat ruft in einer Fernsehsendung zum Mord an Chávez auf.

Oktober: Die UNO stellt fest, daß es in Venezuela keinen Analphabetismus mehr gibt.

3. November: Chávez erklärt auf dem Gegengipfel zum Lateinamerikagipfel im argentinischen Mar del Plata, daß der Plan der US-amerikanischen Freihandelszone FTAA/ALCA gestorben sei. Die USA können wegen des Widerstandes von Brasilien, Argentinien, Uruguay und Venezuela, ihr Projekt nicht wieder in Gang bringen.

4. Dezember: Von 14.272.964 Wahlberechtigten machten 3.604.741 (25,26%) von ihrem Stimmrecht Gebrauch. Davon waren gültig 3.398.567 Stimmen (94,28%) und ungültig 206.174 (5,72%). Die Wahlenthaltung lag mit 10.668.223 Stimmen bei 74,74%.

Wenige Tage vor den Wahlen beschlossen die Oppositionsparteien Acción Democrática, Copei, Primero Justicia und Proyecto Venezuela, dem Urnengang fernzubleiben, weil sie dessen rechtmäßigen Verlauf nicht gewährleistet sahen. Die Internationalen Wahlbeboachter von OAS, Carter Center und EU bestätigen den korrekten Ablauf der Wahlen.

Der Boykott und das Wahlergebnis führen zu folgender Sitzverteilung der sechs Parteien, die die Regierung Chávez bisher unterstützt haben: Movimiento V República (MVR) 114 Sitze, Por la Democracia Social (Podemos) 15 Sitze, Patria Para Todos (PPT) 11 Sitze, Movimiento Electoral del Pueblo (MEP) 11 Sitze, Partido Comunista de Venezuela (PCV) 8 Sitze, Unión Popular Venezolana 8 Sitze.


2006

5. Dezember: Hugo Chávez gewinnt die Präsidentschaftswahl gegen den Herausforderer Manuel Rosales. Das vorläufige Endergebnis lautet: Von 15 417 178 Wahlberechtigten hatten 11 542 841 (74,87%) ihre Stimmen abgegeben. 3 874 286 (25,12%) blieben der Wahl fern. Der CNE zählte 11 386 029 (98,64%) gültige und 156.812 (1,35%) ungültige Stimmen. Auf Hugo Chávez entfielen 7 161 367 Stimmen (62,89%). Für Manuel Rosales votierten 4 196 329 Wähler (36,85%).


2007

2. Dezember: Chávez verliert das Referendum über die Verfassungsreform knapp. Das Ergebnis lautet nach der ersten offiziellen Bekanntgabe des Nationalen Wahlrats (CNE): (Die Originalerklärung auf Spanisch ist hier zu finden)

Abstimmung Block A

  • "Nein": 50.70% (4.504.354 Stimmen)
  • "Ja": 49.29% (4.379.392 Stimmen)

Abstimmung Block B

  • "Nein": 51.05% (4.522.332 Stimmen)
  • "Ja": 48.94% (4.335.136 Stimmen)

Wahlbeteilung: 55,89 %

31. Dezember: Operationen des kolumbianischen und US-Militärs verhindern, dass die FARC ihre Geiseln dem Roten Kreuz übergeben kann.


2008

10. Januar: Das Rote Kreuz kann zwei Geiseln der FARC in Empfang nehmen und sicher nach Venezuela transportieren. Chávez' Verhandlungsführung hat zum Erfolg geführt.

12. Januar: Der Gründungskongress für die Vereinte Sozialistische Partei von Venezuela (PSUV) beginnt. 1680 Delegierte sollen bis Ende Februar den Namen, die Strukturen und das Parteiprogramm festlegen. Das Plenum tritt immer am Wochenende zusammen. Dazwischen sollen die einzelnen Punkte auf regionaler, Kreis- und Basisebene diskutiert werden.

 

Kapitelauswahl

  1. Kolonialzeit
  2. Befreiungskriege und venezolanische Republiken
  3. Paktierte Demokratie
  4. Fünfte Republik und Bolivarischer Prozess
Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr