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Sozialpolitik

Die sozialen Missionen der venezolanischen Regierung

Misión Robinson

Das Sozialprogramm, das den Bildungsstand der Alphabetisierten vertieft.

Dieses Programm, benannt nach dem Pseudonym des Pädagogen Simón Rodríguez, besteht aus verschiedenen Phasen. Die Misión Robinsón I sah vor, den Analphabeten das Lesen und Schreiben beizubringen. Hierbei kam die kubanische Methode des “Yo, sí puedo” (Ich kann’s doch) zum Einsatz. Ende Oktober 2005 erklärte die UNO Venezuela frei vom Analphabetismus. Die Misión Robinsón II vertieft die Kenntnisse der Alphabetisierten und bringt sie auf das Niveau der 6. Klasse. Hinzu kommt der Unterricht in verschiedenen Fächern. Zu guter letzt lernen die Schüler Englisch und Informatik. Zur Methode “Yo sí puedo seguir” (Ich kann doch weitermachen) gehört auch der Einsatz von Videos. Die Klassen haben maximal 15 Schüler. Das Bildungs-, Kultus- und Sportministerium ist für die Misión Robinsón verantwortlich. (IN)


Misión Barrio Adentro

Das Sozialprogramm, das die Gesundheit in die Armenviertel bringt.

Die erste Phase des Barrio Adentro-Programms sah die Entsendung von kubanischen Ärzten und Pflegepersonal in die Armenviertel, die Barrios, vor, um dort im wahrsten Sinne des Wortes “Erste Hilfe” mobil und stationär zu leisten. (Übersetzt bedeutet “Barrio Adentro”: Hinein ins Barrio/Viertel.) Ziel war und ist es, eine kostenlose, medizinische Grundversorgung in die abgelegenen und schwer erreichbaren Armenviertel zu bringen und dort zu verankern. In der zweiten Phase erhielten Ärzte und Pfleger eigene Unterkünfte und Praxen in den Barrios. Parallel dazu entstanden die Grundlagen für die Versorgung der lokalen Bevölkerung mit verbilligten Medikamenten. In der dritten Phase ab 2005 entstehen Hospitale, in denen Operationen durchgeführt werden können, ebenso wie die Rehabilitation. Schwierige Fälle werden zu Spezialbehandlungen nach Kuba ausgeflogen. Das ist die Misión Milagro (Wunder). Sie steht auch Kranken aus anderen lateinamerikanischen und karibischen Ländern zur Verfügung. Die Streitkräfte leisten bei Barrio Adentro und anderen Misiones logistische Unterstützung. (IN)


Misión Guaicaipuro

Das Sozialprogramm zur Wiederherstellung der indigenen Rechte.

Das Ziel dieser Misión ist die Wiederherstellung der Rechte der ca. 550.000 indigenen Einwohner. Die Durchführung liegt beim Umweltschutzministerium. Das Programm ist benannt nach dem bekanntesten Führers des indigenen Widerstands gegen die europäischen Invasoren im 16. Jahrhundert.


Misión Identidad

Das Sozialprogramm gibt den Menschen einen Personalausweis - und so das Wahlrecht.

Das Programm sieht die Ausstellung eines neuen Personalausweises vor. Viele Menschen in den Barrios besaßen keine “Cédula de Identidad” bzw. es war sehr einfach, die alten zu fälschen. Die Ausgabe neuer Ausweise hat auch zu Veränderungen im Wahlregister geführt: Karteileichen wurden entfernt, bisher nicht registrierte Bürgerinnen und Bürger aufgenommen. Verantwortlich für diese Misión ist der Nationale Wahlrat, der Consejo Nacional Electoral (CNE), der auch über das Wahlregister wacht.


Misión Mercal

Das Sozialprogramm, das verbilligte Lebensmittel und Medikamente in die Armenviertel bringt.

Die Misión Mercal sieht vor das Errichten und Betreiben von Läden und Lagerräumen, die die lokale Bevölkerung, in erster Linie in den Barrios, mit staatlich subventionierten Grundnahrungsmitteln und Medikamenten versorgen. Der Zugang zu den Mercal-Läden und der Verkauf der Lebensmittel bzw. Medikamente ist für jedermann frei.


Misión Miranda

Das Sozialprogramm zur Reaktivierung der Reservisten.

Dieses Programm trägt den Namen des Generals Francisco de Miranda und hat zum Ziel die Reservisten der nationalen Streitkräfte zu erfassen, organisieren und der militärischen Reserve wieder zuzuführen, damit sie im ganzen Land für die Verteidigung, Aufrechterhaltung der inneren Ordnung und auch für die logistische Durchführung der genannten Misiones verfügbar sind.


