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19.09.2010 Honduras / Menschenrechte

Toter nach Polizeieinsatz

Landesweit Demonstrationen zum Unabhängigkeitstag. 1.250.000 für verfassunggebende Versammlung
Repression am Jahrestag der Unabhängigkeit

Repression am Jahrestag der Unabhängigkeit

Quelle: TeleSur

Tegucigalpa. Eine Großdemonstration zum Unabhängigkeitstag in Honduras endete mit einem massiven Einsatz von Polizei und Militär. Bei der Demonstration am 15. September in San Pedro Sula starb ein Mann. Über 30 Personen wurden verhaftet, wie das Komitee zur Verteidigung der Menschenrechte in Honduras (CODEH) mitteilte. Die Demonstration war von der oppositionellen Nationalen Widerstandsfront (FNRP) aus Anlass des 189. Jahrestages der honduranischen Unabhängigkeit organisiert worden.

Durch das gewaltsame Vorgehen von Polizei und Militär gegen die Demonstranten kam nach Angaben der Nachrichtenagentur Púlsar der Losverkäufer Efraín López ums Leben. Der Vorsitzende des CODEH, Andrés Pavón, erklärte, der Mann sei erstickt, "hervorgerufen durch den Tränengaseinsatz gegen die Teilnehmer der Demonstration". Pavón berichtete, mehr als 30 Personen seien illegal festgenommen, aber später wieder freigelassen worden.

Die Oppositionsbewegung hatte den Unabhängigkeitstag dazu genutzt, landesweit Demonstrationen durchzuführen, um "eine zweite und wirkliche Unabhängigkeit" zu fordern. Die FNRP strebt ein anderes Honduras an. Sie sieht die seit Januar 2010 amtierende  Regierung unter Porfirio Lobo als Fortsetzung des Staatsstreichs an, der am 28. Juni 2009 den damaligen Präsidenten Manuel Zelaya entmachtet hatte.

Daher hatte die FNRP am 20. April begonnen, Unterschriften für die Forderung nach einer verfassunggebenden Versammlung und die Rückkehr des exilierten Zelaya nach Honduras zu sammeln. Bis zum Nationalfeiertag am 15. September hatte sie bereits das selbst gesteckte Ziel von 1.250.000 Unterschriften übertroffen. Honduras hat knapp acht Millionen EinwohnerInnen. Für das Mitglied der Wahlkommission der FNRP, Rasel Tomé, ein Grund zum Feiern: "Das Volk hat gesprochen. Es fordert Gerechtigkeit und Veränderungen".

Die Euphorie dürfte nun erneut einen Dämpfer erhalten haben. An der Demonstration in der zweitgrößten Stadt San Pedro Sula haben bis zu 50.000 Menschen teilgenommen. Wie es zu dem gewaltsamen Vorgehen von Polizei und Militär gekommen ist, ist noch unklar. Die Demonstration war bereits an seinem Endpunkt im Zentralpark angekommen, wo die in Honduras bekannte Gruppe Cafe Guancasco gerade spielte. Gegen 11.30 begannen Polizei und Militär, unter massivem Einsatz von Tränengas, Wasserwerfern und Schlagstöcken auf den Platz vorzurücken.

Nach Angaben von ALER, dem Dachverband freier Radios in Lateinamerika, zerstörte die Polizei dabei die Lautsprecheranlage von Radio Uno sowie das Equipment der Band. Nachdem vorübergehend Ruhe eingekehrt war und viele DemonstrantInnen auf den Platz zurückgekehrt waren, kam es zu einem zweiten Angriff der Polizei. Dieses Mal habe "die Polizei die Tränengasgranaten nicht in die Luft abgefeuert, sondern direkt auf die Körper der Demonstranten", wie ein Journalist von Radio Progreso vor Ort erklärte. Bislang haben sich acht zum Teil schwer Verletzte bei der CODEH gemeldet, um Anzeige zu erstatten.

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