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01.12.2010 Ecuador / Politik

Ecuador dementiert Asylangebot für Assange

Wikileaks und Lateinamerika: Regierung dementiert Entscheidung über Aufnahme, behält sich Option aber vor. Chávez fordert Clinton zu Rücktritt auf
Ecuadors Präsident Rafael Correa

"Keine formelle Einladung": Ecuadors Präsident Rafael Correa

Quelle: Wilson Dias (ABr)/ http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Correarafael15012007-4.jpg
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Quito/Caracas/Washington. Ecuadors Präsident Rafael Correa hat Presseberichte zurückgewiesen, nach denen seine Regierung dem Wikileaks-Chef Julian Assange die Aufnahme in diesem südamerikanischen Land angeboten hat. Dies war von Nachrichtenagenturen am Dienstag unter Berufung auf Aussagen des Vizeaußenministers Lucas Kintto berichtet worden. "Dem Direktor von Wikileaks ist keine formelle Einladung zugegangen", stellte Correa nun während einer Pressekonferenz in der Stadt Guayaquil richtig. Die Äußerungen Kinttos hätten "persönlichen Charakter" gehabt und seien von ihm nicht autorisiert gewesen, so Correa.

Außenminister Ricardo Patiño kritisierte indes Berichte als unwahr, nach denen seine Regierung Assange Asyl im Tausch gegen die 1450 Depeschen der US-Botschaft in Quito angeboten hat, die Wikileaks zugespielt wurden. Jedoch schloss Patiño eine Aufnahme des Wikileaks-Chefs auch nicht aus. Ein solcher Schritt müsse zunächst aber politisch und juristisch geprüft werden, sagte Ecuadors Außenminister.

Venezuelas Präsident Hugo Chávez hat die US-Außenministerin Hillary Clinton derweil zum Rücktritt aufgefordert. Dies müsse die Konsequenz aus den Veröffentlichungen der gut 250.000 diplomatischen Depeschen von Botschaften an das Außenamt in Washington sein, sagte der Staatschef am Dienstag in der venezolanischen Hauptstadt Caracas. Wikileaks habe "das Imperium entblöst", so Chávez, ein Rücktritt von Clinten sei daher die notwendige Folge.

Die spanische Tageszeitung El País hatte am Montag unter Bezugnahme auf die Dokumente unter anderem berichtet, dass Clinton von der US-Botschaft in Buenos Aires ein Gutachten über die psychische Verfasstheit von Präsidentin Cristina Fernández angefordert hat. In seiner Entgegnung kritisierte Chávez nun die aggressive Reaktion des US-Außenamtes. "Dieser Haufen Spione im Außenministerium (der USA) sollte der Welt nun eine Antwort geben und nicht zur Attacke übergehen und von einem Datenraub sprechen", sagte Chávez.

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