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29.10.2010 Amerikas / Deutschland / Medien / Politik

Mehr Verständnis für Amerika

Zum zweiten Mal luden Botschaften der ALBA zum Gespräch über den Integrationsprozess in Lateinamerika. Amerika21-Redakteur moderierte
Podium der zweiten Botschaftskonferenz "ALBA und die Medien"

Podium der zweiten Botschaftskonferenz "ALBA und die Medien". Links Kubas Botschaftsvertreter Lazo. Auf dem Podium (v.l.n.r.): Bleskin, Neuber, Scheer

Quelle: Botschaft Venezuela/amerika21.de
Lizenz: by nd sa

Berlin. Zum zweiten Mal haben die Botschaften der Mitgliedsstaaten der Bolivarischen Allianz für Amerika (ALBA) in Deutschland eine gemeinsame Konferenz in Berlin organisiert. Das Symposium mit dem Titel "ALBA und die Medien" sollte – wie schon die erste Konferenz vor zwei Jahren – über den Integrationsprozess in Lateinamerika aufklären. Unter den Gästen befanden sich zahlreiche Diplomaten und Vertreter führender Medien.

Der Erste Sekretär der kubanischen Botschaft in Berlin, Eduardo Lazo, stellte die sozialpolitischen Fortschritte der ALBA dar. Zum ersten Mal in der Geschichte des Kontinents existiere in Lateinamerika ein Bündnis, das mit den Prinzipien des Profitdenkens und der Akkumulation von Kapital breche, sagte der Diplomat. Die ALBA-Staaten setzten vielmehr auf ein System des komplementären Handels, in dem jedes Mitglied seine Ressourcen zur Entwicklung der gesamten Region einbringt.

Wie schon bei der ersten Konferenz leitete amerika21-Redakteur Harald Neuber das Podium. Als Referenten war André Scheer von der Berliner Tageszeitung "junge Welt" vertreten. Ebenfalls zum zweiten Mal nahm Manfred Bleskin, Moderator und Kommentator im Hauptstadtbüro des privaten Nachrichtensenders n-tv an dem Podium teil.

Beide Referenten stimmten in der Einschätzung überein, dass die Integrationsbewegung Lateinamerikas in erster Linie eine Reaktion auf die neoliberale Politik der vergangenen Jahrzehnte ist. Sowohl dezidiert linke Staatsführungen wie in Kuba, Venezuela und Bolivien als auch bürgerlich dominierte Regierungen wie in Argentinien und Brasilien versuchten sich von dem Einfluss der Industrienationen zu lösen.

Dass diese Politik in den etablierten Medien des Nordens auf Unverständnis trifft, wurde nicht nur vom Moderator, sondern auch aus dem Publikum bemerkt. Manfred Bleskin stimmte mit diesem Urteil als Vertreter eines privaten Senders überein. Es gebe einfach zu wenig Wissen über die Prozesse im Süden, merkte er an. Dies fange schon bei den Sprachkenntnissen an. Bleskin stellte den neuen Medien Lateinamerikas zugleich ein positives Zeugnis aus. "Wenn ich etwa den lateinamerikanischen Nachrichtensender Telesur verfolge, sehe ich keine Propaganda", so Bleskin, "sondern ich fühle mich durchaus umfassend informiert."

In einer Kurzintervention warnte der Botschafter Ecuadors, Horacio Sevilla Borja, vor einer Zuspitzung der politischen Konflikte in Lateinamerika. Als Reaktion auf die anti-neoliberale Politik der Staatenmehrheit in den vergangenen Jahren habe es mehrere gewaltsame Angriffe auf den Rechtsstaat gegeben. "Immerhin hat die Demokratie aber mit 3 zu 1 gewonnen", fügte Sevilla Borja unter Berufung auf eine Aussage des bolivianischen Präsidenten Evo Morales an: In Venezuela, Bolivien und Ecuador seien Putschversuche gegen die neue Linke zurückgeschlagen worden. In Honduras hingegen haben sich die Putschisten Ende Juni 2009 gegen die letzte demokratisch gewählte Regierung dieses mittelamerikanischen Landes durchsetzen können. Doch in diesem Fall sei das letzte Wort noch nicht gesprochen.

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