Sidor-Arbeiter bekräftigen Nationalisierung

Unterstützer des Plans "Sozialistisches Guayana" gewinnen Gewerkschaftswahlen. Wahlsieger setzen sich für Arbeiterkontrolle ein

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Sidor-Arbeiter bei der Abstimmung
Sidor-Arbeiter bei der Abstimmung

Puerto Ordaz, Venezuela. Die Arbeiter von Sidor haben mehrheitlich die Unterstützer des von Hugo Chávez ins Leben gerufenen "Plan Sozialistisches Guayana" gewählt.

Bei den Gewerkschaftswahlen im größten Stahlwerks Lateinamerikas im Bundesstaat Bolívar gewann José Luís Hernández. Er ist Mitglied der MRO (Revolutionäre Bewegung Orinoco) und wurde mit einem knappen Vorsprung als Präsident von SUTISS wiedergewählt, der Einheitsgewerkschaft der Arbeiter der Eisenhüttenindustrie.

Bei einer Wahlbeteiligung von über 90 Prozent erhielt der Mitbewerber José Meléndez von der Gewerkschaftsallianz/Sozialistische Strömung (Alianza Sindical/Marea Socialista) 1.469 Stimmen, Hernández wurde mit 1.556 Stimmen gewählt. Insgesamt wurden mehr als 5.400 Stimmen abgegeben. Die beiden erstplatzierten Kandidaten repräsentieren die neue venezolanische Arbeiterbewegung, die nach dem Ölstreik von 2002 entstanden ist. Hernández und Meléndez gehören der regierenden Partei PSUV an.

Kandidaten der rechten Oppostition fanden in der Belegschaft offensichtlich keinerlei Rückhalt. Sie versprachen, das Rad in die Zeit vor der Nationalisierung von Sidor zurückzudrehen. Da Sidor zur strategischen Industrie in Venezuela gehört und in den Fragen einer sozialistischen Produktionsform und Arbeiterkontrolle eine Pilotfunktion übernimmt, sind die hohe Wahlbeteiligung und das Wahlergebnis Anzeichen für die Vitalität des bolivarischen Prozesses. Deswegen wurde die Wahl auch im ganzen Land aufmerksam verfolgt.

Das neue Exekutivkommitee von SUTISS setzt sich nach den Wahlen aus Vertretern der Organisationen der drei Erstplazierten zusammen. Die Alianza Sindical hat im Exekutivkomitee nun die Mehrheit inne. Analysten vor Ort schätzen gegenüber amerika21.de den Stimmenzuwachs der Alianza als bemerkenswertestes Ergebnis ein. Sie gilt als größte und militanteste Organisation bei Sidor, die sich für die Durchsetzung der Arbeiterkontrolle einsetzt. In den vergangenen Monaten hatte sie sich bei zum Teil gewaltsamen Auseinandersetzungen unter den gewerkschaftlichen Organisationen auf dem Sidor-Gelände durch entschlossene Gegenwehr gegen Vereinnahmung der Arbeitervertretung durch Kräfte profiliert, die mit der örtlichen oder nationalen Bürokratie verbunden sein sollen.

In den Räumlichkeiten von Sidor tagen regelmäßig auch die Arbeitsgruppen, die den "Plan Sozialistisches Guayana" systematisch entwickeln. Es handelt sich dabei um einen auf zehn Jahre angelegten Plan, den Präsident Chávez 2009 persönlich den Belegschaften in Ciudad Guayana, dem Zentrum der venezolanischen Schwerindustrie vorstellte. Das Ziel sind sozialistische Produktionsformen und die Durchsetzung der Arbeiterkontrolle in den nationalisierten Betrieben. Seit dem Mai 2010 führen von Chávez eingesetzte Arbeiter die wichtigsten staatlichen Unternehmen der Region, diese wurden vorher von der Belegschaft gewählt.

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