Misión Negra Matea

Das Sozialprogramm, das den "Straßenkindern" helfen soll.

Diese Misión wurde benannt nach Bolívars Kindermädchen. Sie widmet sich den “Straßenkindern”.


Misión Piar

Das Sozialprogramm für die Minenarbeiter und den Umweltschutz.

Die Misión, deren Namensgeber der venezolanische General des Unabhängigkeitskrieges Manuel Carlos Piar ist, soll den Lebensstandards der Minenarbeiter erhöhen und zum Schutz der Umwelt in den Bergbaugebieten beitragen.


Misión Sucre

Das Sozialprogramm, das den Weg zur Universität ebnet.

Dieses Programm, das den Namen des Marschalls Antonio José de Sucre trägt, dient der Vorbereitung auf das Hochschulstudium. Die Zielgruppe bilden diejenigen, die zwar den entsprechenden Abschluß geschafft haben, aber denen - aus welchen Gründen auch immer – der Zugang zu einer Universität verweigert wurde.


Misión Ribas

Das Sozialprogramm, das allen Venezolanern die mittlere Reife ermöglicht.

Das Ziel dieses Bildungsprogramms (das den Namen des Unabhängigkeitskämpfers José Félix Ribas trägt) ist, daß alle Venezolaner - ohne Altersbeschränkung – die venezolanische Version der mittleren Reife (Fachgymnasium) erwerben können. Hierfür können Bedürftige Stipendien beantragen. Die Absolventen der Misión Ribas sollen Arbeit in der Energiebranche, in der Erdölindustrie oder im Bergbau finden oder sich in der Misión Sucre aufs Hochschulstudium vorbereiten.


Misión Vivienda

Das Sozialprogramm für den Wohnungsbau.

Das Ziel des Wohnungsprogramms ist es angesichts des fehlenden sozialen Wohnungsbau mittels einer Erhebung eine entsprechende Prioritätenliste zu erstellen. Insgesamt sind 5600 Komitees damit befaßt, in denen um die 3 Millionen Menschen mitarbeiten.


Misión Vuelvan Caras

Das Sozialprogramm, das Arbeitslosen ohne Ausbildung die Eingliederung in den Arbeitsprozeß ermöglicht.

Die Misión Vuelvan Caras (Gesichter kehren zurück) sieht vor, Menschen, die nur eine sehr geringe Ausbildung oder gar keine besitzen und deshalb arbeitslos sind, wieder in den Arbeitsprozeß zu integrieren.


Misión Zamora

Das Sozialprogramm zur Wiederbelebung der venezolanischen Landwirtschaft.

Die Misión Zamora (benannt nach dem “Schrecken der Oligarchie”, dem Bauernführer des 19. Jahrhunderts Ezequiel Zamora) führt den gleichnamigen Plan fort, der vorsieht, die venezolanische Landwirtschaft wiederzubeleben. Damit möchte man zum einen nicht nur den kleinen Bauern, sondern auch den Menschen in den übervölkerten Städten eine Arbeitsalternative auf dem Land bieten. Zum anderen soll die nationale Landwirtschaft Venezuela unabhängig vom Lebensmittelimport machen und die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln in allen Regionen des Landes sichern. Hierzu zählt u.a. die Landvergabe an Bauern und Kooperativen und die entsprechende Verzahnung mit der Misión Mercal.


Misión Alma Mater

Das Sozialprogramm, das über das Studium zum Sozialismus führen soll

Die Misión Alma Mater, entstanden im September 2007, soll die Grundlage für ein qualitativ hohes Bildungssystem ohne Gebühren legen. Es sieht die Gründung von 14 universitären Einrichtungen und zehn Spezialzentren bundesweit vor. Diese decken die Fachbereiche Gesundheit, Künste, fossile Brennstoffe, Sprachen, Sicherheit, Telematik, Agrarwissenschaften, Wirtschaft, Steuerwesen und Turismus ab. Desweiteren werden 29 Technologieinstitute in höhere Bildungszentren verwandelt, die gemeinsam mit den 1400 Aldeas Universitarias (Universitätsdörfern) 367000 Studenten aufnehmen sollen. Das Studienangebot richtet sich in erster Linie an jene Menschen, denen aufgrund ihres sozialen Status das Studium verwehrt war. Viele von ihnen haben sich in der Misión Sucre auf den Besuch einer Universität vorbereitet. Das Sozialprogramm Alma Mater ist demnach die logische Weiterführung der Misión Sucre.

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