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23.02.2011 Chiapas / Mexiko / Menschenrechte

Solidaritätskarawane besucht Agua Azul in Chiapas

Menschenrechtsaktivisten beklagen Repression und Militarisierung der Region. Respektierung der Rechte der Frauen gefordert
Aktivisten der Menschenrechtskarawane in Agua Azul

Aktivisten der Menschenrechtskarawane in Agua Azul

Quelle: Johannes Schwäbl
Lizenz: by-nc-sa

San Cristóbal de las Casas/Mexiko. Eine Karawane verschiedener Menschenrechtsorganisationen und von Anhängern der zapatistischen "Anderen Kampagne" besuchte am vergangenen Samstag die Region Agua Azul im Süden Mexikos. Ziel der Karawane war die Situation der Frauen und ihrer Familien im Gemeindeland (Ejido) San Sebastián Bachajón zu dokumentieren und ein Zeichen der Solidarität zu setzen. Hintergrund sind die Auseinandersetzungen um ein Kassenhäuschen zwischen Angehörigen der Anderen Kampagne und Anhängern der ehemaligen Regierungspartei PRI Anfang Februar. Seitdem befinden sich zehn Mitglieder der Anderen Kampagne im Gefängnis. Zudem herrscht eine starke Polizei- und Militärpräsenz in der Region. Zu der Karawane hatte Zentrum für die Rechte der Frau (CDMCh) aufgerufen.

Am 2. Februar eskalierte ein Konflikt, als mehrere der PRI nahestehende Personen das Kassenhäuschen in Agua Azul übernehmen wollten. Es war seit längerer Zeit von Angehörigen der Anderen Kampagne betrieben worden. Bei den Auseinandersetzungen starb ein 26jähriger Anhänger der PRI. Daraufhin rückten Polizeieinheiten in die Region ein und nahmen am 3. Februar 117 Angehörige der anderen Kampagne fest. 107 von ihnen wurden wieder freigelassen. Das Kassenhäuschen befindet sich seitdem unter staatlicher Kontrolle.

Dem Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de las Casas (FrayBa) liegen mehrere Aussagen über Verletzungen der Rechte der Gefangenen vor. So berichten einige der Gefangenen von Drohungen. Auch seien sie zur Unterschrift von Dokumenten gezwungen worden, deren Inhalt sie nicht kannten. Unter den zehn weiterhin in Haft sitzenden, denen unter anderem Totschlag vorgeworfen wird, befindet sich ein Minderjähriger und einige Personen die am Tag des Geschehens gar nicht vor Ort waren.

Die Karawane traf sich mit den Bewohnerinnen der umliegenden Gemeinden, die über die aktuelle Situation vor Ort sprachen. In mehreren Redebeiträgen wurde die Freilassung der zehn Gefangenen und die Respektierung der Rechte der Frauen gefordert. Die Rednerinnen betonten ihre sozialen und politischen Rechte wie die Autonomie und die persönliche Selbstbestimmung. Die Schuld an der Eskalation des Konfliktes geben die Bewohnerinnen der mexikanischen und der chiapanekischen Regierung. Diese wollen schon seit längerem ein großes Ökotourismusprojekt in Agua Azul verwirklichen. Die staatliche Übernahme des Kassenhäuschens wird als erster Schritt zur Privatisierung von Agua Azul gesehen.

Zudem beklagten sich die Bewohnerinnen über die hohe Anzahl an Polizei und Militäreinheiten in der Region. "Laut Regierung dient die starke Militär- und Polizeipräsenz dazu, den Frieden zu sichern. In Wirklichkeit ist diese aber hier um die Leute zu terrorisieren. Wir Frauen leben in ständiger Angst vor Drohungen und sexuellen Übergriffen durch die Soldaten", erklärte eine Anwesende. Wie zur Bestätigung passierte während des Treffens ein Militärkonvoi aus etwa 25 Fahrzeugen die Straße in der unmittelbaren Nähe der Versammlung.

Im Anschluss an das Treffen war geplant, zum Kassenhäuschen zu fahren, wo PRI-Anhänger unter Polizeischutz weitere Gebäude für ein geplantes Tourismuszentrum errichten. Aufgrund der Aggressivität einiger der Bauarbeiter gegenüber der Karawane und um Eskalation zu vermeiden, wurde jedoch beschlossen nicht aus den Fahrzeugen zu steigen und die Aktion zu beenden.

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