Kuba / Politik

Kubas Opposition vor Papstbesuch isoliert

Regierungsgegner wenden sich gegen Annäherung zwischen Kirche und sozialistischer Regierung. Keine Auswirkung auf Programm

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Die Bühne für den Papst auf dem Platz der Revolution in Havanna steht schon
Die Bühne für den Papst auf dem Platz der Revolution in Havanna steht schon

Havanna. Der bevorstehende Besuch von Papst Benedikt XVI. in Kuba spaltet die Systemoppositionellen in Kuba. Während einige Regierungsgegner die Linie der katholischen Kirche als zu nachgiebig

gegenüber der sozialistischen Regierung betrachten, sehen andere eine Möglichkeit zum Dialog.

Orlando Márquez, Sprecher der Erzdiözese von Havanna, warnte in Anbetracht der Kritik von Regierungsgegnern indes davor, dass der Dialog zwischen Kirche und Regierung in Kuba dadurch gestört werden könnte. Vertreter der katholischen Kirche und der sozialistischen Regierung stehen seit Mai 2010 regelmäßig in Kontakt.

"Einige gehen offenbar davon aus, dass angesichts der Abwesenheit anderer Kräfte wie unabhängiger Gruppen oder Parteien die Kirche zum Fürsprecher radikaler Umbrüche in Kuba werden kann", schrieb er in einem im Internet veröffentlichten Artikel. Zugleich wies der Sprecher des kubanischen Kardinals Jaime Ortega Erwartungen zurück, dass sich die katholische Kirche gegenüber der Regierung neutral verhält. Es gebe viele Akteure, die sich "einen Rückzug und eine Einmauerung der Kirche wünschen". Der Laizist und Chefredakteur der Diözesenzeitschrift Palabra Nueva mahnte Akteure auf kirchlicher und staatlicher Seite davor, sich von vornherein auf die eine oder andere Entwicklung festzulegen. Ziel müsse es sein, "den Dialog fortzuführen", so Márquez in seinem programmatischen Kommentar.

Indes veröffentlichten Regierungsgegner einen offenen Brief mit rund 700 Unterschriften, in dem sie Benedikt XVI. dazu auffordern, seine Reise nach Kuba zu überdenken, wenngleich sie in dem Schreiben nicht die Absage der zweiten Kuba-Reise eines Papstes in 14 Jahren fordern. Zuletzt war Johannes Paul II. im Jahr 1998 in Kuba. In dem Brief heißt es, die Reise des Kirchenoberhauptes könne "als Botschaft an die Unterdrücker verstanden werden, dass sie von der Kirche unbehelligt machen können was sie wollen".

Vertreter der Kirche wiesen diese Haltung jedoch indirekt zurück. Der Papst werde während seines Aufenthaltes in Kuba "über die christliche Liebe, Versöhnung und die Einheit unter den Kubanern" sprechen, sagte José Félix Pérez, der Sekretär der Kubanischen Bischofskonferenz. Diese rief indes in einem Kommuniqué zur Teilnahme an den Veranstaltungen mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche auf. Die Nachricht des Kirchengremiums wurde auch in der Tageszeitung Granma, dem Zentralorgan der regierenden Kommunistischen Partei Kubas, veröffentlicht.

Nach Angaben der Programmverantwortlichen wird der Papst am kommenden Montag in der ostkubanischen Stadt Santiago eintreffen. Kuba ist die zweite und letzte Station der Lateinamerika-Reise nach einem Aufenthalt in Mexiko. Geplant sind zwei öffentliche Messen in Santiago de Cuba und am 28. März auf dem Platz der Revolution in Havanna.

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