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Beobachter rügen Militarisierung in Honduras

Delegation aus Deutschland und Österreich besucht Konfliktgebiet im Norden des Landes. Zunehmende Gewalt nach dem Putsch
Blick aus dem Autofenster auf schwer bewaffnete Soldaten

Massive Militarisierung: Bei dem Besuch in Bajo Aguán traf die Delegation auf Soldaten

Tegucigalpa. Die Mitglieder einer deutsch-österreichischen Menschenrechtsdelegation in Honduras haben vor einer weiteren Zuspitzung der sozialen Auseinandersetzungen in dem mittelamerikanischen Land gewarnt. Die amtierende De-facto-Regierung unter dem Unternehmer Porfirio Lobo und die von ihr kontrollierte Justiz ergreife offensichtlich Partei in einem schwelenden Landkonflikt im Norden von Honduras.

Im Rahmen einer rund 40-köpfgigen Delegation waren die Menschenrechtsaktivisten aus Deutschland und Österreich gegen Ende der Woche in das Konfliktgebiet Bajo Aguán gefahren, wo in den vergangenen Wochen mehrere Landarbeiter ermordet wurden.

Die Ländereien würden von dem Großgrundbesitzer Miguel Facussé beansprucht. Weil dieser über gute Kontakte zur Lobo-Regierung verfügt, seien die Forderungen der Kleinbauern auf eigenes Land fast vergebens, berichten die Delegationsteilnehmer in einem Weblog. Während der Regierung des Mitte vergangenen Jahres gestürzten Präsidenten Manuel Zelaya habe sich eine gerechtere Landverteilung in Bajo Aguán angedeutet. Durch den Putsch sei diese Politik jedoch jäh beendet worden, woraufhin die lokale Bauernbewegung MUCA wieder einige Gebiete besetzte. "Im April 2010 schlossen die MUCA, die Regierung Lobo und Facussé sowie zwei andere Großgrundbesitzer einen Vertrag. Die versprochenen Ländereien haben die Bäuerinnen und Bauern jedoch bis jetzt noch nicht erhalten", heißt es in dem Bericht.

Zugleich kritisierten die Delegierten eine Zunahme paramilitärischer Gewalt. Juan Galindo, Vizepräsident der MUCA, wies im Gespräch mit den europäischen Beobachtern darauf hin, dass gegen organisierten Landarbeiter "ein medialer Krieg" geführt wird. So würden die Organisationen als "neue Guerilla" diskreditiert. Gleichzeitig verwies Galindo auf enge Verbindungen Facussés zu Kolumbien, seiner möglichen Beteiligung am Drogenhandel im Transitland Honduras sowie auf den Besuch des kolumbianischen Ex-Präsidenten Alvaro Uribes in Honduras. "Wir haben Angst vor den paramilitärischen Strukturen, die hier offensichtlich aufgebaut werden", so der MUCA-Vizechef: "Aber wenn wir nicht schaffen, unseren rechtmäßigen Landbesitz zu verteidigen – wo sollen wir dann hin?"

Die Delegationsmitglieder aus Deutschland und Österreich halten sich noch bis zum 20. Dezember in Honduras auf. In der Hauptstadt Tegucigalpa kamen sie mit Vertretern von Gewerkschaften und einer unabhängigen Wahrheitskommission zusammen, die den Putsch gegen die letzte demokratisch gewählte Regierung des Landes Ende Juni 2009 untersucht.

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17.11.2010 Nachricht von Kathrin Zeiske
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